James öffnete erschöpft seine müden, braunen Augen. Er blinzelte verwirrt und hob langsam seinen Kopf. James atmete einige Male tief ein und wieder aus, als hätte er seit Jahren keine frische Luft geatmet.„Wie geht es dir?", fragte Severus und legte seine Hand vorsichtig auf die Bettdecke.James, der Severus bis jetzt nicht bemerkt hatte, erschrak. Er blinzelte erneut, als glaubte er, Severus sei nichts weiter als eine Illusion.„Snape? Was machst du denn hier?"James' Miene verfinsterte sich. Er hatte definitiv mit allem gerechnet. Aber mit Severus? An seinem Krankenbett? Alleine?„Ich habe dir gerade das Leben gerettet, du Vollidiot.", zischte Severus und wagte es nicht ihm in die Augen zu sehen.Für einen Moment sagte keiner der Jungen etwas.Inzwischen war die Nacht hereingebrochen und der Mond schickte seine kühlen, weißen Strahlen durch die Fenster des Krankenflügels. Die Sterne flackerten seelenruhig am Himmel. Von draußen war das dumpfe Zirpen der Grillen zu hören.„Gib mir meine Brille, Schniefelus.", sagte James, welcher blind auf dem Nachttisch nach seiner Brille suchte.Nun hatte auch Severus' Gesicht einen grimmigen Ausdruck angenommen.Am liebten hätte er James auf der Stelle wieder mit einem Fluch belegt. Seine Hand zuckte, als er aus Reflex schon seinen Zauberstab zücken wollte.„Ich habe dich vor dem Tod bewahrt, du ekelhafter Mensch. Zeig etwas Respekt.", knurrte Severus und seine schwarzen Augen funkelten vor Wut.Was sah Lily bloß in James? Es gab nichts, was James auch nur ansatzweise liebenswürdig machte.„Schniefelus, meine Brille.", befahl James erneut und grinste gehässig.Severus überlegte ob er Widerworte geben sollte. Doch nach einem Moment des Überlegens wusste er, dass es rein gar nichts bringen würde, mit James eine Diskussion zu führen.Severus seufzte gereizt und schmiss James' Brille genervt vom Nachttisch auf das Bett.Ohne sich zu bedanken setzte James seine Brille auf.„Aha!", rief er und seine braunen Augen sahen nun durch die runden Brillengläser, „Dein Gesicht ist immer noch so fürchterlich hässlich wie eh und je."Die Wut, die in Severus' wie ein Höllenfeuer loderte, wurde immer größer.Er hatte keine Lust mehr auf Ewig das Opfer von James zu sein.Ohne ihn hatte er seine Zeit zusammen mit Lily mehr als genossen.Sogar zu einem Kuss war es dank seiner Abwesenheit gekommen.Es war so viel besser ohne diesen besserwisserischen Gryffindor gewesen.Und dieser Satz hatte das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht.„Das reicht.", knurrte Severus wütend und zog seinen Zauberstab.James' Grinsen verschwand und verwirrt sah er auf die Spitze des Zauberstabs, die bedrohlich auf seine Brust gerichtet war.„Was hast du vor?", fragte James und in seiner Stimme war jegliche Freude verschwunden. Stattdessen klang er ängstlich und es schien so, als würde er sich langsam unter der Decke verkriechen.„Verabschiede dich von deinem Leben, Potter."James' Augen weiteten sich panisch. Sein Mund stand offen. Tränen bildeten sich in seinen Augen hinter der Brille.„Snape, das wirst du nicht tun, oder?"Severus war überrascht, dass James ihn bei seinem richtigen Nachnamen genannt hatte. Aber er wollte zu Ende bringen, was er angefangen hatte.Er würde James Potter töten. Hier und jetzt. Auf der Stelle. Und niemand würde ihn dabei aufhalten. Severus war es in diesem Moment sogar total egal, ob er für diese Tat nach Askaban kommen würde oder nicht. James hatte sein Leben ruiniert. Ihn jahrelang schikaniert, herumgeschubst und bloßgestellt. Severus wollte Rache. „Mach's gut, Potter.", flüstert er, den Zauberstab mit beiden Händen umschlossen.James' Mund stand weiterhin offen vor Schreck.Severus zitterte am ganzen Körper. Jetzt oder nie.„Avada Kedav-"Die Tür des Krankenflügels wurde aufgestoßen.Wer auch immer ihn unterbrochen hatte, Severus war unglaublich dankbar. Das Öffnen der Tür hatte ihn zurück in die Realität geholt. Langsam ließ er den Zauberstab sinken.