Irgendwas kratzte an meinem Ohr. Noch im Halbschlaf bewegte ich meine Hand langsam zu meinem Ohr und wollte mich dort kratzen. Ich fühlte etwas Haariges, zappelndes und war innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde hellwach. Eine nahezu faustgroße Spinne fiel mir vom Kopf auf das Bettlaken und rannte von diesem herunter. Vor Schreck war ich wortwörtlich aus dem Bett gefallen und hatte mir dabei die Hüfte geprellt. Aus Angst vor der Spinne rannte ich, mit schmerzender Hüfte und rein im Schlafanzug, aus meinem Schlafzimmer und schloss die Tür. Ein Kammerjäger musste her, sofort! Dachte ich mir und lief zitternd die Treppe herunter. Da ich so stark zitterte und Schmerzen in der Hüfte hatte, sackte ich nach einigen Stufen leicht zur Seite ein, verlor das Gleichgewicht und fiel die Treppe herunter. Mein Unterleib schmerzte, auch mein linker Arm tat enorm weh. Ich versuchte aufzustehen und schlenderte mit Schmerzen in die Küche, wo ich nach meinem Smartphone griff und nach dem nächstgelegenen Kammerjäger suchte.
Nach einem kurzen Anruf und der Beschreibung der Spinne zögerten diese nicht lange und machten sich auf den Weg. In etwa 30 Minuten sollten sie da sein, bis dahin musste ich mir also etwas anziehen. Da ich all meine Klamotten in meinem Schlafzimmer hatte, musste ich mir wohl schnell welche aus der Dreckwäsche anziehen. Mit etwas Deo sollte der Geruch wohl ertragbar sein, die meisten Klamotten zog ich ohnehin nur einen bis zwei Tage an.
Der Schmerz in meinem Arm und der Hüfte ließen langsam wieder etwas nach, trotzdem war mein Laufen noch nicht so ganz sicher, ich war schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Ich wollte mich im Wohnzimmer hinsetzen und warten, bis der Kammerjäger kommt. Mein Blick fiel auf das Buch. War das Buch Schuld hieran? Gestern der Zeh, jetzt die Spinne... Ich hatte das Licht nicht gleich ausgeschaltet und habe aus Versehen eine Seite übersprungen. Aber nein, ich habe das Licht ja ausgeschaltet und die Seite auch nicht ganz gelesen, sondern gleich zurückgeblättert.
Ich hörte das Schrillen der Klingel und lief zur Tür, um den Kammerjäger herein zu lassen. "Einen schönen guten Tag!", sagte der Kammerjäger und lief in den Flur herein. "Danke, dass Sie so schnell kommen konnten. Die Spinne befindet sich oben in meinem Schlafzimmer, kommen Sie bitte mit.", antwortete ich, nachdem ich ihm die Hand gegeben hatte und führte den Kammerjäger in das Schlafzimmer. Ich ließ ihn dort alleine, ich wollte die Spinne kein zweites Mal sehen müssen, das Bild dieses Monsters hatte sich bereits tief genug in meine Netzhaut gebrannt.
Ich hörte das Rauschen einer Art Sauger aus meinem Schlafzimmer kommen und ein wenig Gerumpel, er hatte die Spinne offenbar gefunden. Das Rauschen verstummte schließlich irgendwann und wenig später hörte ich das Knirschen der Treppe, die der Kammerjäger wieder herunterlief. "Ich habe die Spinne gefunden, allerdings war sie wohl etwas kleiner, als Ihrer Beschreibung zufolge.", erzählte der Kammerjäger. "Kleiner? Also die Spinne war wie gesagt wirklich so groß wie meine Hand.", erklärte ich ihm und hielt ihm meine Hand zum Zeigen hin. Der Kammerjäger zog sich seinen Handschuh wieder an, griff in den Beutel, wühlte ein wenig herum und holte am Ende die besagte Spinne heraus, welche allerdings tatsächlich deutlich kleiner war. Der Körper war lediglich so groß, wie eine Murmel, eine komplett normale Spinne halt.
"Oh, das kann nicht sein. Die Spinne war wirklich deutlich größer, da bin ich mir ganz sicher. Könnten Sie sonst bitte nochmal nachgucken?", fragte ich ihn höflich. Um mir meine Angst zu nehmen liefen wir gemeinsam in das Schlafzimmer und sahen uns um, guckten in kleinen Ritzen und Spalten, unter den Möbeln, doch konnten nichts finden. "Ich übe diesen Beruf seit 15 Jahren aus, dieser Raum ist sauber. Das Einzige, was sie noch machen könnten wäre, den Teppichboden umzudrehen. Nach Ihrer Beschreibung dürfte man allerdings einen guten Buckel im Teppich sehen, sollte die Spinne tatsächlich so groß sein und unter dem Teppich sein.", erklärte er mir freundlich, aber deutlich. Ich bezahlte ihn daher für seine Arbeit, brachte ihn zur Tür und verabschiedete mich von ihm.
Schon komisch, die Spinne war wirklich größer, ich bin mir da komplett sicher. Die Tür zum Schlafzimmer hatte ich vorhin wieder geschlossen, heute Nacht wollte ich auch lieber auf dem Sofa schlafen, mein Schlafzimmer musste ich erst einmal meiden. Ich beschloss, zum Laden zu fahren, und mir ein Spray gegen Spinnen und Insekten zu besorgen, um so auf Nummer sicher gehen zu können, dass ich kein zweites Mal eine so schreckliche Überraschung erleben würde.
Ich sprühte meine Schlafzimmer komplett mit dem Spray ein, verließ hustend und mit einem schaurigen Gefühl das Zimmer und machte mir nun erst mal Mittagessen.
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Chained
HorrorDiese Geschichte fesselt dich an einen Fluch. Du wirst lesen, wie die letzte Person vor dir das Buch gelesen hat, nicht auf dieses gehört hat und deswegen einen qualvollen Tod erleiden musste. Gehorche daher lieber dem Buch, um einen ähnlich qualvol...