Das Hauptproblem, wenn man die Küche, das Esszimmer und das Wohnzimmer fliesen lässt, ist, dass man während dieser Zeit keine Küche, kein Wohnzimmer und kein Esszimmer hat. Aber das wäre ja auszuhalten, zwei Wochen würden schon zu überstehen sein.
Da hatte ich noch geträumt ...
Hier kommt der andere mögliche Titel der Geschichte ins Spiel: Gut geplant ist halb gewonnen. Denn im Planen ist mein Mann unschlagbar! Ist er? Vielleicht. Während der ganzen Unternehmung kamen mir leichte Zweifel.
Gut, es waren eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen.
Die Räume mussten leer sein – und zwei Wochen Urlaub waren gebucht. Aber das schien kein Problem zu sein, schließlich liest man immer wieder, dass Handwerkertermine schwer zu bekommen waren. Zu unserer Verwunderung hatte der Fliesenlegerbetrieb unseres Vertrauens jede Menge Zeit für uns.
Wir vereinbarten den 14. Juli als Starttermin. Zwei Wochen nach dem Urlaub würden ausreichend sein, um alles vorzubereiten.
Die erste Hürde war schnell genommen: Unser Monster von Grundofen, zierlich von der Optik her, aber sauschwer auf deutsch gesagt, musste in den Flur. Die Firma Rondolino, die dieses geniale Model entwickelt hatte – vielleicht bekomme ich ja hierfür ein paar Werbeeinnahmen – schickte tatsächlich schon im Mai zwei Arbeiter vorbei, die den Koloss abbauten. Da stand er zwar dann etwas den Abgang zum Keller verengend, aber ein erster Schritt war getan – für die Kleinigkeit von 500 Euro.
Der nächste Termin, der vereinbart werden musste, war mit dem Werkhof. Das ist bei uns ein gemeinnütziger Inklusionsbetrieb unter dem Schirm der Diakonie, der gelernten und ungelernten Arbeitslosen Jobs gab, den wir schon für verschiedene Sachen beauftragt hatten. Schreiner würden die Möbel abbauen, Träger alles in die Garage befördern.
Der Kostenvoranschlag hat uns dann doch etwas negativ überrascht. Mein Mann war vollkommen von den Socken, ich etwas realistischer.
„Das mach ich selbst!", erklärte er.
Und wenn ich eines als erfahrene Ehefrau gelernt habe, dann das: Widersprich nie einem Mann, der beschlossen hat, etwas selbst in die Hand zu nehmen. Warte einfach ab.
So kam es, dass mich an einem Sonntag im Mai ein fürchterliches Gepolter aus dem Schlaf riss. Taumelnd raste ich ein Stockwerk tiefer, fand ihn mitten im großen Bücherregal, Seitenwände stützend, vor.
„Gut, dass du kommst!", rief er. „Halt mal das Teil hier."
Kurz darauf sauste eines der Querbretter haarscharf an seinem Kopf und meine Zehen vorbei der Schwerkraft folgend nach unten. Und das, nachdem die Zehen meines linken Fußes, die ich mir mit der Seitenabdeckeung des Hochbeetes vor Tagen beinahe amputiert hätte, gerade wieder verheilt waren. Ich erspare euch die Beschreibung von blutenden offenen Fleischwunden, sonst muss ich noch eine Triggerwarnung schreiben.
Ich atmete tief durch, versuchte mich zu beruhigen, schaffte es nicht ganz. „Bist du verrückt?", brüllte ich, als auch das nächste Brett noch herunterkrachte, unmittelbar gefolgt vom dritten. Etwas kleinlaut baute er die Stützbretter wieder ein, ich hielt todesmutig die Trägerwände – das war mit Sicherheit einfacher als wochenlange Besuche im Krankenhaus. Nach einem etwas schweigsamen Frühstück ein erster vernünftiger Satz: „Vielleicht ist das doch nicht zu teuer? Auf- und Abbau sind doch sehr arbeitsaufwändig!"
Halleluja!
Warum er, als ich aus der Dusche kam, schon wieder an dieser Regalwand hing?
„Diese verflixte Schiene geht nicht ab!", maulte er.
„Lass das die Fachleute machen, du hast andere Qualitäten", beruhigte ich ihn. Am verregneten Nachmittag saßen wir dann in trauter Zweisamkeit am Tisch und packten den Inhalt der beiden Vitrinen in Zeitungspapier. Mit wurde heiß und kalt. Was für ein Kram hatte sich denn da im Lauf der Jahre angesammelt?
DU LIEST GERADE
Sias Schmunzelecke
Fiksi UmumHier werde ich in unregelmäßigen Zeitabständen Geschichten veröffentlichen, die euch hoffentlich zum Schmunzeln, vielleicht auch mal zum Lachen bringen. Manchmal entsprechen sie der Wahrheit, manchmal sind sie etwas überspitzt. Was zutrifft, könnt...
