Um Gottes Willen wollte ich nicht nachhause fahren. Zu niemandem wollte ich hin, einfach allein sein. Automatisch schlug ich den Weg in Richtung Wald ein. Das brachte mich auf andere Gedanken. An einer Lichtung setzte ich mich hin und aß ein übrig gebliebenes Brot von gestern. Ein leichter Windhauch strich mir durchs Haar und ich atmete tief durch. Ich ließ den gestrigen Abend Revue passieren. Tausende Fragen stellten sich und ich fragte mich, an welchen furchtbaren Menschen ich da bloß geraten war. Einerseits sagte mir mein Verstand, dass ich Joschka einfach loslassen sollte, doch mein Herz weigerte sich strikt dagegen. Dann fing ich an, mir Schuldgefühle zu machen. Dass ich nicht schuld war, wusste ich, aber irgendwie gab mir Joschka doch das Gefühl, ich hätte alles falsch gemacht, was ich je in meinem Leben getan hatte. Meine Fehler verstand ich einfach nicht und Joschka zu verstehen, war erst recht eine Königsdisziplin. Er war der totale Kerl, der Kerl meiner Träume und dann wieder doch ein richtiges Mädchen. Diese Aussage, ich wäre eine Zicke gewesen, veranlasste mich, den Kopf zu schütteln. "Er ist doch die größere Zicke.", bemitleidete ich mich mich selbst. Wie gern hätte ich ihn jetzt neben mir gehabt, doch selbst das wäre merkwürdig gewesen. Nachdem wir aus so unbekanntem Grund zerstritten waren, kam es mir befremdlich vor, nur daran zu denken, noch einmal in seinen Armen zu liegen. Ich sah sein Grinsen vor mir und dachte wieder daran, wie unglaublich hübsch er war. Dieses leichtspöttische Funkeln in seinen grünen Augen. Man konnte sich Joschka wirklich schlecht in ernster Stimmung vorstellen, denn er lachte immer und seine Stimme trug nahezu bei jedem Wort einen witzigen Unterton.
Ein Knistern unterbrach meine Gedanken und ich sah eine Katze, die versehentlich auf einen Ast getreten war. Sie kam auf mich zu, als ich meinen Arm zu ihr ausstreckte. "Warum streunst du denn hier mitten im Wald herum?", sagte ich leise zu mir selbst. Ihr Blick schien meine Frage mit "Warum sitzt du wohl hier herum?" zu beantworten. Nachdem sie kurz an meiner Hand schnupperte, strich sie auch schon um mich herum. Bedingungslose Liebe bekam man nur von den Tieren und nicht vom Menschen. Die Katze setzte nach einer kurzen Streicheleinheit ihre Wege im Wald fort.
"Was habe ich dir getan?", schrieb ich Joschka. Er schickte mir nur ein paar wütende Smileys und ich fing an zu weinen. Ich beschloss, ihn erstmal nicht mehr anzuschreiben und einfach zu ignorieren. Um mich zu beruhigen, atmete ich die wunderbare Waldluft, den Duft von Nadeln und Moos, tief ein. Hier schien die Sonne nicht so extrem wie auf den Feldern im Norden des Dorfes und es herrschten deshalb angenehme Temperaturen.
Als ich mich wieder etwas gesammelt hatte, beschloss ich, wieder nachhause zu fahren. Die Fahrt war anstrengend und ich schwitzte mich halb zu Tode. Mein Magen knurrte unaufhörlich, doch so richtig in der Verfassung um zu essen, war ich bei der Hitze nicht.
Zuhause wartete Caren bereits auf mich, um mit mir ins Schwimmbad zu radeln.
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The Way Of Love
RomanceDie 16-jährige Luna Leyermann wohnt mit ihrer Mutter in der Großstadt. In ihrer Freizeit fahren beide immer in die Heimat, um Lunas Vater und ihre Halbschwester zu besuchen. Luna treibt sich nachts mit ihrer Schwester im Dorf rum und lernt dabei den...