Zuhause angekommen wurde ich schon von meinem betrunkenen Dad erwartet. Ich wollte schnell in mein Zimmer fliehen aber er stellte sich mir schon in den Weg "Du bleibt hier meine kleine" er hob meinen Kopf am Kinn hoch "Und hattest du gestern Spaß mit deinen ach so tollen Brüdern?!" fragte er provozierend aber ich schwieg. Er hob schon die Faust und ich stellte meinen Körper wie immer Taub. Und ich bekam die Faust direkt in den Magen. Ich sank auf die Knie "Wenn deine Mutter dich sehen könnte... wie erbärmlich ihr kleine Tochter ist!" wow das war hart. Ich war vieles gewohnt aber dass er das jetzt sagte traf mich mehr als seine Schläge. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen ! So gut ich konnte stellte ich mir vor ihn und schaute ihm direkt in die Augen "DU allein bist der Grund warum sie gegangen ist ! Warum meine Brüder, deine Söhne, gegangen sind ! Du bist der Grund warum sie mich alleine gelassen haben!" Mit jedem Wort wurde ich lauter. Damit hätte er wohl nicht gerechnet, denn er schaute mich nur verdutzt an. Und dann tat er etwas womit ich nicht gerechnet habe. Er hob die Bierflasche und schmetterte sie genau gegen meinen Kopf "ERBÄRMLICH BIST DU!!! SO WIE DEINE MUTTER UND DEINE BRÜDER!!!" schrie er und ich kämpfte gegen die schwärze um mich herum die mich zu sich holen wollte. Ich lag auf dem Boden und er hob mich mit einer Hand um den Hals hoch sodass ich keine Luft mehr bekam und schmetterte mich gegen das Treppengeländer "DU WIRST NIE WIEDER EIN WORT GEGEN MICH HEBEN!! ICH BIN DEIN VATER !! HAB RESPEKT DU GÖHRE!!". Mit aller Kraft die ich hatte musste ich ihn von mir weg schubsen denn ich war mir sicher er würde mich umbringen wenn er weiter machen würde. Ich war zwar nicht so stark jedoch brachte ich ihn zum taumeln, da er ja betrunken war. Ich ergriff die Möglichkeit und stürmte aus der Tür, raus auf die Straße.
Ich rannte los. Ich hatte mein Ziel vor Augen: Layla. Jetzt musste der richtige Zeitpunkt sein um ihr alles zu erzählen.
Ihre Mutter öffnete mir im Bademantel die Tür "Oh Gott Alais ! Was ist denn passiert ?!" anstatt ihr zu antworten stellte ich ihr eine Gegenfrage "Ist Layla da?" , "Ja sie ist in ihrem Zimmer.. aber Alais dein Kopf!" ich hörte ihr nicht weiter zu denn meine Konzentration war fort. Ich brauchte Layla jetzt. Ich schob mich an ihrer Mom vorbei und lief hoch in ihr Zimmer. Ich bereute es sofort wieder. Nein!! Nein das kann nicht sein !!! Tut mir das nicht an !! Erst jetzt kamen die Tränen. Das zerstörte mich gerade. Layla und Ryan... Ryan lag nackt über einer nackten Layla. Dieser Anblick war so widerlich, dass mir abrupt schlecht wurde. Layla schubste Ryan von sich runter, wickelte die Decke um sich und kam mit Tränen in den Augen auf mich zu "Alais... hör mir zu... D-du blutest ja". Ich schaute sie geschockt an und wich einen Schritt zurück "Komm keinen Schritt näher", "Alais..." versuchte sie es wieder aber bei mir brannten jetzt alle Sicherungen durch "WAS ALAIS ?! WILLST DU MIR JETZT SAGEN DASS DU ES NICHT WOLLTEST ?! DASS ES EIN FEHLER WAR !? DU BIST MEINE BESTE FREUNDIN !!! WIE KONNTEST DU NUR ??!" sie zuckte zusammen aber das war mir egal. Ich schaute hinter sie zu Ryan der nur grinsend da saß und alles beobachtete "Und du..." wollte ich anfangen aber er unterbrach mich "Alais kleines, wieso wundert dich das ? Ich wollte immer mit dir schlafen aber du bist so verklemmt und ließt nichts mit dir machen. Du wurdest langweilig und ich wollte mehr". Das hat er jetzt nicht gesagt ?!
