Erinnerung - Teil 2

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Die Wolke erstreckt sich mittlerweile hoch in den Himmel. Immer und immer mehr Leute strömen auf die Flussterrassen. Clea klammert sich an mein Shirt. Ich schaue sie an und sehe die Angst in ihren Augen. Ich will mich grade runterbücken, um sie zu beruhigen, als es hinter mir ein weitere gewaltige Explosion gibt. Ich nehme Clea an die Hand.
"Wir sollten gehen."
Ohne einen Einwand folgt sie mir. Wir laufen die Straße nach Norden und folgen dann der Hauptstraße. Auch hier haben alle Leute angehalten und sehen sich nach dem Ereigniss um. Obwohl wir nur aus der Richtung kommen, werden wir sofort belaert und ausgefragt, was passiert ist. Ich wimmel sie ab und führe Clea weiter die Straße entlang. Eine weitere Explosion eregt die Aufmerksamkeit der Leute. Ich wende mich nicht um und schleife Clea immer weiter die Straße rauf. Mein Ziel ist die Outer City, wo wir unsere Wohnung haben. Ich achte schon gar nicht mehr auf meine Umgebung. Ein Lichtblitz reisst mich aus meinen Gedanken. Er schlägt direkt vor mir ein. Ich bin geblendet, aber ich höre trotzdem dieses seltsame piepsen. Mein Blick wird klarer. Meinen Blick auf den Boden gerichtet erkenne ich eine kleine Metallbuckse. Sie ist zylindrisch und hat an beiden Enden kleine Scharten. Es beginnt zu wackeln, das piepsen wird schneller. Plötzlich sprint der Zylinder hoch.

Ich höre die Explosion, spüre sie aber nicht. Langsam öffne ich meine Augen. Ich lebe noch. Ich bin unversehrt. Ich sehe mich um. Ich liege auf der Straße. Rechts neben mir ist die Straße. Sie ist vollkommen leer und rauch trübt die Sicht. Ich spüre wie jemand meine Hand hebt, ich spüre die wärme und den schnellen Herzschlag. Ich blicke nach Links und sehe Clea. Sie drückt meine Hand an ihre Brust. Ihre Augen sind gechlossen und ich höre ein leises Schluchzen. Ich setze mich auf und lege ihr meine andere Hand auf die Schulter. Sie stößt hörbar Luft aus, hebt ihren Kopf und sieht mich an. Man kann die Tränen deutlich in ihren Augen glitzern sehen. Sie macht einen Satz nach vorne und schlingt ihre Arme um mich.
"Ich dachte du würdest sterben!"
Ich höre wie ihre Stimme zittert. Ihre Umarmung ist fest. Ich höre ihr schluchzen und spüre wie ihre Tränen meine Sachen durchweichen. Sie lässt ab und ich nutze die Gelegenheit, sie sanft an der Schulter zu packen.
„Du weißt das ich dich beschützen werde.“
Als ihr großer Bruder ist es meine Pflicht, sie zu beschützen. Ich stehe langsam auf. Nichts schmerzt, obwohl ich direkt neben der Bombe stand. Oder? Ich strecke die Hand aus und helfe Clea auf. Unsere Umgebung ist komplett Menschenleer. Wir gehen, im Schutz der Schatten, Richtung Norden. Langsam, Vorsichtig. Wir wissen nicht was los ist, also ist es besser nicht gesehen zu werden. Nach einiger Zeit kommen wir zu einer großen Kreuzung.„Wie lange war ich weg?“
Clea sieht mich an.
„Ich weiß nicht… Vielleicht 1 Stunde.“
Hier auf diesem Planeten vergeht die Zeit anders. Eine Stunde sind ungefähr 43 Erdenminuten. Und doch. Was auch immer passiert, es hat geschafft in einer Stunde, die komplette Stadt lahmzulegen. Wir stehen direkt vor dem größten Verkehrsknotenpunkt der ganzen Stadt und Stadt Straßen, Holobrücken, Werbetafeln oder Autos, sehen wir einen riesigen Krater. Den Boden kann man nicht sehen und es ist eher ein Bodenloses Loch, als ein Krater. Die Wände fallen im perfekten 90° Winkel und der Durchmesser beträgt mindestens 2 Kilometer. Ich führe Clea am Kraterrand entlang. Alles ist komplett ausgestorben. Nicht mal Vögel sind zu hören. Wir brauchen ungefähr 10 Minuten um den Krater zu umrunden. Und das was wir dann sehen unterscheidet sich im Wesentlichen von dem, was es bisher zu sehen gab. In mitten des Parkes, der dort steht, befindet sich ein gigantisches Bauwerk. Ein Turm, von außergewöhnlicher Architektur. Am Boden ist ein breites Rundes Fundament, was sich, je höher man blickt, immer weiter zuspitzt. Oben, ich schätze in ca. 3000 Metern Höhe breitet sich, von der Spitze aus, ein Energiefeld aus. In unserer unmittelbaren Umgebung befinden sich mehrere Stahlseile, welche den Türm halten. Ebenso schlängeln sich mehrere Rohre durch den Boden, zu dem Turm hin. In ihnen befindet sich eine seltsame, rote, pulsierende Flüssigkeit. Ein Geräusch ertönt. Es wird immer lauter. Ich sehe mich um. Es klingt wie ein Motor. Mehrere Motoren. Direkt hinter uns. Wir gucken uns an. Ich sehe ihren verängstigten Blick. Sie macht einen Schritt vor und krallt sich an mich. Das Geräusch wird ohrenbetäubend. 
„Aus dem Weg! Weg da!“
Ich bin verwirrt. Was zum Teufel geht hier vor? Genau vor uns kommt plötzlich ein Panzer. Seine Triebwerke verbrennen das Graß, über das er fährt, und hinterlässt eine Schwarze verkohlte Spur.
„Ich hab gesagt weg da!“
Wir gehen zur Seite und unser Staunen wird noch größer als wir bemerken, dass es nicht nur ein Panzer ist. Es ist eine ganze Kompanie. Ungefähr 20 Panzer, 3 Flakgeschütze und mindestens 50 Soldaten mit Panzerfäusten.
„Feuer!“
Noch bevor ich fragen konnte, was hier vor sich geht, fangen die ersten Panzer an zu schießen. Ich merke wie Clea bei jedem Schuss zusammenzuckt. Ich fürhe sie zu einem markanten Baum und beruhige sie ein wenig. Danach sehe ich mich nach dem Typen um der uns angeschrien hat. Ich lokalisiere ihn rechts neben den Panzern, in vordester Front. Ich schlängel mich zwischen den Soldaten hindurch. Ganz vorsichtig damit ich niemandem im Schussfeld stehe. Ich tippe dem Typen auf die Schulter. Ganz leicht, kaum merklich zuckt er zusammen und dreht sich zu mir um.
"Was ist hier los!"
Meine Stimme überschlägt sich fast, so laut muss ich schreien. Aber er starrt mich nur mit großen Augen an.
"Sie sollten gar nicht hier sein!"
Auf meinen Blick redet er nur weiter.
"Die gesamte Stadt wurde vor einer Stunde evakuiert! Zeks greifen an! Vielleicht sind sie einer den sie über..."
Ein Schrei unterbrach ihn mitten im Satz. Als wir uns nach der Ursache umsehen, geht alles schon viel zu schnell. Ein Zek kommt aus dem Wald gesprungen und zerteilt mit einem Schwanzhieb mehrere Soldaten auf ein mal. Zwei Drohnen kamen aus den Büschen herausgesprungen und fielen über die Panzer her. Noch bevor ich überhaupt etwas tun konnte, zerissen Schüsse, Schreie und Gebrüll die Luft. Ich stehe wie angwurzelt da. Soldaten flogen durch die Luft. Soldaten. Menschen. Meine Schwester! Ich ducke mich, um nicht von irgendwas getroffen und sehe mich nach ihr um. Ich kann sie nicht finden. Wo ist sie? Keuchend renne ich zurück zu dem Baum. Wo ist sie? Immernoch geduckt suche ich die umgebung ab, aber sie ist nirgendwo zu finden.
"Weg!"
Ich höre nur den Ruf und Gebrüll. Direkt dannach explodierte etwas hinter mir. Die Druckwelle reißt mich von den Füßen. Schreie. Schmerzerfüllt. Durchdringend. Schreie snd das letzte was ich höre bevor mir Schwarz vor Augen wird.

Ich wache auf. Etwas in meinem Mund schmeckt eisern. Noch bevor ich es ausspucken kann, ubermannt mich ein heftiger Würgereiz. Es ist zum Großteil nur Blut und Magensäure. Ich wische mir den Mund ab. Gras, Dreck und Laub hängt mir in den Haaren.
"F... Fushu?"
Meine Muskeln verkrampfen sich. Nur eine kennt diesen Namen und diese Stimme kann auch nur zur einer Person gehören. Clea. Ruckartig, fast schon zu schnell, drehe ich mich um, doch der Anblick der mich erwartet ist alles andere als erfreulich. Ihre Sachen sind rot. Verschmiert. Ein tiefer Schnitt an ihrer link Hand. Und. In ihrem Bauch ein faustgroßes Loch. Immer mehr Blut strömt aus dieser klaffenden Wunde.
"Clea!"
Sie fängt an zu wanken und noch wärend ich ihren Namen rufe, sackt sie in sich zusammen. Ich sprinte zu ihr und fange sie kurz vor dem Aufschlag. Meine Kleidung saugt ihr Blut auf. Ihre Augenlieder sind halb geschlossen. Sie zittert am ganzen Leib.
"Clea..."
Durch meine Tränen, sehe ich nur noch verschwommen. Meine letzte lebende Verwandte. Meine kleine Schwester. Nachdem unsere Eltern bei einem Terroranschlag gestorben sind mussten meine Geschwister und ich uns alleine durchschlagen. Nachdem die kleinste, Yoko, grade mal 8 Jahre, sich freiwillig in einem Waisenhaus gemeldet hat und dort an einer seltenen Form der Noyukagrippe gestorben ist und Chiki, unser ältester Bruder sich in den Wahnsinn und letztendlich in den Selbstmord getrieben hat, liegt meine letzte Verwandte im sterben. Getötet durch ein Monster, mit dem wir im Krieg sind. So jung. Das Leben noch vor sich. Und doch im sterben. Ihre Körper fängt an zu vibrieren. Sie zuckt. Und macht letztendlich ihren letzten Atemzug. Mein Schrei halt durch die Umgebung. Reflektiert von den Bäumen und Wänden. Sitze ich im Gras. Ich streiche ihr das Haare aus dem Gesicht und bette ihren Kopf vorsichtig auf ein Bett aus Moos unter dem markanten Baum, wo ich sie allein gelassen habe. Alleine. Ich bin alleine. Und alleine mache ich mich jetzt auf den Weg. Ihr Tot und der der Soldaten war nicht umsonst. Ich werde sie Rächen. Und wenn ich dabei sterbe, werde ich sie wenigstens wiedersehen können. Meine Mutter. Meinen Vater. Meine geliebten Geschwister. 

Sie alle werde ich Rächen.

Sie alle.

Zeks - Rise of a Soldier (alte Version) Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt