... C wie Cotton...

1.6K 166 29
                                    

Einige Wochen später auf einer kleinen Insel mitten im nirgendwo

Kuando war anders als man es sich vorstellte. Es gab traumhafte Strände, nette Einwohner und viele Möglichkeiten zum Surfen und dennoch war alles hier teuer. Man bezahlte mehr als auf dem Festland und so kam es auch, dass ich eine kleine Wohnung in der nähe der Schule bekam. Ich wohnte dort zusammen mit 3 Mitbewohnern, von denen ich eigentlich jeweils nur einen sah. Mein Zimmer war klein und bot kaum Platz für all meine Sachen und dennoch reichte es gerade. Immerhin hatte ich nicht groß die Möglichkeit gehabt, alles mitzunehmen. Die Wohnung war alt und manchmal wenn es regnete, mussten wir darauf achten, dass es nirgends hineinregnete.

Ich konnte definitiv sagen, dass ich mich in keinster Weise an mein neues Leben gewöhnt hatte, obwohl bekanntermaßen ging es ja einige Zeit und nach einigen Monaten, wollte man nie mehr weg. Ich konnte nur hoffen, dass genau dies für mich zu traf, denn mein Aufenthalt hier war von längerer Dauer.

Die Sache mit dem Sprachaufenthalt glaubten mir meine Eltern und zugegebenermaßen wirkte auch alles so. Ich schickte ihnen Bilder vom Strand, Bilder von der Schule und schrieb ihnen, wie wunderbar es hier doch wäre. Mit jedem Wort mehr, kroch dieses schlechte Gewissen meinen Hals hoch. Es war ein Abenteuer und genau darum hatte ich mich nicht dagegen gewehrt. Wann sonst bekam man einmal die Möglichkeit, für einige Monate bezahlt auf einer Insel zu sein und das Einzige was man tun musste, war einen Jungen zu beobachten.

Aber zurück zur Schule und zurück zu meinem ersten Tag,

"Miss Lane?" Eine Frau mit einer eleganten Hochsteckfrisur und Brille auf der Nasenspitze, blickte immer wieder auf ihr Klemmbrett und dann auf mich. "Miss Lane?", fragte sie noch einmal in einer seltsamen hohen Stimme.

"Zo- ... Lane , ja.", korrigierte ich mich eilig. Das mit dem neuen Namen musste noch geübt werden.

"Zolane?" Sie hob die Augenbraue und verzog dabei ihren Mund, als ob sie auf eine Zitrone gebissen hätte.

"Lane genügt völlig." Ich versuchte zu lächeln, während ich darüber nachdachte, was ich mit meinen Händen anstellen sollte, ohne nervös zu wirken.

"Setzten sie sich doch." Sie nickte und deutete mit ihren manikürten Nägeln auf einen weichen Polstersessel direkt vor ihrem Schreibtisch. Miss Foster war zuständig für neue Schüler, zumindest wurde mir das auf einem Blatt Papier mitgeteilt. Sie war aber auch zuständig für alle Vereine und das ganze Administrative Zeug. Kurz gesagt, sie war die Sekretärin des Hauses.

"Wir freuen uns außerordentlich, dass sie sich für unsere Schule entschieden haben.", sprach sie in einer völlig monotonen Stimme. Ich sank derweil immer weiter in den Sessel ein und hoffte, er würde mich an einen anderen Ort befördern.

"Ihre Noten sind auch wirklich außerordentlich wunderbar." Ihre Stimme wurde immer höher und am Liebsten hätte ich ihr gesagt, dass das gar nicht meine echten Noten waren.

"Wirklich außerordentlich." Sie nickte, ehe sie wieder aufsah. Außerordentlich schien ihr Wort des Jahres zu sein.

"Ich bin sicher, sie werden sehr schnell Anschluss finden. Hier haben sie ihren Stundenplan, die Freifächer und die zusätzlichen Aktivitäten nach der Schule. Bei Fragen wenden sie sich bitte an mich." Sie lächelte und reichte mir einen Stapel Blätter, welchen jedes Lexikon der Welt neidisch gemacht hätte.

"Ich danke ihnen." Ich nickte und erhob mich vorsichtig aus dem Sessel.

"Sehen sie sich doch ein wenig um, die nächste Stunde beginnt in 30 Minuten." Sie wendete ihren Blick wieder ab und schrieb etwas auf ihrem Computer.

"Danke.", meinte ich erneut, drückte den Stapel an mich und verließ auf Zehenspitzen das Büro.

Dass ich nicht von hier kam, merkte wohl jeder. Alle liefen in kurzen Hosen oder Kleidern umher, während ich mir noch eine dicke Strickjacke umgebunden hatte. Leider hatte mir niemand vorausgesagt, wie warm es werden würde.

Bad Exchange, der VertragWo Geschichten leben. Entdecke jetzt