„P-Professor!", rief James und zitterte am ganzen Körper. Seine Haare waren nass vor Schweiß und klebte an seiner Stirn.Jetzt wagte auch Severus einen Blick zur Tür.Er blickte in das völlig entsetzte Gesicht von Professor McGonagall. Sie schien genauso überrascht zu sein wie James und Severus.Mit schnellen Schritten ging sie zu den beiden Jungen herüber, riss Severus mit einem ernsten Gesichtsausdruck den Zauberstab aus der Hand und ließ ihn in das Innere ihres Umhangs gleiten.„Erklären Sie mir sofort was hier los ist.", sagte McGonagall und in ihren grünen Augen glitzerten Tränen der Enttäuschung.Wieder trat Stille ein.Was sollte Severus bloß sagen? Die Wahrheit, dass er James töten wollte? Eine Lüge, dass er nur schauen wollte, ob es James inzwischen besser ging? Die Zeit schien still zu stehen.„Er wollte mich umbringen.", wimmerte James.Professor McGonagall legte erschüttert ihren Kopf etwas zur Seite.„Ist das wahr, Snape? Wollten Sie Potter wirklich töten?", fragte sie und kämpfte gegen die Tränen an.Severus schaute zu Boden. Am liebten hätte er den Todesfluch auf sich selbst angewandt.„Ja, das stimmt! Snape wollte mich töten! Bringen Sie ihn nach Askaban!", schrie James und fuchtelte wild mit den Armen herum. Doch McGonagall achtete nicht auf James, sondern packte Severus am Arm. Langsam hob er den Kopf. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis er in die Augen der Hauslehrerin von Gryffindor sah.„Kommen Sie mit, Snape. Ich bin mir sicher, dass Professor Dumbledore weiß, wie es mit Ihnen weitergehen soll."Er nickte stumm und verließ mit Professor McGonagall den Krankenflügel.Severus verschränkte verkrampft die Arme und sah sich um. Professor McGonagall hatte ihn in das Büro vom Schulleiter von Hogwarts, Albus Dumbledore, gebracht. Gelangweilt saß er auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch von Dumbledore und wartete.Es hieße, Professor Dumbledore würde jede Sekunde auftauchen. Und Severus war sich nicht sicher, ob seit seiner Ankunft im Büro tatsächlich eine Stunde vergangen war oder ob er sich es bloß einbildete. Zwei große Kerzen schwebten nur einige Zentimeter über dem Tisch und tauchten den Raum in ein gemütliches Licht. Hinter dem Schreibtisch saß ein roter Vogel auf einer goldenen Stange. Es war Fawkes, Dumbledores Phönix. Mit seinen schwarzen Augen starrte er Severus vorwurfsvoll an. An den hohen, dunklen Wänden hingen unzählige Gemälde berühmter Zauberer und Hexen. Severus hatte das Gefühl, sie würden ihn heimlich beobachten, wenn er nicht hinsah.„Hört auf so blöd zu glotzen!", rief er und drehte seinen Kopf umher, damit sich jedes Gemälde angesprochen fühlte.Aus der anderen Ecke des Büros ertönte eine rauchige Stimme.„Ich bin doch nur ein armes Porträt. Ich bin froh, wenn ich mal etwas anderes außer Albus und seinen Vogel sehen kann.", jammerte ein alter Zauberer mit rötlichen Haaren.Severus rollte mit den Augen und versuchte seine Begeisterung, dass die Gemälde tatsächlich sprechen konnten, zu verstecken.Einen Moment später ging die Eingangstür des Büros hinter ihm auf.Severus blieb still sitzen und regte sich nicht.„Ah, Snape. Wie schön, dass du schon hier bist.", sagte Dumbledore und ging an Severus vorbei. Er setzte sich gegenüber von ihm hin. Seine blauen Augen blitzen durch die Halbmondgläser seiner Brille.„Ist ziemlich frech, der Bengel.", meldete sich der Zauberer mit den rötlichen Haaren. Severus warf dem Porträt einen bösen Blick zu und sofort verstummte der Zauberer. Professor Dumbledore schien das sprechende Porträt nicht gehört zu haben. Oder er ignorierte es schlichtweg. Wahrscheinlich war er es gewöhnt, dass die Gemälde in seinem Büro sprechen konnten.„Du weißt wieso du hier bist, oder?", fragte Professor Dumbledore.Severus nickte zaghaft. Er war zu schüchtern um seinem Schulleiter in die Augen zu sehen. Dumbledore wollte gerade etwas sagen, als Severus ohne jegliche Vorwarnung auf ihn einredete.„Ich bitte Sie, ich will nicht nach Askaban! Es tut mir so leid! Ich hätte all diese schrecklichen Dinge nicht tun dürfen. Es war auch nie meine Absicht, glauben Sie mir! Ich werde mich bessern und nie wieder eine Regel brechen, ich schwöre es!"„Snape, beruhigen Sie sich.", fiel ihm Professor Dumbledore ins Wort. Severus redete, so stur wie er manchmal sein konnte, weiter.