Kapitel 2

64 5 3
                                        

Es war jetzt 5 Wochen her, dass sie mich, wahrscheinlich zum ersten mal, mit meiner Freundin gesehen hatte. Ich hatte mich so schlecht Gefühlt. Nicht nur ihr gegenüber sondern auch meiner eigentlichen Freundin Rachel.

In meinen Gedanken malte ich mir heute, so wie jeden Tag seither, aus wie es wäre wenn es anders gekommen wäre.

Ich hatte 5 Wochen zuvor das Gefühl sie hätte mich das erste mal richtig mitbekommen. Sie hatte mir das erste mal überhaupt, die Chance gegeben ihr bezaubernes lächeln sehen zu können. Ihre Grübchen die die Enden ihres Mundes schmückten und ihre leicht rosigen wangen, die wegen meines Blickes nur noch roter wurden.

Ich zerbrach mir mehr als nur den Kopf, wenn ich nur an sie und den Moment den wir hatten dachte. Aber kann man wirklich wir sagen, wenn ich doch Rachel an meiner Seite hatte?

Die Rachel die mich aus meinem Loch gezogen und mir geholfen hatte. Die jenige die ich bis auf meine Knochen dankbar für alles war, was für mich tat und es noch immer tut. Für sie würde ich mein letztes Hemd geben, alle Sterne vom Himmel sammeln und ihr zu Füßen werfen. Sie war mein Ein und Alles. Sie nahm den gebrochenden Platz meiner Mutter ein. Nur durch sie konnte ich heute überhaupt wieder über etwas nachdenken, was nicht Alkohol war...

Um ehrlich zu sein war ich vor ihr ein einziges, vermodertes, olles Wrack, was in sich zusammenfiel, bis sie kam und mir rausgeholfen hat. Ich war zwar 'erst' in der Uni aber trotzdem war ich stark Alkohol abhängig und aggressiv. Meine Eltern sind beide gleichzeitig bei einem Autounfall ums Leben gekommen und es war nichteinmal ihre Schuld. Wegen seines Vaters traf es ihn nicht all zu sehr, doch umso mehr bei seiner Mutter. Sie war für ihn schon immer wie ein Engel gewesen.

Jeder der auch nur annähernd in meine Richtung kam und mir helfen wolllte, wurde nur angeschrien, wenn nicht sogar verprügelt. Aus Reue meiner Taten trank ich nur noch mehr und landete in meinem ganz eigenen, persönlichen Teufelskreis.

Ich war dazu bestimmt nie aus ihm zu entkommen. Man konnte mir nicht mehr helfen. Ich hatte mich bereits selber aufgegeben. Von diesem Punkt aus grenzte es an der Unmöglichkeit, jemanden wie mir zu helfen.

Aber Rachel hatte eine ganz besondere Mischung aus Ehrgeiz und Temperament. Sie setzte sich alle zwei Wochen neue Ziele mit mir, die wir schleppend auch erreichten. Sie hatte es sich damals 'nur' als Ziel gesetzt mir zu helfen. Das wir uns dabei in einander verlieben würden, blieb außen vor. Aber es passierte dann Schlussendlich doch und sie wurde ein paar mal zurückgewiesen und verletzt.

Ich hatte immer im Kopf wie schlecht ich ihr doch tuen würde. Wer würde denn schon gerne etwas mit einem jungem, verlorenen, Alkoholiker anfangen wollen. Sie bestimmt nicht. Das waren meine Gedanken, jeden Tag in dem mein Verstand klarer wurde. Durch sie.

Ohne sie hätte ich mir wahrscheinlich, längst selber das Leben genommen.

Ich ging heute zum ersten mal wieder auf das Dach der Universität in der Hoffnung sie nur noch ein einziges mal sehen, und ich ihr alles erklären konnte. Ich wollte versuchen ihr die Situation mit mir, Rachel und ihr zu schildern. Warum ich mich den beiden gegenüber so verhielt.

Als ich sie allerding nirgendwo erblicken konnte und meinen Blick, noch zehnmal über das Dach suchen lies, setzte ich mich auf die leere Bank am Rande des Daches, welche sonst immer durch ihre Gestalt geschmückt wurde.

