Kapitel 9

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Alle, die noch in der Gilde geblieben waren, machten sich große Sorgen. „Sie hätten längst wieder zurück sein sollen!" sagte Warren. „Was ist nur vorgefallen? Warum sind sie nicht wieder da?". Macao zerbrach sich wie die anderen den Kopf darüber. Große Unruhe herrschte im Haus. Auch dass niemand Mira und Juvia gesehen hatte. Sie waren doch gar nicht mitgekommen. Viele gingen unruhig hin und her, während andere sich immer wieder einredeten, dass alles gut wäre. Cana betrank sich wieder und war zuversichtlich. „Es wird schon nichts passiert sein. Ihr kennt sie doch. Ihr solltet doch am besten wissen wie stark sie sind!". Doch irgendwie schaffte sie es trotzdem nicht das schlechte Gefühl aller beiseite zu wischen. Elfmann drehte förmlich durch, wo seine Schwester wäre und was passiert wäre und er wollte die ganze Zeit los stürmen. Doch sie hatten davor mit Makarov ausgemacht, dass sie nicht kommen dürften. Sie würden das schon regeln, hatten sie gesagt bevor sie aus der Tür hinaus in die Nacht traten. Lisanna machte sich natürlich auch jede Menge Sorgen, jedoch hatte sie genug damit zu tun, zu versuchen dass Elfmann ruhig blieb. Als sie es für einen Moment geschafft hatte, wollte sie kurz durch atmen und ging aus der Tür hinaus. Sie blickte in den dunklen Nachthimmel und sah den Mond. Sie überlegte, was passiert sein könnte und versuchte ruhig zu bleiben. Sie hoffte, dass nichts Schlimmes passiert war, und dass sie unverletzt, höchstens mit ein paar Kratzern heimkehren würden. Und zwar bald. Sie atmete tief aus und wandte ihren Blick zum Boden. Es wird schon nichts schlimmes sein. Ich kenne sie doch. Und ich vertraue ihnen. Ich bin mir sicher, dass sie bald wieder kommen werden. Es geht ihnen bestimmt gut. Sie dachte wieder positiver und blickte wieder zum Mond, der sie von oben herab anschaute. Dann glaubte sie, etwas Schwarzes am Himmel gesehen zu haben. Doch sie dachte, dass sie sich nur getäuscht hätte. Aber als es ihr wieder auffiel, kniff sie ihre Augen zusammen, um besser erkennen zu können was es war. Sie war sich nicht sicher was es war. Sie schritt einige Schritte in die Richtung. Weg von der Gilde. Ihre Interesse war geweckt. Und als es ganz nah war, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie erkannte einen schwarzen Falken, der durch den dunklen Nachthimmel zu ihr hinunter stürzte. Sie wusste nicht wieso, aber er kam direkt auf sie zu. Mit schneller Geschwindigkeit brauste er durch die Luft. Sie wusste nicht warum, aber irgendwie hatte sie das Gefühl, der Vogel hatte eine Nachricht. Eine wichtige Nachricht. Und im nächsten Moment glaubte sie, die Nachricht war in Verbindung mit dem Ausflug der anderen. Also hob sie ihren Arm, in der Hoffnung, der würde dies annehmen und darauf landen. Sie sah wie er näher kam, nun ganz nah über dem Boden war und immer noch in ihre Richtung flog. Er bewegte seine Schwingen, die schwarz wie Pech waren, und landete elegant auf ihrem Arm. Sie hatte erst Angst, dass der Greifvogel sie beißen würde, das tat er aber nicht. Sie erkannte dass er friedlich war und streichelte ihn vorsichtig. Dieser pfiff noch einmal kurz bevor er vollkommen ruhig auf ihrem Arm weilte. Sie beschloss hinein zu gehen und ihn den anderen zu zeigen, schließlich kam nicht jeden Tag einfach ein schwarzer Falke angeflogen und setzte sich gemütlich zu ihr. Doch bevor sie sich umwandte blickte sie auf seine Klauen und konnte nicht glauben, was sie da sah. Genau wie sie vermutet hatte, wie ihr Gefühl ihr gesagt hatte, befand sich an seinem Bein ein Zettel. Dann bekam sie ein mulmiges Gefühl im Bauch, denn die anderen würden nicht ohne Grund einen Zettel schicken. Sie hoffte, dass dies nichts Schlechtes bedeutete. Sie atmete tief aus und trat ins Innere des Gebäudes. Sofort waren ein paar Blicke auf sie gerichtet, doch sie wollte die volle Aufmerksamkeit. „Schaut mal alle her. Eine Nachricht ist angekommen.". Somit hatte sie alle Augenpaare auf sich liegen. Einige blickten sie erstaunt und verwundert an, andere zogen sofort Gesichter, als ob sie wüssten, dass dies nichts Gutes bedeuten konnte. Sie blickte einmal in die Runde und trat dann mit dem Falken zum Tisch, der relativ mittig stand, dass auch alle übrig gebliebenen zu ihr sehen konnten. Cana kam ebenfalls zu ihr. Alle waren nun am Tisch versammelt und niemandem fiel es leicht Vermutungen laut auszusprechen. Eine Zeit lang war es totenstill. Doch dann griff Lisanna zu dem Zettel am Fuß des Tieres. Sie gab ihn Cana, die ihn still auseinander rollte. „Eine andere Schrift, als die des Briefes der heute angekommen ist..." stellte sie fest. Sie beobachtete ihn erst einmal genauestens. Die Schrift war geschwungen, aber nicht wie auf Mittelalter gemacht. Sie war elegant und doch nicht wie aus dem Königshof. Einfach nur schön. Nachdem sie auch diesen Brief nach einem Absender ohne Erfolg abgesucht hatte, glitt ihr Blick zu der ersten Zeile und sie fing an den Brief laut vorzulesen.

An die restliche Gilde Fairy Tail. Eure andere Hälfte kam heute auf eine Lichtung am Karashi- Berg. Eure Leute sind verletzt und verwundet. Keiner von ihnen ist mehr stark genug, um sich nach Hause zu schleppen. Geht dort hin und helft ihnen, dass sie wieder nach Hause zurückkehren können. Manche von ihnen sind sehr schwer verletzt. Lasst euch nicht zu viel Zeit.

Als Cana das gelesen hatte, lag pures Entsetzen in der Luft. Münder standen offen, Augen waren aufgerissen. Wie konnte so etwas nur passieren? Sie waren doch so stark. Was war da nur vorgefallen? Diese Fragen und noch jede Menge andere tummelten sich in ihren Köpfen. Dann drehte Cana den Zettel um und entdeckte noch etwas. „Wartet dort steht noch etwas!", brüllte sie um durch den Lärm und die Verwirrung jemanden zu erreichen. Dann hatte sie wieder die volle Aufmerksamkeit.

Außerdem waren zwei weitere Frauen mit den Namen Juvia und Mirajane dort. Lasst den Falken bitte wieder frei, er ist aus der Wildnis und gehört in die freie Natur.

Noch mehr Entsetzen war ausgebrochen. Nun drehte Elfmann vollkommen durch. Er wollte geradewegs durch die Tür stürmen, doch Lisanna konnte ihn gerade noch aufhalten. „Es hilft nichts, wenn wir jetzt einfach los rennen. Wir müssen planen. Wenn es ihnen nicht gut geht, müssen wir Erste Hilfe mitnehmen.". Elfmann wollte trotzdem los, sah es aber dann ein. Dann blickte sie den Falken an. Sie war sehr verwundert, warum er so gut gehorchte und so ruhig blieb wenn er doch aus dem Wald kam. „Na, wer hat dich wohl geschickt", überlegte sie laut dem Falken zugewandt. Er pfiff kurz. Alle machten sich bereit um aufzubrechen. Mit größten Sorgen und viel zu vielen Gedanken wollten sie aufbrechen. Immer noch herrschte große Unruhe. Spannung lag in der Luft. Lisanna ging mit dem Vogel auf dem Arm voraus aus der großen, schweren Tür hinaus. Sie sah erneut in den dunklen Nachthimmel und atmete die kühle Luft ein. Gedanklich bereitete sie sich auf etwas Schlimmes vor. Verzweiflung machte sich in ihr breit. Doch dann sagte sie sich Es wird schon nicht so schlimm sein. Und dann mit einem verzweifeltem Gesichtsausdruck Es darf nichts Schlimmes sein. Doch dann atmete sie aus und beschloss sich "überraschen" zu lassen. Auch wenn dass nicht wirklich passte. Sie wollte einfach nicht darüber nachdenken was auf sie zu kommen könnte. Also trat sie so weit hinaus dass auch der Rest hinaus konnte. Alle warteten auf das Startzeichen. Lisanna stand ihnen zu gewandt, drehte sich nun seitlich zu ihnen und hob den Arm. Der Greifvogel erhob sich elegant mit seinen pechschwarzen Schwingen in die Tiefe Nacht. Er tauchte lautlos in dem Schwarz, welches alles verschlucken zu schien, unter. Nur der Mond erhellte den Himmel. Nur durch ihn sahen sie schwach den Weg. Den Weg, den die anderen auch gegangen waren. Den verhängnisvollen kleinen Pfad, der sie zu dem Ort brachte, wo sie immer noch zerstreut am Boden lagen. Und sie gingen nun genau diesen Weg entlang. Lisanna verfluchte diesen Weg in Gedanken. Diesen Weg der sie anzugrinsen schien. Es schien als ob er ihr das unter die Nase reiben wollte und machte sich über sie lustig. Dennoch glaubte sie, dass sie sich das einbildete, aber das war ihr im Moment vollkommen egal. Doch sie wusste nicht dass es den anderen ähnlich ging. Dem Boden wurden die ganze Zeit immer wieder böse Blicke zugeworfen. Vermutlich versuchten alle aber nur die Gedanken an das Geschehnis zu verdrängen. Doch je näher sie der genannten Lichtung kamen, desto mehr verschwanden die Gedanken über den Weg und wichen Panik und Angst, was nun auf sie zu kommen würde. Mit jedem Schritt den sie auf den Platz zu taten, wurde es schlimmer. Dann konnte Lisanna dem Druck nicht mehr stand halten und ging immer schneller, bis sie langsam lief. Doch dann, als sie den letzten Busch beiseite schob, blieb sie wie angewurzelt stehen. Den Schock, der sie gerade total überrumpelt hatte, als sie die Lichtung erblickte, bohrte sich tief in ihre Knochen. Diesen Moment würde sie niemals wieder vergessen.

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