Am nächsten Morgen werde ich unsanft von meinem Wecker geweckt. Ich taste den Nachttisch nach meinem Handy ab und stelle den Alarm aus, als ich es endlich gefunden habe.
Ein Kribbeln durchzieht meinen ganzen Körper und aufeinmal bin ich hellwach, als ich die Uhrzeit sehe. Ich habe verschlafen und nicht gerade wenig.
Ich suche erneut im Dunkeln nach dem Schalter meiner Nachttischlampe, worauf es augenblicklich hell im Raum wird.
Erst jetzt sehe ich mir mein Handy genauer an. 20 Nachrichten und 3 verpasste Anrufe. Da verschläft man ein einziges Mal und schon will die halbe Menschheit seine Aufmerksamkeit.
Da ich sowieso schon zu spät bin beschließe ich mir die Nachrichten genauer anzusehen.
Zwei sind von meiner Mutter, in denen sie mir mitteilt, dass sie mich nicht wecken wollte und mir mein Frühstück deshalb auf meinen Schreibtisch gestellt hatte.
Ich löse meinen Blick vom Handy und schaue zu meinem Schreibtisch. Tatsächlich stand dort ein Tablett mit Toast und Orangensaft.
Theoretisch ist ihre Aussage ein Widerspruch in sich, aber anscheinend hat sie ihr Ziel erreicht. Ich bin immerhin nicht wach geworden und um mein Frühstück muss ich mich auch nicht mehr kümmern.
Dann lese ich weiter. Die nächsten 5 Nachrichten kommen von Ámbar. Ich öffne den Chat und lese sie.
"Guten Morgen"
"Was hast du heute vor?"
Die nächste Nachricht hatte sie eine Stunde später geschickt.
"Hallo? Mike? Schläfst du noch oder ignorierst du mich?"
Wieder lag eine halbe Stunde zwischen dieser und der nächsten Nachricht.
"Okay alles klar. Schreib mir, wenn du wach bist"
Die nächste Nachricht kam anderthalb Stunden nach der letzten bei mir an.
"Also nächstes Mal höre ich früher auf zu schreiben oder stelle mir einen Wecker. Du bist ja zu nichts zu gebrauchen, wenn du erst so spät schlafen gehst 😂"
Irgendwie ist es mir schon etwas peinlich, dass sie mich quasi auf frischer Tat ertappt hat, also entscheide ich mich letztendlich für eine kleine Notlüge, um meinen kleinen Fehler zu vertuschen. Ich überlege kurz, bis mir etwas einfällt, das um weites mehr vertretbar war, als mein kleiner Fauxpas von 'heute Morgen'.
Schnell schreibe ich ihr, dass ich meiner Mutter im Garten geholfen hatte und mein Handy im Haus lag. Dass meine Mutter seit heute Morgen arbeiten ist muss sie ja nicht wissen.
Ich weiß zwar nicht, warum mir so wichtig ist, dass Ámbar nicht denkt, ich würde ewig lang schlafen, aber aus irgendeinem Grund ist genau das der Fall. Eine kleine Notlüge wird schon nicht so verwerflich sein.
Ich gehe zurück in das Hauptmenü und sehe, dass die fehlenden 13 Nachrichten allesamt von Ruggero kommen. Auch die Anrufe gehen auf seine Kappe.
Ich richte mich in meinem Bett auf und kann mir ein Schmunzeln nicht verkeifen. Ja, ich bin viel zu spät und hätte mich schon vor Stunden mit ihm treffen sollen, aber mein bester Freund hat wirklich einen Tick von Mutter in sich. Sobald ich auch nur zwei Minuten zu spät kam tat er so, als wäre ich dem Tod nur knapp entsprungen oder gerade wie durch ein Wunder einem Unfall entkommen.
Um ihn zu beruhigen, mir aber seine Standpauken zu ersparen, entscheide ich mich für die Option ihm eine kleine Nachricht zu schreiben. Hätte ich ihn angerufen säße ich hier wahrscheinlich morgen noch und würde mir all die Dinge anhören, die mir hätten passieren können.
"Sorry, hab verschlafen. Ich habe gestern Abend vergessen den Wecker umzustellen und bin gerade erst wach geworden. Ich mache mich schnell fertig und komme dann sofort"
"Man Mike. Hast du eine Ahnung was ich mir alles ausgemalt habe? Mach das gefälligst nie wieder mit mir"
Keine 10 Sekunden später hat er schon geantwortet. Was habe ich gesagt? Wie eine Mutter. Eine kleine überfürsorgliche, italienische Mutter, aber er war meine kleine überfürsorgliche italienische Mutter.
Wie in meiner Nachricht angekündigt gehe ich sofort ins Badezimmer, steige unter die Dusche und putze mir anschließend die Zähne. Nachdem auch meine Haare sitzen und ich mich wieder angezogen habe, beiße ich noch einmal in das Toast, welches noch immer auf dem Tablett auf meinem Schreibtisch liegt und gehe, noch immer mit vollem Mund, die kleine hölzerne Wendeltreppe hinunter.
Unten angekommen schnappe ich mir meine Schlüssel, den Autoschlüssel und meine Jacke und verlasse das Haus.
Noch einmal schaue ich auf mein Handy. Die Nachricht an Ruggero ging vor einer Viertelstunde raus. Das ist ein neuer Rekord.
Ich schließe mein Auto auf und schmeiße meine Jacke mitsamt Haustürschlüssel kurzerhand auf die Rückbank. Dann fahre ich zu Ruggero.
Mir graut es schon jetzt davor mir seine Standpauke anzuhören, aber das gehört zu ihm dazu. Ich hatte ihn genommen, also musste ich wohl oder übel auch mit seinen Vorwürfen klar kommen.
Nach weiteren zehn Minuten bin ich im Café angekommen, wo der Italiener schon auf mich wartet. Zumindest ist es ein öffentlicher Ort, also kann er sich nicht all zu laut über meine Unpünktlichkeit beschweren.
Ich steige aus, schließe das Auto ab und begebe mich in das Gebäude, in dem ich ihn bereits gesehen habe.
Sein Blick ist schwer zu deuten, doch ich weiß genau, was er denkt. Mit leicht mulmigem Gefühl setze ich mich zu ihm in einen der großen bequemen Sesseln, die an dem etwas zu hohen Tisch stehen.
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Ist sie real? - Michaentina
Fan-FictionWas passiert, wenn deine Mutter dich dazu zwingt etwas zu tun, was du nicht willst. Was passiert, wenn du in jemanden verliebt bist, den du noch nie getroffen hast? Wenn du diesen jemand unbewusst verletzt und der Grund dafür bist, dass er verschwin...