Aber irgendwie konnte ich ihm das nicht wirklich böse nehmen, denn der Fehler lag wirklich bei mir. "Ich wollte Ryan.. Ich wollte aber ich habe mich geschämt für alle Wunden an meinem Körper, die mein Dad mir zugetragen hat..." ich hob mein T-Shirt und er staunte nicht schlecht. "Wie konnte ich mich nur so in euch täuschen...?!" fragte ich unter Tränen und machte kehrt. Ich lief die Treppe runter. Layla rief mir noch hinterher, dass ich bleiben soll aber ich musste hier weg, nur noch hier raus. Ich konnte mich nie wieder in der Schule blicken lassen. Außer Layla und Ryan hatte ich auch niemanden hier. Wo sollte ich nun hin ? Ich entschied mich an den See zu laufen an dem ich gestern mit meinen Brüdern war. Jetzt brauchte ich sie.... Ich sah schon gar nichts mehr vor Tränen und setzte mich in den warmen Sand und legte den Kopf in die Knie. Dann ließ ich ununterbrochen allen Trauer raus..
Ich beschloss einfach hier zu bleibe. Meine Brüder würden nach mir suchen wenn ich ihnen nicht mehr zurück schreibe oder an mein Handy gehe. Ich war komplett fertig mit der Welt und könne Selbstmord begehen in diesem Moment. Vielleicht sollte ich das auch tuen.
Ich schaute raus aufs Wasser und irgendwas schien mich zu rufen. Ich ließ mich rückwärts in den Sand fallen und schaute in den Himmel. Die Sterne funkelten um die Wette und es schien so als würden sie mir alle gefallen wollen. Sie bettelten sich darum, wen ich am schönsten finden würde aber ich fand alle faszinierend. Irgendwann fielen meine Augen zu und ich schlief im Sand ein. Und wurde von den schlimmsten Albträumen geplagt.
"Hallo Dad, ich bin zurück von der Schule" rief ich als ich nach Hause kam und lief in die Küche. Dort drehte er sich vom Herd zu mir und stellte essen auf den Tisch "Wie war die Schule?" fragte er liebevoll. Stolz erzählte ich ihm wie mein Tag war und wir aßen die leckerste Bolognese der Welt. Aber dann wurde um uns herum alles weiß und wir standen uns in kompletter Leere gegenüber. Das Lächeln verschwand und er schaute mich ausdruckslos an. Ich sah die Trunkenheit in seinen Augen. "Erbärmlich wie deine Mutter !!" schrie er plötzlich und schlug auf mich ein. Ich spürte jeden Schlag, jede Berührung. Ich schrie vor Schmerzen und weinte aber niemand konnte mir helfen. Dann verschwammen die Bilder...
Ich wurde wach und es war noch dunkel und ich immer noch am See. Wie im Traum weinte ich... Ich wollte aufstehen und gehen aber mir wurde sofort schwindelig und ich packte mir an den Kopf wo ich das getrocknete Blut spürte und setzte mich schnell wieder hin. Ich konnte nirgendswo hin.
Irgendwann schlief ich wieder ein. Alles zerrte an mir und forderte so viel Konzentration. Als ich wieder wach wurde regnete es. Das Wetter spiegelte meine Situation wieder. Ich dachte über mein Leben nach und erkannte dass es nichts Wert war. Entschlossen stand ich auf und ging Schritt für Schritt weiter ins Wasser. Es war kalt und ich bekam eine Gänsehaut. Die Kälte umhüllte und betäubte mich, sodass es mir leichter fiel weiter zu gehen. Ich tauchte unter und alles drehte dich. Ich spürte den Drang nach Luft zu holen und wollte wieder an die Luft aber es ging nicht. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, ich war wie gelähmt. Die Wellen schienen meinen Namen zu rufen und dann verlor ich mich... es wurde alles Schwarz.
Mein Name ist Alais Blake Silver und jetzt fängt mein Leben erst richtig an.