„Ich sollte an Stelle von Potter verhext worden sein, ich sehe es ein! Ich war nur so sauer auf ihn, er schikaniert mich seit Jahren. Seit Jahren! Ich halte es einfach nicht mehr aus! Und die Sache mit Lupin.. ich musste es tun! Sonst wäre Potter gestorben. Und dann ist da noch Evans, verstehen Sie? Ich mag Evans wirklich sehr!"Professor Dumbledore war nun aufgestanden und hob seine Hand.„Du sollst still sein, Bursche!", schrie der rothaarige Zauberer in seinem Gemälde so laut, dass Severus aufschreckte und verstummte.Er hatte das Gefühl die Situation nur noch schlimmer gemacht zu haben.„Snape, ich werde Sie nicht nach Askaban schicken.", sagte Dumbledore sanft.„Wie Schade!", klagte der rothaarige Zauberer.Professor Dumbledore drehte sich seufzend um sprach nun zu dem Porträt.„Anstatt hier alles zu kommentieren, schicken Sie mir bitte Horace!", befahl Dumbledore. Der Zauberer murmelte etwas unverständlich vor sich hin und verschwand dann rasch aus dem Bildrand.Horace Slughorn war der Hauslehrer von Slytherin und ein großartiger Meister der Zaubertränke.Aber es würde nichts Gutes heißen, wenn selbst sein Hauslehrer anwesend sein müsste.Severus' Herz war schwer wie ein Felsbrocken geworden.Er hatte nicht nur Lily, Remus, McGonagall und Dumbledore enttäuscht, sondern auch seinen Hauslehrer. Severus verstand sich mit Professor Slughorn am besten von allen Lehrern. Sein Unterricht war interessant und lehrreich. Er war der Grund, weshalb Severus sich so für Zaubertränke interessierte.„Bitte verweisen Sie mich nicht von der Schule. Hogwarts ist mein Zuhause!"Professor Dumbledore hatte sich inzwischen wieder auf seinem Stuhl niedergelassen. Er legte seine Hände aufeinander und platzierte sie vor sich auf dem Tisch.„Ich würde dich nicht von der Schule verweisen, Snape."Hatte Dumbledore das gerade wirklich gesagt? Er würde Severus nicht von der Schule verweisen? Obwohl er so ziemlich jede Schulregel gebrochen hatte? Und beinahe einen Mitschüler getötet hatte?„Was meinen Sie damit?", fragte Severus und hatte Angst, dass er sich vielleicht doch nur verhört hatte.Dumbledore nickte. In seinen Augen reflektierte sich das warme Licht der Kerzen.„Ich weiß, dass du tief in deinem Inneren ein guter Mensch bist. Natürlich werde ich das, was du getan hast, nicht abstreiten. Du wirst eine Strafe bekommen, die deinen Taten gerecht wird, Snape.", sagte Dumbledore ruhig, die Augen auf Severus fixiert.„Also darf ich in Hogwarts bleiben?", fragte Severus euphorisch und wäre vor Freude am liebsten von seinem Stuhl aufgesprungen.Professor Dumbledore sagte nichts.„Horace müsste jede Sekunde da sein."Es war der Zauberer mit den rötlichen Haaren. Er war von seiner Mission, den Hauslehrer von Slytherin zu holen, wiedergekehrt.Und es dauerte tatsächlich weniger als eine Sekunde, als Horace Slughorn durch die Tür des Büros schritt.Professor Slughorn wirkte aufgebracht und verwirrt. Seine grauen Haare waren zerzauster und ungekämmter als sonst. Es wirkte fast schon so, als wäre es tagelang bei einem Sturm unterwegs gewesen.„Sie wollten mich sprechen, Albus?", fragte Slughorn ängstlich als befürchtete er, etwas verbrochen zu haben.Professor Dumbledore stand von seinem Stuhl auf und ging zu ihm herüber.„Ja, das stimmt. Ich möchte mit Ihnen über einen Ihrer Schüler sprechen, Horace. Haben Sie einen Moment Zeit? Es wird auch nicht lange dauern.", sagte Dumbledore.„Aber natürlich doch!", rief Slughorn und schien Severus nicht bemerkt zu haben.Dumbledore führte Slughorn zu seinem Schreibtisch und bat ihm den freien Platz neben Severus an.„Guten Tag, Snape.", trällerte er und setzte sich mit einem erleichterten Stöhnen auf den Stuhl neben Severus.
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Five Sickles - eine Snily Fanfiction (Deutsche | German Version)
RomanceSeverus stocherte genervt in seinem Frühstück herum. Seit gestern hatte er das Gefühl, dass sich sein Magen ständig umdrehen würde. Ihm war übel. So übel, als würde er gleich erbrechen müssen. Dabei war Severus körperlich vollkommen in Ordnung. Es w...