Ich höre ein lautes Krachen von unten und renne schnell ins Wohnzimmer. Mom saß vor dem Fernseher auf einem ihrer Lieblingsholzstühle und hatte gestrickt. Sie mag stricken. Sie meint, dass Keybel das viel besser steht, als der ganze Scheiß heute, den man günstig herstellt und teuer verkauft. Darüber kann ich nur die Augen verdrehen.
Mom ist rückwärts vom Stuhl gefallen. Mit glasigen Augen starrt sie in die Luft, auf ihrem Kopf klingelt sich die blau, grüne Wolle. Ich will ihr hoch helfen, doch sie sinkt sofort wieder auf dem Boden zusammen. Sie hat eine große Beule am Hinterkopf, die unter ihren vielen Locken hervorragt.
Ich hole ihr einen Beutel mit Eis und sie hält es sich an den Kopf. ,,Sie ist weg.", flüstert Mom nach einiger Zeit. Ich setze mich neben Mom auf den Boden und streiche ihr über den Rücken, doch das hilft in keiner Weise.
Ich fühle mich schrecklich, ausgelaugt und nutzlos. Was sie wohl mit ihr machen? Werden sie sie umbringen? Mir läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken als schreckliche Bilder vor meinem Augen vorbei ziehen.
Ich schrecke aus dem Schlaf. Ich habe keine Ahnung wie ich einschlafen konnte. Die Gedanken sind durch meinen Kopf gezischt und haben mich nich in Ruhe gelassen. Schreckliche Gedanken.
Sie haben mich bis in den Schlaf verfolgt. Nun ist mein Bett vom ganzen Angstschweiß total nass. Meine Haare kleben in meinem Gesicht, mein Nachthemd ist klebrig nass. Mein Mund fühlt sich pelzig an und meine Kehle brennt, wie als hätte man ich die ganze Zeit geschrien.
Ich schlage die Decke zurück. Ich brauche etwas zu trinken. Ich schlurfe in die Küche. Es ist stockdunkel und ich kann nicht mal meine Hände vor Augen sehen. Das leise Surren der Heizung erfüllt das Wohnzimmer. Ich taste nach einem Glas und fülle es mit kühlem Wasser, das ich gierig austrinke.
Erschöpft schlurfe ich zurück zum Esstisch und will mich gerade hinsetzen, als ich sie sehe. Eine dunkle, kaum sichtbare Gestalt sitzt am Tisch. Ich erstarre und umklammere schnell das Glas Wasser, damit es mir nicht aus der zitternden Hand fällt.
,,Sally?", flüstere ich. Ein wenig Hoffnung steigt in mir auf. Wie konnte sie vor den Terroristen fliehen? Was haben sie ihr angetan?
Die Gestalt richtet sich auf. Sally ist viel größer und breitschuldriger als sonst. Sie kommt auf mich zu. Ihr Gesicht ist in Dunkelheit gehüllt. ,,Sally?", frage ich abermals. Die Gestalt schüttelt den Kopf und legt ihre große Hand auf meine Schulter.
,,Wer bist du?", frage ich mit zitternder Stimme. Ist es vielleicht jemand aus der Regierung? Wollen sie uns holen? Oder ist es sogar einer der Terroristen? Die Gestalt tastet an der Wand nach dem Lichtschalter.
Das Licht geht flackernd an und ich kann nicht anders als zu schreien. Ich lasse mein Glas fallen und das Wasser und die Scherben fliegen gegen meine Beine. Ich schreie mir fast die Seele aus dem Leib, bis er seine Hand auf meinen Mund presst.
,,Wa makt dü har?", nuschle ich durch die Hand. Fragend sieht er mich an und ich reiße seine Hand von meinem Mund. ,,Was machst du hier ... Dad?", frage ich erneut. Dad seufzt und streicht mir schließlich über den Kopf.
,,Ich wurde entlassen.", antwortet er. Ich reiße erstaunt die Augen auf. ,,Wieso das? Ich meine, du bist ein Terrorist.", stottere ich verwirrt. ,,Ich habe ihnen das Versteck verraten und dann ließen sie mich frei.", entgegnet er.
Ich schlucke schwer. ,,Hast du schon von Sally gehört?", frage ich leise. Dad nicht niedergeschlagen. ,,Ich dachte, wenn ich es verrate wird alles gut. Dass es dann endlich vorbei ist und aufhört, aber ich habe alles schlimmer gemacht.", klagt er. ,,Das was aufhört?", frage ich verwirrt, doch er gibt mir keine Antwort.
,,Weiß Mom das du hier bist?" Dad schüttelt den Kopf. ,,Ich bin erst vor ungefähr zwei Stunden entlassen worden.", erklärt er und kniet sich hin. Er sammelt schnell alle Scherben ein und bringt sie in die Küche.
Ich weiß nicht was ich fühlen soll. Glück, weil er wieder da ist. Trauer, weil er überhaupt gefasst wurde. Nein - nichts von beidem. Er kommt wieder zurück, in seiner einen Hand hält er einen Lappen um das Wasser auf zwischen.
Plötzlich beginnt Wut in mir zu kochen. Ich beiße die Zähne zusammen und fixiere Dad mit zusammen gekniffenen Augen. ,,Das ist alles deine Schult.", zische ich. Meine Wut wird stärker und ich hebe meine Stimme.
,,Du hast immer nur daran gedacht die Regierung zu stürzen! Nie an uns. Wie konntest du nur zu einem Terroristen werden? Es war doch klar, dass du irgendwann gefasst wirst und das wir dann als Verbrecher dastehen. Und außerdem, hast du je für die Freiheit der Armen gekämpft oder nur für Reichtum und Macht. Und wegen dir ist jetzt Sally weg und ich befürchte, dass wir sie nie mehr wieder bekommen!", brülle ich.
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Prisoner - Die Gefangene
Mystery / ThrillerAmanda lebt in einer Welt wo nur die Reichen das Sagen haben. Ihr Vater ist der Anführer einer Terroristengruppe, die gegen die schreckliche Regierung kämpfen. Sie selbst weiß nicht ob sie die Arbeit ihres Vaters gutheißen soll oder nicht. Manchmal...