Von hier aus hat man den perfekten Blick auf die Stadt, welche prall gefüllt mit, gestresst umher laufenden, Business-Leuten war. Von hier oben sah es niedlich aus, wie sie schnell in ihren Anzügen, das Handy ans Ohr haltend, hektisch von einem Ort zum anderen rannten.

Ich ließ meinen Blick grade von ihnen ab und wollte mich aufrichten um zu gehen, doch ich stoppte jegliche Bewegungen als ich die Person vor mir wahrnahm. Sie war es, sie die mich jetzt wütend, verständnislos und verletzt ansah. mit zusammengezogenen Brauen musterte sie mich genaustens.

Sie fragte sich was du ihr nach 5 Wochen, noch zu sagen hattest. Sie hatte doch bereits alles gesehen. Er hatte bereits eine Freundin die er anscheinend wirklich liebte. Die letzten Wochen verbrachte sie damit, dich, besser gesagt euch zu beobachten. Sie saß immer glucksend auf seinem Schoß, ihre Hände miteinander verschränkt. Und ihn sah sie immer ganz besonders schmerzend an. Er sah sie so verliebt und innig an, wie sie nur ihr Essen immer anstarrte, wenn sie kurz vor Hunger platzte.

Also was wollte er ihr jetzt noch erklären?!

Ich stellte mich gerade hin und machte den Mund auf, als sie mir zuvor kam: "Was willst du noch hier?" keifte sie mir an, was ihn erschrecken lies. "Uhm..naja" so richtig wusste ich das nähmlich auch nicht mehr. Ich vergaß alles in ihrer Nähe. Ich atmete tief durch und fing an: "Ich weiß, dass du vielleicht von mir denkst ich will dich nur verarschen oder ausnutzen, da ich ja glücklich vergeben bin-" als sie dies hörte wandte sie ihren Blick auf den Boden. Glücklich vergeben..wusste sie es doch. "aber lass es mich trotzdem erklären. Bitte." als er das 'Bitte' so zu ihr flüsterte wurde sie weich und gab nach. Sie nickte zustimend und setzte sich abwartend auf die Bank, von der er sich gerade erhoben hatte.

Ruhig erklärte ich ihr einfach alles. Vom Autounfall meiner Eltern angefangen, bis hin zu jetzt und warum alles so ist, wie es ist. Als ich fertig war und sie abwartend ansah, blickte sie langsam und zögernd hoch zu mir und sah mir in die Augen. Sie hatte so verdammt schöne Augen ich könnte mich in ihnen verlieren.

Als niemand etwas sagte schlang sie vorichtig ihre Arme um meine Taille und umarmte mich mitfühlend. Für einen ganz kleinen Moment blieb mein Herz stehen. Von so einer Nähe zu ihr, konnte ich bis grad ebend nur träumen. Als sie sich wieder löste sah mit mich mitleidend und endschuldigend an. Ich grinste sie an und nahm dies als Bestätigung, das ich ihr verzieh und sie mir. Alles war perfekt, alles bis auf eins.

In unseren innigen Moment vertieft bekam ich nicht mit wie Rachel auf das Dach gekommen war. Als sie mich nicht auf meinem Regulären Platz gefunden hatte, machte sie mich etwas weiter mit einem anderem Mädchen in meinen Armen aus. Langsam ging sie auf uns zu. Ihre Augenlieder flatterten und ihre Knie wurden weich. Wie konnte ich ihr das antuen?! Nach allem was sie für mich getan hatte. Ihr lief die erste Träne die Wange runter.

Erst durch das Mädchen neben mir, wurde ich auf die, mittlerweile verheuelte Rachel aufmerksam. Ich riss meine Augen auf und lies nun komplett von ihr ab um auf Rachel zu, zu stürmen.

Diese sah mich nur mit Tränen in den Augen und zusammengepressten Kiefer an. Als ich ihr das Geschehen erläutern wollte, spürte ich auch schon eine Hand an meiner Wange, die nun anfing vor Schmerz zu pochen. Eine Ohrfeige.

Aber ich hatte sie mir auch wirklich verdient. Das war der eindeutige Beweis, dass ich ein Arschloch bin. "Ich hab mich so verdammt in dir getäuscht!" sagte sie mit zittriger Stimme und lief zügig, sich die Tränen wegwischend Richtung Ausgang.

Ich stand regungslos da und starrte ihr hinterher.

~ thelittlemissweirdo <3

𝙃𝙐𝙍𝙏 𝙈𝙀Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt