Kapitel 11.

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September 2021


Wir saßen gerade in meinem Auto, auf dem Weg zu Camilas Termin mit ihrem Therapeuten, als ich bemerkte wie unruhig sie wurde. Sie schaute nervös hin und her und spielte mit ihren Fingern. Ich bemerkte auch wie sie anfing tiefer ein und auszuatmen.

Bevor wir losgefahren sind war alles noch ganz normal, aber sobald wir in das Auto gestiegen waren, veränderte sich Camilas Verhalten.

„Camila. Ist das immer so, bevor du zu der Therapie fährst?" fragte ich sie und schaute sie kurz von der Seite an, bevor ich wieder auf die Straße schaute, da ich keinen Unfall bauen wollte.

„Nein. Es ist noch schlimmer. Deshalb fahre ich auch nicht mit dem Auto zu der Praxis. Ich habe viel zu viel Angst einen Unfall zu bauen weil ich immer so zittere. Ich gehe meistens zu Fuß."

„Zu Fuß?! Das sind fast 5 Kilometer. Dafür braucht man doch eine Ewigkeit!"

„Es sind 5.3 Kilometer und man braucht 1 Stunde und etwa 5 Minuten. Außerdem macht es mir nichts aus zu laufen, ich meine ich habe die letzten zwei Jahre fast jeden zweiten Tag mehrere Stunden im Auto gesessen, also ist das okay. Ich mag es übrigends, dass der Weg so lange dauert. Es ist genug Zeit um über viele Dinge nachzudenken."

„Über was für Dinge denkst du nach?" fragte ich weiter, da ich sah, dass sie dadurch etwas ruhiger wurde und wieder anfing normal zu Atmen.

„Alles mögliche. Das was mir gerade so im Kopf herumschwirrt. Letztens habe ich darüber nachgedacht, das Hunde und vielleicht nur deshalb die Stöcke zurück bringen, weil sie denken, das es uns Menschen Spaß macht sie zu werfen." sagte sie leicht lachend und ich musste auch anfangen zu lachen.

Das war einer der Sachen, die ich am meisten an Camila vermisste hatte.

„Warte, du musst hier rein fahren und dann sind wir schon da." sagte Camila plötzlich und ich fuhr so, wie sie es gesagt hatte.

Ich parkte vor einem relativ hohem Gebäude. Von außen war es weiß bestrichen und man konnte sehen, dass es drei Stockwerke hatte.

„In welchen Stock müssen wir?" fragte ich Camila, nachdem wir ausgestiegen waren und ich ihr die Eingangstüre zu dem Gebäude aufhielt. Sie lächelte mich dankbar an und drehte ihren Kopf zur Seite, sodass ich ihr Gesicht nicht sah, welches sich leicht rot färbte. Aber ich hatte es gesehen un musste grinsen.

„Nach ganz oben in den dritten Stock." antwortete sie und ging Richtung Aufzug. Ich folgte ihr und wir fuhren nach oben.

Wir stiegen im dritten Stock wieder aus und ich öffnete erneut die Tür für Camila. Sie ging direkt zu dem Empfangsbereich und sprach kurz mit der Frau, welche vor einem Computer saß und darauf herumtippte. Ich stand ein paar schritte hinter Camila, da ich nicht wusste ob ich alles mitanhören durfte.

Camila drehte sich nach ein paar Minuten wieder um, nahm meine Hand und führte mich in einen Raum, der aussah wie ein Wartezimmer. Wir waren die einzigen Leute dort, was ich aber nicht wirklich schlimm fand.

Wir setzten uns hin, aber Camila ließ meine Hand nicht los. Da ich nicht wusste was ich sagen sollte, blieb ich einfach still und schloss für einen Moment die Augen. Ich atmete tief ein und aus und konzentrierte mich auf das Gefühl von Camilas Hand in meiner, so als wenn es das letzte mal wäre das ich ihre Hand halte.

Ich öffnete meine Augen nach ein paar Atemzügen und schaute zur Seite, direkt in Camilas Augen. Sie wurde erneut etwas rot und drehte ihren Kopf schnell zur Seite. Ich schaute auch wieder nach vorne, erneut mit einem grinsen im Gesicht.

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