35 Was piept denn da?

26 6 20
                                        



Das Piepen scheint in unserem Haushalt und unserer Umwelt einen dauerhaften Platz eingenommen zu haben.

Die Kaffeemaschine piept, wenn der Cappuccino fertig ist und erklärt mir auf dem Display: „Ihr Cappuccino, bitte schön". Eine sehr höfliche Maschine, sie kommt ja auch aus der Schweiz - und ich bin froh, dass sie Hochdeutsch kann.

Manchmal – na ja, eigentlich sehr oft – piept sie auch, weil sie etwas von uns will.
„Bitte Wassertank auffüllen"

„Bitte Kaffeebohnen nachfüllen"

„Bitte Kaffeesatzbehälter leeren"

„Bitte Überlaufbehälter leeren"

„Bitte reinigen"

„Bitte entkalken"

Ich bleibe immer ganz ruhig bei den Wünschen dieses Gerätes, denn es steht auf einem Highboard und ist damit für mich unerreichbar.

Da muss schon M. ran, aber er wollte dieses Ding auch haben!

Der Geschirrspüler piept, wenn er fertig ist, wenn er Klarspüler haben will.

Der Wasserkocher piept, wenn das Wasser kocht.

Die Mikrowelle piept, wenn die eingestellte Zeit abgelaufen ist, ebenso, wie das kleine Backöfchen.

Die Waschmaschine piept, wenn sie fertig geschleudert hat, der Trockner piept, wenn die Wäsche schranktrocken oder bügelfeucht ist.

Mein elektrisch verstellbarer Sessel piept, wenn der Akku leer wird.

Das Handy piept, wenn eine neue Mail eintrifft oder eine WhatsApp-Meldung. Eiine Weile hatte ich auch bei den Schreibapps die Benachrichtigungsfunktion aktiviert, was aber zu einer ernsten Ehekrise geführt hat, weil es zu einer Zeit war, als sich Lesende zu meinen Geschichten verirrt hatten.

Das Handy meines Ehemannes piept, wenn das E-Auto geladen wird, wenn es fünf Prozent geschafft hat, zehn Prozent – und so weiter.
Außerdem, wenn das Wetter sich ändert, Regen wahrscheinlich einsetzt oder wahrscheinlich aufhört.

Ich werde mal heimlich die Benachrichtigungsfunktion bei beiden Apps abstellen.

Seit der Umstellung auf Sommerzeit piepst auch die Armbanduhr meines lieben Ehemannes stündlich und erinnert uns, dass schon wieder eine Stunde unsres Lebens verstrichen ist. Pünktlich um Mitternacht piept sie exakt fünfmal. Warum auch immer. Will sie die Geisterstunde ankündigen?

Immer wieder piepte dann, leiser - aber für meine Ohren wahrnehmbar, eine zweite Uhr -ein, zwei Minuten später. Wie sich herausstellte, war es meine eigene – doch diesen Alarm konnte ich abstellen. Dabei habe ich zwar die Uhrzeit - digital und analog – sowie das Datum verstellt, doch das bekam M. wieder hin.
Kostet mich halt wieder mal Käsespätzle – eine seiner Leibspeisen und mein kulinarisches Grauen.

Ach ja, nicht zu vergessen: Das Garagentor! Das piept, wenn es ganz geöffnet ist und wenn es wieder geschlossen ist.
Noch schlimmer als alles andere: Das neue Auto.

Das piept, wenn der Kofferraum geöffnet oder geschlossen wird, wenn der Sicherheitsgurt nicht in Sekundenschnelle angelegt wird, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um einen Kilometer überschritten wird, wenn ein Hindernis näher als einen Meter kommt oder innerhalb der nächsten Tage kommen könnte, wenn nicht beide Hände am Lenkrad sind oder wenn es sich einbildet, dass Ermüdungserscheinungen eine Kaffeepause nötig machen.

Das allerdings ist M.'s Lieblingsfunktion.

Natürlich piepen auch alle anderen Autos in der Nachbarschaft.

Es piept auch das GPS bei den landwirtschaftlichen Fahrzeugen im Umland, wenn die Grenze des Felde erreicht ist – und wir haben viele Felder um uns herum, kleine Felder, deren Grenzen schnell erreicht sind.

Außerdem piept auch die Eingangstür des Nachbarn nach dem Klingeln, warum auch immer.

Heute war ich beim Zahnarzt. Den Sauger und Bohrer im Mund hörte ich die Ärztin, die etwas zu mir sagte, was ich aber nicht verstand. In einer kurzen Pause vernahm ich ein Piepen und die Frage: „Stört es Sie? Dann wechseln wir den Behandlungsraum."

Mit einem durch die Spritze halb betäubten Mund klang mein Lachanfall und meine Frage etwas seltsam: „Was piept denn da?"

„Der Amalgamscheider, der das Zeug hindert, ins Grundwasser zu gelangen. Gestern haben wir erst einen neuen bekommen", erregte sich die Ärztin, und ich war froh, dass ich so ein Ding nicht auch noch zu Hause habe.

Sias SchmunzeleckeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt