Die Schultage zogen sich dahin, denn es war ausgerechnet der letzte Schultag vor einem langen Wochenende, an dem ich Geschichtsunterricht hatte. Mehr tot als lebendig nahm ich an den anderen Stunden teil. Für mich war es nicht mehr nötig mich aktiv am Unterricht zu beteiligen, da meine Noten schon feststanden und ich sie auch nicht mehr verbessern konnte. Wortwörtlich war das nicht möglich, denn bessere Noten existierten nicht . Die Leute waren immer ganz erstaunt von meinen Zeugnissen, was meine Eltern sehr stolz machte und ihnen das Gefühl gab nicht komplett bei mir versagt zu haben. Für mich jedoch, waren Noten immer nur Zahlen auf einem Blatt Papier. Im Berufsleben zählte es nun mal nicht ob man auf die Schularbeit eine Eins hatte und auf die andere eine Drei. Schließlich ist es nur entscheidend, ob man in seinem Beruf gut ist und wie viel Erfahrung man schon hat. Wahrscheinlich war das auch der Grund für meine guten Noten, denn es nahm mir den Druck. Meine beste Freundin Jose war da der gleichen Meinung. Doch trotz guter Vorsätze, war sie immer nervös. Sie war meine bessere Hälfte, die Person, die immer zu mir hielt, ganz egal was kommt. Wir gegen den Rest der Welt. Es war gar nicht mehr nötig ihr zu sagen was ich dachte, denn sie wusste es sowieso schon. So war es auch als wir am letzten Schultag den Weg zu meinem Untergang antraten. Den Weg zur Schule. „ Also ich freu mich heute schon echt auf Geschichte. Mit ihm ist der Unterricht, eigentlich gar kein Unterricht!", sagte Jose vergnügt. Normalerweise hätte ich ihr sofort zugestimmt. Stattdessen zuckte ich zusammen, was rein gar nichts mit Vergnügen zu tun hatte. „Was ist los Claire? In letzter Zeit bist du immer so still", meinte sie und schaute mich prüfend an. Es hätte nichts genützt Jose anzulügen, denn sie hätte das sofort bemerkt. Nun war die Stunde der Wahrheit gekommen. „Also, es ist kompliziert. Weißt du noch an dem Abend wo wir zusammen was trinken waren?", fing ich vorsichtig an. „Da musst du dich schon genauer Ausdrücken", lachte Jose. Mir war nicht zu Lachen zumute. „Du weißt schon, du hast Karaoke gesungen und mich anschließend auch auf die Bühne gezerrt", lächelte ich vorsichtig. „Ja klar. Wieso?", fragte sie verwundert. Ich antwortete nicht. „Oh Gott, Claire! Hattest du schon wieder...?" Meine Augen wurden glasig. Ich hatte überhaupt keine Ahnung wie sie reagieren würde als ich „ja..." schluchzte. Jose nahm mich tröstend in den Arm. „Ach Liebes. Das ist doch nicht so schlimm. Wer war es denn diesmal?" Ich blieb stumm. „Clairedif! Du weißt dass ich es sowieso aus dir heraus kriege, entweder auf die nette Tour, oder aber auf die „du-weißt-schon-Tour"!" Schließlich gab ich mich geschlagen. „Liam Holder...", murmelte ich ganz leise und hoffte sie würde es nicht hören. „Bitte waaaaas?" kreischte Jose. Sie hatte es gehört. „Etwa der Liam Holder? Der Geschichtslehrer Holder? Der Mister Universum Holder???". Sie war gar nicht mehr zu bremsen. „Ja, genau der!", verkündete ich. Als sie nichts antwortete bekam ich riesige Angst, sie wolle nichts mehr mit mir zu tun haben. „Hör mal Jose...", fing ich an. „Ich versteh ja wenn du genug von mir hast. Es war nicht richtig, ich weiß. Aber bitte ignoriere mich nicht!!! Rede mit mir! Sag mir wie blöd ich bin! Hauptsache du sagst irgendwas!". Ich war verzweifelt. „Es reicht mir...", sagte sie nach einer Weile. „Schön und gut, dass du Sex mit einem Lehrer hattest. Schön und gut, dass du es bereuest. Das ist mir alles egal. Was mir aber nicht egal ist, ist die Tatsache dass du, meine aller, aller, aller beste Freundin auf der ganzen weiten Welt, die Frechheit dazu besitzt mit einem Lehrer zu schlafen, und mir nichts davon zu erzählen!!! Und dann denkst du auch noch ich würde nichts mehr mit dir zu tun haben wollen?! Wofür hältst du mich?!!". Mir fiel ein Stein vom Herzen. Nein, kein Stein, ein ganzer verdammter Berg! Glücklich umarmte ich sie. Ich wusste doch, dass auf sie immer verlass war. „Es tut mir so wahnsinnig Leid Jose! Ich hätte es dir viel früher sagen sollen!" entschuldigte ich mich. „Ja, ja das hättest du!" Sie spielte die Beleidigte. Natürlich bekamen wir nach dieser Ansage sofort einen Lachkrampf, denn man Kilometer weit hören konnte. Als wir uns wieder beruhigt hatten sagte Jose: „Mädchen, Mädchen... Im Ernst jetzt, Liam Holder?! Du verdienst meinen absoluten Respekt!" Wir lachten wieder. „ Und, wie ist er so im Bett?". „Jose!!!", rief ich überrascht und stieß ihr meinen Ellbogen in die Seite. Der nächste Lachkrampf kam auf uns zu. „Es ist nur so, heute wird er bestimmt mit mir reden wollen, weil ich am nächstem Tag sofort abgehauen bin", seufzte ich. „Autsch, das wird hart", sagte Jose mit einem breiten Grinsen. „Ein Gespräch unter vier Augen also?!". Ihr Grinsen wurde immer größer. „Nein echt jetzt Jose! Ich habe eine Heidenangst davor!", gestand ich ihr. „Ach, dass packst du schon! Und wenn es ernst wird, dann ruf einfach mich. Ich werde im klarmachen, dass du mit mir bis an dein Lebensende zusammen sein musst! Da ist nicht so viel Platz für Sixpacks!", lachte sie. „Naja, jedenfalls nicht immer!". Sie zwinkerte mir verschwörerisch zu. Genau das war es, was ich an ihr so liebte. Die Art, wie sie mich immer aufmuntern konnte. Leider nützte mir das nicht mehr lange. Ohne es gemerkt zu haben, standen wir bereits vor der Schule.
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Auf dem Boden der Tatsachen
Novela JuvenilJedes Leben ist einzigartig. Jedes Leben ist kostbar. Jedes Leben ist begrenzt. Clairedif ist 17 Jahre alt, überdurchschnittlich gut in der Schule und will ihr Leben in vollen Zügen genießen. Nach einem One-night-stand mit ihrem Geschichtsprofessor...