Bonus Kapitel 2: Blutmondschein

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LOREN



Am liebsten wäre er davon gelaufen. Oder aus dem Fenster gesprungen. Oder hätte sich in dem Badewasser ertränkt. 

Stattdessen hatte er sich von Nica ausziehen, eincremen und bemalen lassen. Schnörkeleien und andere Muster zierten in goldener Farbe seinen nackten Körper, gemeinsam mit verschiedenem Schmuck aus Gold. Um seinen Hals schlang sich eine goldene Schlange, mit Augen aus Smaragden. 

,,Wie passend...", dachte er sich. Auch um seine Oberarme und Oberschenkel schlängelten sich goldene Schlangen. Ob Aspen das ausgesucht hatte? 

Vermutlich nicht. Das würde er sich nicht trauen. Wenn Loren Glück hatte, dann würde der Drache sich auch nicht trauen ihn zu berühren. Die hellblauen Bettlaken erinnerten ihn an sein Zuhause, an das Meer und an...an jemand anderen. Er fröstelte trotz des Feuers im Kamin und der Wärme, die die Kerzen ausstrahlten. Kurz dachte er an Tamren, dem das alles vermutlich entweder egal war, weil er schon mit Azriel geschlafen hatte, oder aber einfach alles hinnahm ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. 

Aspen war kein schlechter Kerl, im Gegenteil. Er war höflich, einfühlsam und sah unverschämt gut aus. Aber er wollte sich nicht vögeln lassen. Er hatte keine Lust vergewaltigt und dann schwanger zu werden, bloß weil ein paar geflügelte Schuppentiere das so wollten. Er verzog wütend das Gesicht und raufte sich das Haar. Er hatte doch sowieso keine Wahl! Was sollte er denn tun? 

,,Von ihren Instinkten getrieben, kannst du schreien und kreischen so viel du willst, aber das wird ihn auch nicht aufhalten.", hatte Nica gesagt und das machte ihm furchtbar Angst. Er versuchte immer Tamren zu beschützen, aber im Endeffekt schaffte er es nicht einmal sich selbst zu schützen. Er hatte bereits nach einem Schlüssel gesucht, mit dem er sich im Badezimmer einschließen konnte, aber da war keiner. 

Er fühlte sich wie gefangen in diesem Bett. Als lägen schwere Ketten aus Eisen auf ihm und hielten ihn an Ort und Stelle. Als wäre er ein Gefangener, der bloß auf sein Urteil und dessen Vollstreckung wartete. 

Er hatte gar nicht bemerkt, dass er begonnen hatte zu weinen. Erst als seine Tränen auf das Bettlaken fielen, realisierte er, dass es keine Wut, sondern bloße Verzweiflung war die er spürte. Er wollte bloß nicht einsehen, wie schwach er war. 

,,Reiß dich zusammen Loren!", er rieb sich über die Augen und verließ das Bett. Es war kalt und trostlos in seinem Inneren und viel zu verlieren hatte er nicht. Loren zog einen seidenen Morgenmantel aus dem Schrank und zog ihn sich über. 

Einen Versuch war es ja wert. Er musste sich bloß solange verstecken, bis es morgen wurde oder?

Dann würde Aspen wieder klar denken können und man konnte darüber reden. 

Hatte Nica abgesperrt? Hatte man ihn eingesperrt? Hielt man ihn hier drinnen gefangen?

Er wusste es nicht. Ein Versuch würde doch reichen. Er lief zur Türe und drückte leise die Klinke herunter. Es war offen. Tatsächlich war die Türe offen. Hoffnungsvoll spähte er hinaus. Keine Wachen. Die Gänge waren dunkel und leer. Leise verließ er die Gemächer und schlang seine Arme um sich selbst. Von einiger Ferne hörte er Musik und Gelächter. Offenbar war das Fest noch voll im Gange.

Etwas in ihm, warte ihn und riet ihm, wieder zurück zu gehen, auf seine Gemächer. Er sollte einfach warten, vielleicht noch sicherheitshalber die Öle verwenden um es erträglicher zu machen, obwohl er es heute wohl schon ein ganzes Duzend mal getan hatte, wie Nica ihm gezeigt hatte. Er schnaubte. 

DrachenkussWo Geschichten leben. Entdecke jetzt