Und ich schlag die Türen zu [Sie]

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Jack Frost ist real. Es hätte mich nicht überraschen dürfen. Ich weiß, dass Hexen und Drachen und Feen existieren, da darf mich Jack Frost nicht so treffen. Aber genau das tut es. Vielleicht weil er eine andere ... Aura ausstrahlt, als all die anderen magischen Wesen, die ich bisher traf.

»Irgendwann stelle ich dir Bunny mal vor«, meint er lachend und sinkt langsam zu mir herunter. Anfangs war es schwer, mich daran zu gewöhnen, dass er fliegen kann. Er lässt es oft in meiner Gegenwart, aber manchmal kommt es einfach so. Besonders wenn er gelassen ist und fröhlich. Was das Gegenteil zu meinen Auslösern darstellt. Denn wenn ich gut drauf bin, passiert meiner Umwelt nichts. Nur wenn meine Emotionen überkochen ... Man weiß ja, was dann passiert.

»Du willst mir wirklich den Osterhasen vorstellen?«, frage ich aufgeregt zurück und strecke meine Beine aus. Obwohl es mitten in der Nacht ist, noch dazu Winter und dank Jack ein neuer Wintereinbruch gefeiert wird, durch den die Schule für drei Tage ausfällt, friere ich nicht. Dabei sitzen wir auf dem Dach meines Wohnhauses und starren zu dem wolkenlosen Himmel hoch. Nun, ich mache das zumindest. Jack weigert sich hinauf zu sehen.

Ich habe so viel von ihm in den letzten Wochen erfahren, dass ich nicht weiß, wohin mit all diesen Informationen. Es tut gut, mich mit jemanden zu unterhalten. Mit jemanden, der weiß, wie das ist. Die Kontrolle zu verlieren. Oder sie zu behalten. Jack versteht mich da. Er versucht sogar mit mir zu trainieren, damit ich mehr Kontrolle erhalte, aber nichts scheint zu funktionieren, was ich ihm nicht sagen kann. Nicht einmal Olaf weiß, dass die Handschuhe, die verzaubert sind und somit helfen MÜSSEN, allmählich ihre Magie zu verlieren scheinen. Oder ich bin zu stark für sie geworden. Es macht mir Angst.

»Elsa, da draußen ist eine ganze magische Welt, die du noch nicht kennst! Nicht nur Bunny oder Tooth oder North.« Er wirbelt in der Luft herum und lächelnd schicke ich ihm eine kleine Eiswehe, auf der er fliegt. »Klar gibt es auch Wesen wie Pitch, aber das minimiert nicht den Spaß an der Sache.«

»Du weißt, dass ich nicht kann.« Noch während diese Worte meinen Mund verlassen, weiß ich, dass ich sie nicht ernst meine. Denn nichts würde ich lieber tun, als mit Jack all diese Leute kennenzulernen. Das ist das, was ich mir schon immer gewünscht habe. Der Gedanke, dass ich mich nicht mehr verstecken muss, keine Angst mehr haben brauche, dass ich frei sein kann. Diese Gedanken sind so verlockend. Ich kann nicht die Tochter sein, die meine Eltern gern in mir gesehen hätten. Ich bringe Anna in Gefahr, in jeder Sekunde, die ich hier bleibe. Und doch kann ich nicht gehen. Weil ich ihr ein Versprechen gegeben habe und ich ihr Leben nicht ruinieren will. Nicht wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Immerhin hat sie einen Freund, den ich zwar nicht wirklich kenne, aber Kristoff macht sie glücklich. Dass er ein Rentier als Haustier hat, macht ihn zwar nicht vertrauensseliger, aber laut Jack ist er kein Jäger. Das reicht, um als Freund von Anna qualifiziert zu bleiben.

Jack lächelt, dreht sich um und fliegt auf dem Kopf zu mir herüber. Wann immer ich bei ihm bin, habe ich das Gefühl jemand anderes zu sein. Jemand ohne diese drängende Stimme im Kopf. Jemand der tatsächlich leben kann.

»Du wirst schon sehen.«

The past is so behind meWo Geschichten leben. Entdecke jetzt