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Natürlich hatte ich nach seiner Nachricht sofort angefangen zu weinen. Ich wollte noch nicht, dass Hobi ging, aber wie sollte ich meinen Eltern erklären, dass ein 24 Jähriger Fremder bei uns im Haus war?

Aus der Schule konnte ich ihn schließlich ganz bestimmt nicht kennen.

Hobi hatte mich dann noch eine Weile im Arm gehalten und getröstet. Doch ich hatte in seinen Augen sehen können, dass er selbst traurig war.

Mit meinem Handy hatte er noch ein kleines Erinnerungsfoto von uns geschossen.

Das hatte mich dann wieder ein bisschen glücklicher werden lassen.



Danach half mir der Ältere, all die Sachen aufzuräumen und das Sofa wieder in die Normalstellung zu bringen. Währenddessen begab ich mich immer mehr zurück in meinen 19 Jährigen Headspace.

Nach einer guten halben Stunde hatten wir das Wohnzimmer, die Küche und mein Zimmer wieder auf Vordermann gebracht und alle Utensilien, die entweder auf ihn oder auf mein Little-Dasein hinwiesen, versteckt.


„Also gut", seufzte Hobi im Flur. Er hatte seine Schuhe und die Jacke angezogen und auf seiner Stirn stand förmlich das Wort „Abschiedstimmung".

Ich wünschte, ich wäre noch little. Dann würde ich ihm auf der Stelle um den Hals fallen, ihm vielleicht sogar ein Küssi geben und ihm sagen, dass ich ihn ganz doll lieb hatte.

Doch so war die Situation irgendwie angespannt. Die letzten Tage waren für uns beide eine absolute Ausnahme-Situation gewesen.


Eine kleine Pause von unserem sonstigen Leben, die wir wohl beide benötigt und liebend gerne angenommen hatten.

Nur war diese Pause jetzt vorbei.

„Danke, dass ich hier schlafen durfte", murmelte Hobi. Ein Schnauben entfuhr mir.

„Du hast eingekauft, gekocht, dich um mich gekümmert...", zählte ich auf, „ich muss mich bei dir bedanken."

Ein müdes Lächeln trat auf seine Lippen. „Ich hatte wirklich Spaß Jimin", raunte er.

„Den hatte ich auch", stammelte ich.


Der Rothaarige griff nach der Türklinke und drückte diese langsam herunter. Mein Herz zog sich zusammen. Verdammt ich wollte nicht, dass er ging.

„Also dann~", seufzte er und hob die Hand zu einem Winken, ehe er die Tür weiter aufzog.


Dann ertrug ich es nicht länger.



Hastig stürmte ich auf ihn zu und schlang meine Arme um seinen Oberkörper.

Hoseok schien überrascht, doch schon im nächsten Moment legte auch er seine Arme um mich. Ich ignorierte mein rasendes Herz und versuchte meine Tränen zurückzudrücken.


„Ich möchte nicht, dass du gehst Hobi", flüsterte ich so leise, dass ich mir nichtmal sicher war, ob er mich überhaupt hören konnte.

„Ich werd dich im Crestmond besuchen", versprach er.

„Aber das ist nicht das gleiche", wimmerte ich, „ich möchte hier sein, mit dir. Wo ich ich sein kann und nicht in irgendeinem dämlichen Kino."


Der Ältere drückte mich etwas fester an sich, doch sagen tat er nichts mehr. Beruhigend streichelte er mir übers Haar, dann löste er sich von mir.

„Ich möchte nicht, dass deine Eltern uns hier sehen", murmelte er, dem ich absolut nur zustimmen konnte.

Widerwillig ließ ich meine Arme von ihm und machte Platz frei, damit er die Tür öffnen konnte. Anschließend flüsterte er ein „Tschüss Jimin" und trat aus dem Haus.



Kurz vor seinem Auto hielt er noch einmal und winkte mir mit einem Lächeln zu, ehe er hinter dem spiegelnden Glas der Abendsonne verschwand und aus unserer Straße wegfuhr.

Wehmütig sah ich ihm nach.


So lange bis der mir bekannte rote Audi angetuckert kam und in unserer Einfahrt hielt.

„Jimin!", rief meine Mutter. „Hast du auf uns gewartet?"


Ich begrüßte sie und Papa und lief dann ins Wohnzimmer, wo ich mich mit meinem Handy aufs Sofa pflanzte. Ich wollte ihnen nicht zeigen, dass ich eigentlich nur so semi-zufrieden mit ihrer vorschnellen Rückkehr war.

Das erste Mal seit Tagen öffnete ich mein Instagram und scrollte durch den Feed. Jungkook und Tae hatten Fotos aus einem Freizeitpark hochgeladen. Sie waren wohl mit Namjoon, Jin und Yoongi unterwegs gewesen.

Auf meinem Nachrichten-Massenger sah ich, dass Tae mich gefragt hatte, ob ich mitkommen wollte. Und dann noch ein paar Nachrichten von Kookie, ob es mir gut ging und er vorbeikommen sollte.

Beiden schickte ich eine kurze Antwort, dass alles gut war.


Natürlich wäre ich gerne mit meinen Freunden in den Freizeitpark gefahren, doch meine Tage mit Hobi würde definitiv nichts toppen können.

Da war ich mir sicher.


„Jimin?!", ertönte plötzlich Mamas Stimme aus der Küche. Sie hatte diesen bedrohlichen Klang, der mir sagte, dass ich mir Sorgen machen musste.

Mit vorsichtigen Schritten, näherte ich mich ihr. Hatte ich irgendetwas übersehen oder vergessen?

Irgendetwas, das auf die Anwesenheit eines 24 jährigen in unserem Haus hinwies?


„Was ist?", piepste ich als ich sie erblickte...

... und in der rechten Hand die angebrochene Weinflasche von Hoseok.


„Shit", entfloh es mir.

„Ist das deine?", fragte sie.

Ich überlegte kurz zu sagen, dass Tae und Kookie hier gewesen waren und sie die mitgebracht hatten, doch eigentlich wollte ich die beiden da nicht mit reinziehen.

„Ähm ja...", stammelte ich nervös.


„Aha du entscheidest also aus dem Nichts dir eine Flasche Rotwein zu kaufen?", hakte sie streng nach. Ich nickte.

„Waren Freunde von dir hier?", wollte sie wissen. Diesmal schüttelte ich zögerlich den Kopf.

„Also hast du alleine getrunken?"

Wieder nickte ich. Na wenn mich das mal nicht eine Eintrittskarte in die Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker kostete...



Ein überraschter Laut verließ die Lippen meiner Mom und ihre Augen verzogen sich zu prüfenden Schlitzen, als würde sie mir meine Antworten nicht abkaufen. Ich konnte spüren, wie mir die Nervosität durch die Glieder kroch und meinen Puls in die Höhe jagte.

Würde ich ihnen jetzt alles beichten müssen? Meine Hände wurden schwitzig als-

„Was'n hier los?", fragte mein Vater, der plötzlich hinter mir im Eingang zur Küche stand.



„Jimin hat sich einfach so einen Rotwein gekauft", weihte meine Mutter ihn ein.

Ich - komplett eingekesselt von ihnen - sah verlegen zu Boden.

„Ich wollte halt mal wissen, wie der schmeckt", nuschelte ich leise.



Ich erwartete irgendwelche Gegenargumente, als mein Vater mir plötzlich von hinten auf die Schulter klopfte.

„Ach mein Sohn", seufzte er... irgendwie stolz..., „und ich dachte schon, du wirst nie erwachsen."

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☼ 𝐋𝐢𝐭𝐭𝐥𝐞 𝐁𝐫𝐞𝐚𝐤 | ʲⁱʰᵒᵖᵉWo Geschichten leben. Entdecke jetzt