Abutilonviolett

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Schon nach den ersten fünf Minuten konnte es Cara nicht mehr aushalten unwissend zu warten. Es nervte sie enorm, dass sie nicht einmal mitbekommen würde, wenn Jessica das Gebäude betrat. Und genervt von dieser Tatsache stieg sie aus dem Auto aus. Zielstrebig begab sie sich Nahe des Vordereingang und lehnte gegen die Tür. Schnell kramte sie ihr Handy heraus und tat so, als wäre sie damit beschäftigt. Somit konnte sie beobachten, ob Jessica auftauchte. Und da Jessica keine Informationen über sie hatte, würde sie auch nicht bemerkt werden. Bei der Appartement Aktion war Jessica schon bewusstlos, bevor sie aufgetaucht war. Somit würde Jessica nicht einmal ihr Gesicht wiedererkennen. Cara stand fünf weitere Minuten gelangweilt an der Wand, als ein Auto vor dem Gebäude anhielt. Sie warf einen flüchtigen Blick zu den zwei Personen die hinaus traten und die geradewegs in das Gebäude eintraten. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf Caras Gesicht, ehe sie sich wieder zum Hintereingang begab. Ihr Blick schwankte zwischen dem Auto und der Hintertür hin und her. Kevin hatte ihr angeordnet im Auto zu warten, was wahrscheinlich auch die schlauere Wahl war. Doch alles in ihr widerstrebte sich danach, Kevin unbeaufsichtigt mit Jessica zu lasen. Sie vertraute dieser Bitch nicht. Und mit diesem Gedanken bewegte sie sich zur Hintertür zu. Diese befand sich für einen Spalt offen, was Cara gekonnt ausnutzte. Sie stand leicht neben den Spalt und blickte durch diesen hindurch in das Restaurant. Sie erkannte Kevin an dem Tisch sitzend, und am anderen Ende Jessica. Sie bekam nur Fetzen aus dem Gespräch mit, doch konnte sie sich Einiges schlussfolgern. Zum Beispiel, dass er seinen Vater unter Kontrolle hatte, denn dieser trat auf seinen Sohn zu. Jessica im Gegensatz verharrte weiterhin an ihrer Position, wahrscheinlich wegen Hope. Was danach geschah, kam für Cara unerwartet. Hope stach sich mit einem abgeschlagenen Glas in den Hals. Kevin befahl etwas, woraufhin sich die Idiotengruppe zum Selbstmord bewegten. Während Kevin zusammen mit seinem Vater zur Hintertür eilte. Was bedeutete, dass... Kilgrave öffnete die Tür und prallte fast mit ihr dahinter zusammen. "Cara! Ich hab dir gesagt du sollst im Auto warten!" Sein Gesichtsausdruck wirkte sehr distanziert, aber Cara bemerkte dennoch, dass er außer sich war. Sie grinste ihn frech an. "Ja und ich hab nicht auf dich gehört. Gewöhne dich daran." Kevin erwiderte nichts darauf, sondern griff unsanft ihren Oberarm und zog sie mit sich mit. „Au...", murmelte sie leise, bewegte sich aber freiwillig. Sie bewegten sich ohne Umschweife zum Auto, als sich plötzlich eine fremde Gestalt näherte. Es war ein dunkelhäutiger Mann, den Cara relativ schnell einordnen konnte. Er war diese ‚Luke', an dem Jessica so sehr hing. „Stop." Kilgraves Befehl ließ Luke anhalten. Das kurze Gespräch darauf folgte, interessierte Cara nicht sonderlich. Das meiste konnte sie sich selber zusammen reimen. Luke folgte Jessica, fand stattdessen Kilgrave und wollte diesen deshalb umbringen. Simple gestrickte Männer waren echt ätzend. Kilgrave befahl Luke ins Auto einzusteigen, woraufhin sie Kevin einen genervten Blick zu warf. Mussten sie sich jetzt tatsächlich mit diesem Idioten herumschlagen? Widerstrebend setzte sie sich ebenfalls ins Auto. Natürlich fragte Kevin kurz nachdem die Autofahrt losging Luke aus. Woher er Jessica kannte, ob sie eine ernsthafte Beziehung hatten. Cara wollte gar nicht erst zuhören, doch konnte sie ihr Gehör nicht ausstellen. Und das was Luke von sich gab, löste in ihr Wut aus. Unter anderem auch Kevins Besessenheit mit Jessica, aber am Meisten, wie Luke Kilgrave verurteilte. „Du hast das selber zu verantworten." Sie bemerkte Kevins Blick. Es verletzte ihn, selbst wenn er versuchte es nicht nach außen hin zu zeigen. Er hatte nicht einmal eine passende Antwort parat, etwas Untypisches für ihn. Instinktiv ergriff sie seine Hand. Eine Gestik die sie sofort bereute, denn sie bezweifelte, dass ihre Zuneigung das war, was er gerade brauchte. Und dennoch wollte sie ihm zeigen, dass er nicht alleine war. Wie erwartet zog er seine Hand weg. „Cara." Ihr Herz zog sich bei seiner warnenden Stimme zusammen. Sofort wandte sie ihren Blick von ihm ab und biss sich auf die Lippe. Natürlich war es eine dumme Handlung von ihr gewesen. Da sie zwischen Kevin und Luke saß, blickte sie nun den Dunkelhäutigen an. Und kaum lag ihre vollkommene Aufmerksamkeit auf diesem überkam sie ein unbekanntes Gefühl. Neben der Macht von Kilgraves Gabe, breitete sich etwas anderes in ihr aus. Etwas weitaus anderes und doch erstaunlich angenehmes. „Du hast eine Gabe." Diese Worte kamen unüberlegt über ihre Lippen. Natürlich lag jetzt jegliche Aufmerksamkeit des Autos auf ihr. Und vor allen Kilgraves Interesse war wieder geweckt. "Dachte ich mir doch, dass Jessica sich nicht an einem normalen langweiligen Typen vergeben würde. Was kannst du?" Kevins Blick war auf Luke gerichtet. Sie würde lügen, wenn sie sagen würde, dass sie nicht auch interessiert war. Eine Fähigkeit zu ‚stehlen' und zu wissen worum es sich handelte, waren leider zwei Paar Schuhe. Sie spürte die Gaben in sich, doch konnte sie nie genau sagen, was die Begabungen machten. „Ich besitze unverwundbare Haut und erhöhte Körperkräfte." Luke antworte ohne Umschweife. Cara musterte ihren eigenen Körper fasziniert. Gerne würde sie seine Fähigkeiten austesten, wodurch ein gewisser Gedanke in ihr hoch schoss. Sie könnte an ihm üben um ihre eigene Gabe besser zu kontrollieren. Cara blickte zu Kevin und bevor dieser auch nur ansatzweise etwas sagen konnte, kam sie ihm zuvor. „Darf ich ihn als Experiments Objekt behalten? Bitte!" Da sie sich nicht sicher war, ob er sich damit zufrieden stellte, schon sie noch einen Satz hinter her. „Dann könnte ich bestimmt lernen Kontrolle über meine Gabe zu haben. Wolltest du das nicht?" Mit Rehaugen und einem bettelnden Gesichtsausdruck fixierte sie seine Augen an. Kilgrave sah sie ernst an. „Kontrolle ist alles." Über seine Antwort musste sie breit grinsen. „Dankeschön.", flötete sie begeistert und wandte sich wieder Luke zu. Diesen strahlte sie voller Vorfreude an. „Wir zwei Hübschen, werden noch ganz viel Spaß haben. Freu dich drauf." Zufrieden mit dem Verlauf der Dinge, lehnte sie sich zurück und genoss den Rest der Fahrt.

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