31 Und es war Sommer ... Teil 3

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Beinahe hätte ich übersehen, dass ich euch ja noch Teil drei unseres etwas hektischen Sommers schuldig bin. Mittlerweile ist ja schon tiefster Winter, und das alles liegt schon etwas zurück. Für mich ist es auch eine Art von Tagebuch, diese Geschichten hier zu posten. Denn allzu schnell vergesse ich in dieser schnelllebigen Zeit.

Tja, die Fliesenleger kamen also.

Euch war ein wenig bang, was da noch passierte?
Gar nichts Schlimmes!

Pünktlich um sieben trafen zwei ausgesprochen nette, junge Kerle ein, ein Albaner, eher ruhig und besonnen – und ein Afghane, aufgedreht, quirlig, immer ein Lächeln im Gesicht. Sie radebrechten in einem ganz besonderen Deutsch miteinander, verstanden sich aber augenscheinlich gut, nicht nur verbal. Innerhalb eines Tages hatten sie die alten Fliesen samt Riemchen herausgeschlagen – immerhin rund achtzig Quadratmeter - und den Schutt abtransportiert. Um sechzehn Uhr standen wir leicht fassungslos in einem staub- und fliesenlosen Wohnzimmer.

Den Höllenlärm hatten wir zwei Stockwerke höher nicht mitbekommen, die Nachbarn wohl schon. Die Fenster hatten schließlich den ganzen Tag offen gestanden.

Aber jetzt musste M. raus! Ans Haus gefesselt zu sein, ohne mithelfen zu können, hatte ihn geschafft.

Mich hatte das weniger gestört – mein Laptop hat sich auch oben wohlgefühlt. Also fuhren wir in die Stadt, da hatte ein neuer Supermarkt eröffnet – mit einer seeeehr großen Bio-Abteilung.

Unter anderem erstanden wir ein Glas Pesto, denn das im Keller selbst zu machen, lehnte ich vehement ab. Als wir es dann am Abend zu Spaghetti aglio e olio genießen wollten, blieb es uns etwas im Hals stecken. Es schmeckte wie ... wie ... eingeweichtes Stroh mit Basilikum. Dann las ich erstmal das Etikett: Pesto ohne Knoblauch und Käse.
What?
Inhaltsstoffe: Pflanzenfasern! Und das darf sich Pesto nennen? Wir werfen nicht oft Lebensmittel weg, wirklich nicht, aber dieses Produkt landete im Müll, natürlich ohne Glas, denn das kam, säuberlich gespült, zu den Wertstoffen. Das nur nebenbei.

Am nächsten Tag gab es noch mehr Lärm, der Boden wurde abgeschliffen. Das konnte nicht einmal ich verschlafen. Was bedeutete, dass der Tag um sieben Uhr morgens begann und ein Sia-Zombie durch das Haus irrte.

Kaffee! Nur der konnte mich und meine Umwelt vor mir retten. Schwierig nur, dass das Wasser im Kellerraum links war, die Maschine im rechten und die Milch im Erdgeschoß. Tassen? Wo waren die Tassen? Ach ja - im Kellervorraum. Der beste Ehemann von allen nahm meine Verwirrtheit ziemlich schnell wahr und schickte mich auf den Dachboden, kam kurz darauf mit einer dampfenden Tasse voll Lebenselixier und einem leckeren Wurstbrot an, rettete somit mein Leben.

An diesem Abend konnten wir im Wohnzimmer an einem Campingtisch essen.

Die nächsten drei Tage war das Erdgeschoß wieder Sperrzone. Irgendwelche Massen wurden aufgetragen und wieder abgeschliffen, begleitet von orientalischer Musik vom Handy der Jungs – lauter, orientalischer Musik!

Die Spätnachmittage verbrachten wir in diversen Einkaufszentren, unser Seelen brauchten ein paar Shirts als Trost. Oder einfach eine saubere, staub- und relativ lärmfreie Umgebung. Einmal wollten wir auch essen gehen. Aber sorry – 14,90 € für sechs Bratwürste, da streikte ich.

Ach – so nebenbei hätte ich uns beide auch noch beinahe vergiftet. Auf der Terrasse stand ein Pflanzgefäß, in dem ein wenig Petersilie vor sich hindümpelte. Umso mehr freute ich mich, als ich entdeckte, dass der Estragon, der im letzten Jahr nur äußerst spärlich gewachsen war, plötzlich zu wuchern begann. Wir ernteten reichlich, schnippelten eine ziemliche Menge der länglichen Blättchen in die Gemüsesuppe. Am Tag darauf entdeckte ich Blütenknospen, die sich bald öffneten und sich als Kornblumen entpuppten die im Jaht zuvor in einem Topf in der Nähe gewaschen waren, und deren vertrocknetes Gestrüpp ich in dem Pflanzgefäß zur Abdeckung der Petersilie genutzt hatte.

Mein Herz blieb stehen. Irgendwann einmal hatte ich gehört, dass blaublühende Blumen allesamt giftig waren. Doch mein Helfer in der Not – die KI – beruhigte mich wieder. Von Kornblumen sind sogar die Blüten essbar.

Die zweite Fliesenleger-Woche brach an. Nun wurden endlich Fortschritte sichtbar. Keine Verschlimmerungen, sondern Verbesserungen.

Exakt nach zwei Wochen waren die Jungs fertig, präsentierten stolz ihr Werk.

Ab diesem Tag konnten wir wieder den Campingtisch aufstellen, die Terrasse vom Wohnzimmer aus betreten und nicht mehr um das Haus herum, über Straße und Gartentür.

Aber, weil wir so vorsichtige Menschen sind, die immer mit Komplikationen rechnen, also zumindest die eine Hälfte von uns, die nicht ich bin, hatten wir den Aufbau der Einrichtung mit dem Werkhof eine Woche später terminiert. Das hieß dann eben noch sieben Tage im Keller kochen.

Doch ein Ende war ja nun wirklich absehbar, und wir nahmen es mit Humor. Umso schöner war dann das Gefühl, wieder ein Wohnzimmer, ein Esszimmer und vor allem eine Küche zu haben. Es war zwar noch eine weitere Glastür an einem Möbelteil kaputtgegangen, wer Schuld daran hatte, konnten wir nicht nachvollziehen. Stehen jetzt halt die Ordner offen drin, eine Reparatur hätte 450 € gekostet.

Wir erfreuen uns jetzt schon einige Monate an den neuen, pflegeleichten Fliesen, die auch die Wärme der Fußbodenheizung besser durchlassen.

Ich bin froh, dass wir kein neues Auto gekauft haben, auch wenn das jetzige zurzeit wieder arge Mucken hat. 

Sias SchmunzeleckeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt