Der Feiertag (17)

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Ich legte mich nicht noch einmal hin, dazu war ich immer noch zu erschüttert. Stattdessen wusch ich mich, zog frische Kleidung an, kämmte mir die Haare, und sah dabei zu wie die Sonne aufging.

Einige Stunden später hatte ich auch die Herrin geweckt, fertig gemacht und geleitete sie zum Frühstückstisch. Der Herr saß bereits dort und Kailan ebenfalls, er zwinkerte mir kurz zu, als ich eintrat.

,,Rondra, mein Liebling!" Der Herr erhob sich und breitete die Arme aus. ,,Hast du gut geschlafen? Schau, ich habe dir gestern noch Haarklammern aus der Stadt mitgebracht." Er holte einen Beutel aus seinem Gewand hervor und legte Rondra einige prächtig funkelnde Haarklammern in die kleine Hand.

,,Danke sehr, Vater. Doch ich habe bereits so viele."

,,Meinst du, mein Herz? Ach was, deine Mutter sagte stets man könnte nie genug haben." Täuschte ich mich oder wurden seine Augen feucht? Rondra nickte, ihre Stimme war fest. ,,Ja, ich entsinne mich. Doch mein Zopf liegt mir bereits so schwer auf dem Rücken. Was ist mit Tialda? Sie trägt gar keinen Schmuck. Nur manchmal, wenn wir im Garten sind, steckt sie sich Blumen in die Haare."

Errötend senkte ich den Kopf.

,,Du möchtest ihr die Spangen geben? Ach, was ist mein kleines Mädchen großzügig! Deine Mutter war genauso." Der Herr strich seiner Tochter liebevoll über den Kopf. ,,In Ordnung, dann geb sie ihr, wenn du sie selbst nicht möchtest."

Rondra strahlte.

Kailan stand auf, kam herüber und besah sich ebenfalls die Spangen. Er hob eine auf, die mit dunkelgrünen Steinen besetzt war, und wandte sich direkt an mich. ,,Tialda, diese hier würde wundervoll zu deinen Augen passen. Darf ich?"

Ich nickte verzagt. Er stellte sich hinter mich und befestigte mir die Spange im Zopf. Seine Finger streiften dabei leicht mein Schulterblatt und ich war mir sicher, er tat es mit Absicht. Mein Herz schlug schneller.

Rondra drängelte sich an ihm vorbei und steckte mir eine weitere Klammer ins Haar, die diesmal mit Perlen besetzt war. Schwach protestierte ich, dass ich solch wertvolle Geschenke nicht annehmen könnte, doch Rondra schüttelte nur energisch den Kopf. ,,Sicher kannst du! Du hast sie doch sogar schon in den Haaren."

Während die Familie aß, hörte ich wie sie darüber sprachen, was sie an diesem freien Tag unternehmen wollten. Als wäre das ihr Stichwort bewegte sich Schotiji respektvoll zum Tisch, verbeugte sich vor dem Herrn und brachte ihr Anliegen vor. Sie wollte heute auf den Markt gehen und neue Lebensmittel einkaufen. Der Herr sah beiläufig auf ,,Sicher. Die Läden haben wegen des Feiertags zwar zu, doch die Stände auf dem Marktplatz verkaufen so gut und gerne wie immer. Komm nachher zu mir, dann gebe ich dir Geld."

Schotiji entfernte sich und als sie sich wieder neben mich stellte, sah ich, wie sie einen Moment lang in einem Ausdruck des Triumphes die Lippen zusammenkniff. Schaudernd wandte ich mich ab.

Der Herr verkündete, dass er mit Rondra in die Stadt gehen wollte, jetzt wo er endlich einmal die Zeit hatte. Rondra freute sich. Obwohl Kailan nicht gefragt worden war, ob er sie in die Stadt begleiten würde, sagte er seinem Vater, dass er vorhabe im Haus zu bleiben und noch etwas zu arbeiten. Der Herr lobte seine Arbeitsmoral, schien aber an diesem Tag nicht weiter über die Arbeit nachzudenken zu wollen, so schnell wandte er sich wieder seiner Tochter zu. Kein Wunder, dachte ich mir. Schließlich arbeiteten sie daran den Mörder seiner Frau zu fangen. Wen konnte das schon glücklich stimmen? Ob Kailan ihm von unseren Überlegungen erzählen würde? Vielleicht würde er sich entscheiden aus Rücksicht bis nach den Feiertagen damit zu warten.

Ich half Schotiji in der Küche abzuwaschen und kurze Zeit später brach sie auf, um sich das Geld zu holen und zum Markt zu gehen. Ich war sehr froh, dass sie mich alleine ließ. Nach der Entdeckung vor ein paar Stunden empfand ich ihre Gegenwart als äußerst beklemmend. Außerdem hieß das nun, dass ich bald wieder allein mit Kailan sein könnte, und diese Aussicht brachte mein Herz zum beben.

TialdaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt