Valu
Den ganzen Vormittag bin ich zusammen mit Sammy Rad gefahren. Es hilft mir den Kopf von allem freizukriegen. Außerdem ist es mittlerweile eine der wenigen Tätigkeiten, die mir auf irgendeine Weise das Gefühl von Freiheit geben. Eine Zeit, in der ich allein bestimmen kann, wie schnell ich mich fortbewege, wohin und vor allem wann ich das tue.
Auch wenn ich vormittags so gut wie immer alleine Zuhause bin, da meine Eltern arbeiten sind und Luciana in der Schule, hab ich oft das Gefühl Zuhause eingeengt zu sein. Es fühlt sich an, als würde ich nicht mehr dazugehören. Auch wenn mir immer wieder von allen das Gegenteil versichert wird, fällt es mir schwer dies zu glauben. Mit Ausnahme meiner Schwester vielleicht, aber auch bei ihr habe ich das Gefühl, ihr immer wieder zur Last zu fallen, auch wenn sie es mir nie zeigt.
Nachdem ich die Leine meines treuen Begleiters von ihrer Halterung losgebunden habe und mein Rad wieder in der Garage verstaut ist, mache ich mich auf den Weg in den Garten, der durch hohe, aber dennoch lichtdurchlässige Hecken vor den Blicken der Nachbarn geschützt ist. Unser Haus ist nicht das schäbigste, dementsprechend ist der Pool dahinter ebenso wenig zu verachten. Zum größten Teil habe ich das Grundstück mit dem Gehalt meiner ehemaligen Arbeit finanziert, aber zugegebenermaßen verdienen auch meine Eltern nicht schlecht in ihren Berufen.
So wie jeden Mittag ziehe ich mich bis auf meinen Bikini aus und drehe meine Runden im Pool. Anfangs war Mamá dagegen mich schwimmen zu lassen, geschweige denn mich irgendeine Art von Sport tun zu lassen. Allerdings musste sie ziemlich schnell einsehen, dass ich sonst drinnen eingehe und hat nachgegeben.
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Von der Vibration meines Handys auf meinem Bauch werde ich wach. Eigentlich wollte ich nur kurz die Augen schließen, jetzt sind zwei Stunden vergangen. Auch wenn Lucia mir nur geschrieben hat, dass sie wieder da ist, kriege ich beim Anblick meines Handys Schuldgefühle. Ich hab Mike seit Tagen ignoriert. Wahrscheinlich will er mittlerweile nicht mal mehr was mit mir zu tun haben.
"Wozu das Kleid?" frage ich meine Schwester, die sich mit einem roten, etwa knielangen Kleid unter den Arm geklemmt, neben mich auf die Sonnenliege setzt.
"Blonden Frauen steht rot" zuckt sie nur mit den Schultern.
"Mag sein, aber das war nicht meine Frage"
"Für ein Date"
"Du hast ein Date?" frage ich vielleicht ein bisschen geschockter, als ich sollte und setze mich auf.
Natürlich freue ich mich einerseits für meine kleine Schwester, aber andererseits ist sie auch erst 16. Mir ist zwar klar, dass andere in dem Alter wahrscheinlich schon drei Kinder haben, aber ich kann nichts dagegen tun. Sie ist und bleibt immer noch meine kleine Schwester.
"Erstmal danke, dass dich das so schockt Schwesterherz, aber nein. Ich nicht"
"Und wer dann?"
"Du"
"Ich?" frage ich noch geschockter, als zuvor, wobei meine Stimme leicht übersteuert.
"Ja du" grinst sie nur.
"Nein aber wie? Mit wem? Wann? Ich verstehe nicht"
"Doch und zwar in diesem Kleid, mit Mike und morgen"
"Morgen?" gehe ich gar nicht auf den Rest ein.
"Ja morgen und zwar mit Mike, in diesem Kleid. Ich kann das auch gerne noch zehn Mal wiederholen, wenn du willst"
"Aber wie? Ich verstehe wirklich absolut gar nichts"
"Okay ich werd's dir erklären" rückt sie endlich mit der Sprache raus und legt das Kleid auf dem kleinen Tisch neben der Liege ab.
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Ist sie real? - Michaentina
FanfictionWas passiert, wenn deine Mutter dich dazu zwingt etwas zu tun, was du nicht willst. Was passiert, wenn du in jemanden verliebt bist, den du noch nie getroffen hast? Wenn du diesen jemand unbewusst verletzt und der Grund dafür bist, dass er verschwin...
