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Vier Stunden später zerknüllte sie leeres Schokoladenpapier und warf es auf den Tisch, wo die Einsatzpläne lagen und hübsch aussahen mit den vielen bunten Kreuzen, Strichen und Kreisen. Sie war sich sicher, dass die Mission bei der Praxis leider weniger schön aussehen würde.
"Also?", fragte sie, "Was soll ich stehlen?"
Sam tippte auf ein abgebildetes Gebäude - ein gigantisches Anwesen mitten irgendwo im Nichts. Sein Blick senkte sich ein wenig und er spannte sich sichtbar an, als er antwortete: "Ein Kind."

Sichtwechsel

Bucky erwachte in einem harten Bett, auf einer quietschenden Matratze, eingehüllt von der ungewohnten Wärme, die ihm die Decke brachte.  Als er die Augen aufschlug, starrte er gegen eine trostlose, staubgraue Zimmerdecke.
Von irgendwoher ertönte das Rauschen von Winden und das Rascheln von ... Schokoladenpapier?

Verwirrt setzte er sich auf. Da war noch ein Bett im Zimmer, gegenüber von ihm. Darauf lag eine Gestalt, deren Haar sich wie schwarze Tinte übers Bett ergoss. Er zuckte kaum merklich zusammen, als er in Elides abgemagertes, aber immer noch tiefgebräuntes Gesicht blickte. Ihre frei liegenden Arme wirkten noch muskulöser und drahtiger als zuvor und in ihrem Blick lag ein Funken trockener Humor.
"Ich hätt dir ja was angeboten", nuschelte sie mit vollem Mund, "aber damit hätte ich nur Lebensmittel verschwendet."
Ohne erst darauf einzugehen, setzte er sich auf. Sein Blick haftete immer noch unentwegt auf Elide, die sich erneut Schokolade in den Mund schob, als wolle sie so von ihren unter dem Shirt hervorstechenden Rippen und den eingefallenen Wangen ablenken. Er war selbst erschrocken von der noch raueren, fast schon heiseren Tiefe seiner Stimme, als er stirnrunzelnd bemerkte: "Du hast abgenommen."
Sie drehte ihren Kopf zu ihm, wölbte eine Braue. Für einen Moment dachte er, sie würde über ihn für diesen Kommentar herziehen und bereute es, überhaupt was gesagt zu haben. Warum hatte er es überhaupt gemerkt? Er hätte es nicht auch nur wahrnehmen sollen, denn es war egal.
Zumindest sollte es ihm egal sein, wie es ihr ging. Doch sie zuckte nur mit den Schultern und nahm den Blick von ihm.
"Was soll ich sagen? Das Essen hier schmeckt eben nicht unbedingt gut."
Da war noch mehr, das wusste er, aber diesmal schwieg er.
Elide legte die Schokolade beiseite und setzte sich ebenfalls auf. "Wir haben einen neuen Auftrag."
Bucky spannte sich an, obwohl er es hätte wissen sollen. Das war der einzige Grund, warum man ihn aufgefroren hatte: damit er diente.
Elide redete noch weiter, aber Bucky hörte nur eine andere Stimme in seinem Kopf sprechen.
Vor seinem geistigen Auge tauchte eine Straße auf und aus einer naheliegenden Gasse hörte er die fremde Stimme sagen: "Du weißt nicht, wann es Zeit ist, aufzuhören, oder?"
Eine andere, seltsam bekannte Stimme keuchte zurück: "Kann den ganzen Tag so weitergehen."
Stirnrunzelnd strebte er auf die Gasse zu und tatsächlich sah er Steve, dessen schmächtiger Körper hinter dem eines viel größeren Kerls, der zu einem Schlag ausholte, verschwand.
Noch bevor die Faust Steve traf, packte er den Fremden am Bizeps.
"Hey, leg dich mit jemanden in deiner Größe an." Das Lächeln, das Buckys Lippen umspielte, als er mit dem Schlägertypen redete, war alles andere als freundlich. Steve öffnete erleichtert die zuvor zugekniffenen Augen.
Kaum hatte er den Arm des Mannes losgelassen, wollte er sich nun auf ihn stürzen. Bucky wich aus und verpasste ihm einen Hieb, wobei er darauf achtete, dass seine makellose Ausgehuniform keinen Fleck abbekam. Er lächelte immer noch, als der Mann auf den Ausgang der Gasse zurannte und gab ihm einen Tritt mit, um seinen Abgang zu beschleunigen.
Sein Grinsen wurde freundlicher, als er sich zu Steve drehte.
"Manchmal habe ich das Gefühl, dir gefällt es, verprügelt zu werden", sagte er und half ihm auf die Beine.
Seine Erinnerung verblasste, als er bei einer hektischen Bewegung Elides blinzelte. Die Schwarzhaarige war aufgesprungen und riss die Tür auf. Es war Sam, der im Gang wartete. Bucky runzelte die Stirn bei dem Anblick seiner Gewichtsverlagerung und den Gehstock, auf den er sich stützte. Was war passiert, während er eingefroren gewesen war? Was auch immer es war, beide - Elide und Sam - hatte es näher gebracht, denn Sam lächelte sie leicht an, als er sie sah. Der harte Ausdruck in seinen grünblauen Augen wurde weicher. Sie legte den Kopf schief und grinste. "Geht' los?"
Ein Nicken. "Aber bevor es losgeht", Sam hob zwei schmale Koffer, die er ihnen reichte.
"Eure Anzüge."
Elide zog die Brauen hoch. Etwas wie Freude tanzte in ihren Augen, als sie ihren Koffer öffnete und ihren detailliert gefertigten, schwarzen Kampfanzug hochhielt.
Er selbst öffnete seinen Koffer und sah seine übliche, schwarze Militärhose und eine kugelsichere Einsatzweste.
"Ihr könnt euch im Flugzeug umziehen. Und jetzt los." Mit diesen Worten wandte Sam sich ab.

Black Jackal | Bucky FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt