„Das hat aber gedauert.", sagte Remus Lupin und lächelte sanft. Severus klappte der Mund auf. Was um alles in der Welt machte er denn hier? Remus hopste gut gelaunt die Treppe des Gemeinschaftsraums herunter und blieb kurz vor Severus stehen. Severus ging verunsichert einen Schritt zurück. Was in Merlins Namen war hier nur los?„Tada! Mission Severus Snape vor der Suspendierung zu bewahren!", rief Remus und klopfte sich stolz auf die Brust, wo sein Vertrauensschülerabzeichen funkelte. Severus ging einen weiteren Schritt nach hinten und zog vorsichtshalber seinen Zauberstab. Remus Lupin, der ihm vor einigen Stunden auf dem Weg zum Krankenflügel tot sehen wollte, wirkte wie ausgewechselt.
„A-Aber ich dachte, du wolltest mich umbringen.", stotterte er voller Furcht und hielt seinen Zauberstab mit beiden Händen fest. Der unangenehme Geruch von nassem Hund lag in der Luft.
Severus konnte nicht glauben, dass Remus so urplötzlich seine Einstellung zu ihm geändert hatte und anscheinend sogar verhindern wollte, dass er von der Schule fliegen würde.
„Oh.", hechelte Remus verlegen und auf seinen vernarbten Wangen erschien ein rosa Schimmer, „Ich habe die Kontrolle über mich verloren. Eine Nacht vor Vollmond fällte es mir schwer, meine Emotionen zu steuern. Und Tatze hat mich irgendwie dazu gebracht dich anzugreifen. Aber als Wiedergutmachung hat er mich hinunter in die Kerker begleitet. Ganz schön schaurig hier unten."
„Ich frage mich wie du überhaupt dazu kommst, einen Hund zu halten, obwohl diese als Haustier nicht gestattet sind?", fragte Severus und hob eine Augenbraue.
Der rosafarbene Schimmer auf Remus' Wangen glühte.
„Ach, ist nicht so wichtig.", murmelte Remus verlegen und zwinkerte Lily, die neben ihm stand, gewitzt zu.„Jedenfalls..", fuhr er fort, „Habe ich von Slughorns Urteil gehört. Es ist eine Schande, dass der alte Horace einfach so entschieden hat, dich von Hogwarts zu suspendieren! Und da wir Freunde sind dachte ich mir, ich setze mich für dich ein. Als Vertrauensschüler habe ich ein gewisses Mitspracherecht."
Severus' Herz, das bis vor wenige Minuten noch kalt und schwer wie ein Stein war, machte einen kleinen Freudensprung. Remus Lupin wollte die Freundschaft zu ihm weiterhin aufrecht erhalten. Und Severus bedeutete das mehr, als er es jemals erwartet hätte. Es fühlte sich gut an.
„Danke schön.", stammelte Severus und nun lächelte auch er.
Für einen Moment herrschte peinliche Stille.
Lily räusperte sich und als Severus zu ihr herüber sah, lief ihr Gesicht rot an.
„Ich werde selbstverständlich auch mitmachen, Moony!", sagte sie entschlossen und ihre Augen leuchteten vor Euphorie. Und erneut hob Severus verwirrt seine Augenbraue.
„Moony? Wer oder was ist Moony?"
Lily schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund und verstummte sofort. Sie sah so aus, als hätte sie gerade aus Versehen eine Beleidigung ausgesprochen.
„Schon gut, Lily. Snape hat mir mit dem Wolfsbanntrank geholfen und weiß, dass ich ein Werwolf bin. Da hat er auch das Recht zu wissen, dass deshalb mein Spitzname Moony ist.", erkläre Remus mit einem rosenroten Gesicht.
Verlegen kratze sich Lily am Hinterkopf und nickte stumm. Severus war erstaunt und fasziniert zugleich, dass Remus ihm so vertraute. Ob er das auch getan hätte, fragte er sich. Hätte er den Mut gehabt Remus zu sagen, dass er der Halbblutprinz war? Severus' Verstand verneinte, aber tief in seinem Herzen wusste er, dass Remus niemals irgendwelche Geheimnisse von ihm weitererzählen würde.
„Also dann.", rief Remus und klatschte einmal in die Hände, „Lasst uns dafür sorgen, dass Snape nicht von der Schule fliegt. Denn ich-"
„Und wie genau willst du das anstellen? Willst du einfach so in das Büro von Dumbledore spazieren?", unterbrach Lily ihn und das leichte Lächeln auf ihren Lippen verschwand. Besorgt verschränkte sie die Arme und blies eine kupferfarbene Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Genau so werden wir es machen. Wenn einer Verständnis zeigt, dann ist es Dumbledore!", sagte Remus und wandte sich an Severus.
„Wir schaffen das schon, glaub mir!", ermutigte er ihn und klopfte Severus auf die Schulter. Obwohl er wusste, dass Remus und Lily Vertrauensschüler war, konnte er nicht glauben, dass Dumbledore die Suspendierung zurückziehen würde.Unbemerkt schlichen die drei Schüler den Korridor zu Dumbledores Büro entlang. Es herrschte noch immer diese entspannende und dennoch bedrückende Stille im ganzen Schloss. Der eiskalte Wind sorgten dafür, dass Severus' Nasenspitze taub und bläulich wurde. Lily war so nervös, dass sie des Öfteren beinahe stolperte. Remus war so sehr in seinen eigenen Gedanken gefangen, dass er ständig etwas vor sich hin murmelte.
Der Korridor schien endlos.
Wie lange waren sie schon unterwegs? Vielleicht ein paar Minuten.
Oder waren es doch schon Stunden? Würde es nach Severus gehen, so waren sie mindestens schon mehrere Jahrzehnte unterwegs.
„Da vorne ist es.", keuchte Lily und deutete auf den großen goldenen Wasserspeier der den Eingang zum Büro kennzeichnete. Sie runzelte die Stirn und blieb stehen.
„Weiß einer von euch zufällig das Passwort?", fragte sie kühl.
Remus schluckte und fasste sich ungläubig an den Kopf. Daran hatte er nicht gedacht. Er hatte völlig vergessen, dass ein Passwort nötig war.
„Ach, du schon wieder!", krächzte eine rauchige Stimme. Entgeistert drehten sich Severus, Lily und Remus umher. Wer sprach dort? Severus blinzelte verdutzt.
Diese Stimme kannte er doch.
Aber woher nur?
„Hier drüben, ihr Narren!", knurrte die unbekannte Stimme. Remus legte seinen Kopf in den Nacken, sodass seine Narben im schwachen Kerzenschein schillerten. Hoch oben an der Wand hing ein Gemälde. Ein rothaariger und alter Zauberer hatte seine Arme auf dem Bilderrahmen abgestützt. Säuerlich blickte er auf sie herab und musterte Severus von Kopf bis Fuß. Dann sah er zu Remus verzog angeekelt sein altes Gesicht.
„Fliegt dein hässlicher Freund auch von der Schule?", fragte er und lachte gehässig.
„Hässlich?!", stöhnte Remus gereizt.
Lily kicherte leise und zog damit die Aufmerksamkeit des alten Zauberers auf sich. Der Zauberer stützte sich etwas mehr am Bildrahmen ab und spähte mit seinen müden und glasigen Augen zu Lily hinunter. Sofort erstarb ihr Kichern. Sie trat einen Schritt nach hinten und versteckte sich zur Hälfte hinter Severus.
Sofort find sein Herz an zu rasen, als der Geruch von Lily in seine Nase stieg. Severus konnte Lilys Geruch nur schwer beschreiben.
Lieblich und süß, wie ein heißer Sommerabend.
Frisch und intensiv wie ein Nadelwald nach einem starken Regenschauer.
Warm und gemütlich wie sonnenbeschienenes Laub im September.
„Du bist aber ein hübsches Mädchen.", sagte der Zauberer mit seiner rauchigen Stimme und riss Severus aus seinen Gedanken. Die Augen des Zauberers schienen immer größer zu werden, sodass sie jeden Moment aus seinem Gesicht kullern könnten. Lily errötete beschämt und vergrub ihr Gesicht in Severus' Schulter. Sie fühlte sich definitiv nicht wohl dabei, von einem grimmigen, alten Zauberer in einem ranzigen Gemälde angegafft zu werden.
„Wer sind Sie überhaupt?", brummte Severus wütend und seine pechschwarzen Augen funkelten. Der rothaarige Zauberer reckte seinen Kopf in die Höhe und strich sich durch sein zerzaustes Haar.
„Mein Name ist Professor Amrose Sw-"
„Ist doch völlig egal wer dieser Idiot ist.", zischte Remus genervt und rieb sich seinen Nacken, der durch das viele Hochschauen steif geworden war, „Er soll uns einfach nur das Passwort verraten und fertig."
Der Zauberer stöhnte empört.„Undankbares Narbengesicht.", flüsterte er zornig und sein fahles und gelbliches Gesicht färbte sich dunkelrot. Remus seufzte und knirschte nervös mit den Zähnen. Er stemmte die Arme in die Hüfte und drehte sich zu Severus. Lily kauerte noch immer ängstlich an seiner Schulter.
Severus überlegte mit Bedacht, wie er den rothaarigen Zauberer dazu bringen konnte, ihnen das Passwort zu Dumbledores Büro zu verraten. Und da die Zeit drängte, überlegte sich Severus einen einfachen aber dennoch effektiven Plan.
„Ich mache Ihnen ein Angebot.", sagte er nach einer Weile des Schweigens.
„Ein Angebot, ja?", fragte der Zauberer und lehnte deutlich desinteressiert am Bildrahmen seines Gemäldes. Die Röte, die ihm bis vor ein paar Minuten noch im Gesicht glühte, verblasste allmählich.
„Ja, ein Angebot. Sie bekommen das Mädchen und ich das Passwort.", sagte Severus trocken und strich Lily von seiner Schulter ab.
Remus' Kiefer klappte schockiert nach unten.
„Was?", rief Lily entsetzt und blinzelte verwirrt. Severus packte Lily am Handgelenk und platzierte sie direkt vor sich, wie ein Objekt, welches zum Verkauf stand. Wimmernd und verängstigt winkelte Lily ihre Arme an und verschloss sie vor ihrer Brust. Misstrauisch sah sie zu Remus hinüber, in der Hoffnung er würde sie aus dieser unangenehmen Situation retten.
„Ihr Name ist Lily Evans. Gryffindor und Vertrauensschülerin. Eine unglaubliche Schönheit, nicht wahr?", sagte Severus und umkreiste Lily, "Auch ihr Lächeln ist bezaubernd. Ebenso wie ihre unglaublichen Augen. Ein schönes Grün. Tiefes, leuchtendes Grün. Wie das Gras auf einer versteckten Lichtung im Wald. Und Koboldstein kann sie auch spielen."
Der rothaarige Zauberer beugte sich noch weiter nach unten, sodass er beinahe aus dem Gemälde zu fallen schien. Er kniff seine schrumpeligen Augen zusammen und musterte jeden Zentimeter ihres Körper. Er dachte anscheinend scharf nach, ob Lily das Passwort zum Büro wirklich wert war.
„Und? Haben wir einen Deal?", fragte Severus kalt und blieb hinter Lily stehen, „Das Mädchen gegen das Passwort?"
„Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt, Snape?", schrie Remus fassungslos als er es nicht mehr ertragen konnte still zu sein.
Doch Severus ignorierte das Klagen von Remus. Stattdessen wartete er gespannt auf die Reaktion des alten Zauberers.Ein paar Minuten in Stille vergingen.
„Na gut. Ich sage euch das Passwort. Es lautet..", der Zauberer kratze sich seinem roten Haarschopf, „Zischende.. Zischende Zauberdrops, genau!"
Unter dem Gemälde regte sich der goldene Wasserspeier. Lauter kleine Staubwölkchen entstanden unter der Bewegung des Wasserspeiers. Es dauerte nicht lange, da kam eine Wendeltreppe zum Vorschein, welche direkt zum Büro von Dumbledore führte.
„Und jetzt her mit der Süßen!", verlangte er alte Zauberer und ein verschmitztes Grinsen dominierte sein faltiges Gesicht. Gierig umklammerte er mit seiner knochigen Hand den Rahmen des Gemäldes.
„Sie glauben doch nicht etwa wirklich, dass ich Ihnen die Liebe meines Lebens aushändige, oder?", fragte Severus sarkastisch und lächelte zufrieden.
Remus legte seine vernarbte Stirn in Falten. Lily drehte sich verwirrt zu Severus um. Ihre Augen waren gefüllt mit Tränen.
„Wie meinst du das, Bursche?", brummte der rothaarige Zauberer und seine Mundwinkel zuckten ungeduldig.
„Ich hätte gedacht, Sie seien klüger.", spottete Severus vergnügt, umarmte Lily von hinten und drückte sie beschützend an seine Brust, „Ich würde dieses wunderbare Mädchen für nichts in der Welt hergeben."
Die gelben Fingernägel des Zauberers bohrten sich zornig in das Holz des Bildrahmens.
Severus hatte ihn erfolgreich hinters Licht geführt.
„Du hast mich angelogen.", zischte er mit bebender Stimme und seine müden Augen verengten sich, „Aber das wird ein Nachspiel haben!"

DU LIEST GERADE
Five Sickles - eine Snily Fanfiction (Deutsche | German Version)
RomanceSeverus stocherte genervt in seinem Frühstück herum. Seit gestern hatte er das Gefühl, dass sich sein Magen ständig umdrehen würde. Ihm war übel. So übel, als würde er gleich erbrechen müssen. Dabei war Severus körperlich vollkommen in Ordnung. Es w...