Sonnenwende II.

7K 388 20
                                        

Auf dem Bild ist der Sonnenwald zu sehen 


,,Niemand nennt mich mehr Coco. Ich bin kein Nestling mehr, Asterin."

Der Drache deutete eine, definitiv spöttische, Verbeugung an und grinste dann.

,,Verzeiht meine Unverfrorenheit, mein Prinz."

,,Du hast dich nicht verändert. Du bist immernoch der Wahnsinnige ohne Manieren.", der Prinz sah abfällig auf den anderen Drachen.

,,Ich habe durchaus Manieren, ich bin nur nicht sehr geschickt im Umgang mit ihnen.", purer Spott. Mehr war es nicht.

,,Reden wir doch von etwas anderem...du wirst Vater?", Asterin deutete kurz auf den Jungen, woraufhin Cobalt nur knapp nickte.

,,Ja. Und du? Hast du auch langsam mal vor Nachwuchs zu bekommen? Irgendwann wirst du einen Erben brauchen."

,,Ich habe nicht vor bald zu sterben, Cobalt. Und außerdem bin ich sehr zufrieden mit meinem Leben. Ich könnte mich ja nicht mehr sorglos in Schlachten stürzen, wenn ich zu Hause ein kleines Kind habe, das seinen Vater braucht. Lieber sterbe ich ohne Erben, als einen zu hinterlassen, der keinen Vater hat.", Asterin wirkte...traurig.

,,Du könntest deinen Posten abgeben. Mein Vater hätte sicher nichts dagegen. Ein Kind ist eine sehr gute Begründung, die Armee verlassen zu wollen.", Cobalt hatte nun einen Arm um ihn gelegt.

,,Könnte ich, wenn ich wollte. Aber ich will nicht. Ich habe die meisten meiner Soldaten selbst ausgebildet und teilweise sogar groß gezogen. Ich lasse sie nicht im Stich. Nicht einmal für ein Kind.", er raschelte mit seinen Flügeln – er fühlte sich nicht wohl.

Crystal wusste nicht genau, was er von dem Drachen halten sollte. Er wirkte alles andere als glücklich. In den grauen Augen des Drachen lag Trauer. Tiefgehende Traurigkeit. Hatte er jemanden verloren?

Beim gemeinsamen Abendessen, saß Asterin neben ihm und es war...merkwürdig. Der Drache sprach kein Wort mit ihm, sondern schenkte sich alle fünf Minuten Drachenbeerensaft nach, bis Crystal genug hatte und ihm die Karaffe nahm. Es überraschte ihn selbst genauso sehr, wie es Asterin überraschte.

Die beiden sahen sich einen Moment lang an und in den grauen Augen des Drachen lag etwas, dass der Junge nicht deuten konnte.

,,Dich besaufen kannst du, wenn du alleine bist.", hatte er dann gesagt und sich wieder seinem Essen zugewandt. Er war erstaunt über sich selbst. Darüber, dass seine Stimme nicht einmal gezittert hatte. Immerhin hatte er einen Drachenkrieger beleidigt und das auch noch ohne erst einmal nachzudenken.

Asterin sagte aber nichts. Er sah auf sein Essen, als würde er jegliche Entscheidungen in seine Leben überdenken.

Toll. Jetzt hatte er Schuldgefühle auch noch.

Der Blick des Menschen wanderte über den Tisch und blieb bei einer Glaskanne mit Orangensaft hängen.

Er griff danach und reichte sie Asterin, der jetzt noch überraschter seine Augenbrauen hochzog.

,,Das ist besser. Ich wollte euch keinesfalls beleidigen oder kränken.", er spürte Cobalts Blick auf ihm.

Asterin nickte nur.

Unsicher sah er zu dem Prinzen hinüber, der eine Hand auf seinen Oberschenkel legte.

,,Asterin ist ein wenig...eigen. Du hast ihn nicht gekränkt, glaub mir. Es wundert mich sogar ein wenig, dass er nicht versucht hat, die Karaffe zurück zu holen."

,,Woher kennt ihr euch?"

,,Das erzähle ich dir später, wenn wir unter uns sind."

DrachenkussWo Geschichten leben. Entdecke jetzt