Ich zitterte noch immer, als ich den Schimmel zurück zu Kailan führte. Das Gespräch mit Salim hatte mich, einen tiefliegenden Teil von mir, der jenseits allem Rationalen lag, erschüttert. Ich wollte mich nicht weiter mit dem was er gesagt hatte befassen und antwortete Kailan auf seine Frage, wie es gelaufen sei, nur knapp: ,,Er war nicht sehr auskunftsfreudig."
Kailan, der eben noch über die Pferde gelacht hatte, runzelte die Stirn. Er sah so wunderschön aus, wie er da mit seinen hellen Kleidern in der Sonne stand, den Kopf des einen Rappen auf der Schulter, dass es wehtat ihn anzusehen.
,,Das ist man gewohnt von ihm. Was hat er denn gesagt?"
,,Über die Herrin wenig," und über mich Vieles, dachte ich wütend, aber biss die Zähne zusammen und ergänzte bloß: ,,ich konnte schließen, dass er sie nicht mochte."
Kailan nickte nachdenklich und trat näher. ,,Du wirkst aufgebracht?"
,,Es ist nichts von Bedeutung. Er war bloß ein wenig unhöflich."
,,Inwiefern? Was hat er gesagt?" Kailans Gesicht verdunkelte sich. ,,Soll ich mit ihm reden gehen?"
Sofort schüttelte ich den Kopf. ,,Nein, es ist in Ordnung. Bitte verzeih mir, aber ich möchte nicht ins Detail gehen. Mir wäre es am Liebsten die Sache auf sich beruhen zu lassen." Ich zupfte am Strick und führte Wiol zurück in richtung der Stallungen, Raum zwischen mich und Salim bringen wollend. So viel wie möglich am Liebsten. Langsam wurde es heiß im Garten, doch ich wusste nicht ob ich wegen der Hitze schwitzte, wegen Wut über Salims Worte oder Kailans Gegenwart. Es war mir alles zu viel. Ich sehnte mich nur nach Stille, nach Ruhe und Klarheit, doch das sollte mir heute wohl kaum vergönnt sein.
Kailan folgte mir. ,,Wie du es wünschst. Möchtest du schon zurück? Ich dachte, wir könnten noch eine Weile durch den Garten gehen. Nur wir zwei."
Ich vergaß kurz zu atmen. ,,Es wird langsam heiß," murmelte ich vage. ,,Mir wäre es lieber wir brächten die Pferde zurück und gingen ins Haus."
,,Gut, wie du es wünschst."
Wir schwiegen, als wir die Pferde zurück führten, die Stille nur unterbrochen von Kailan, der gelegentlich pfiff um den Rappen vom Gras zu lösen.
Ich sah ihn nicht an. So bemüht ich auch war meine Gedanken auf das Wesentliche vor mir zu richten, so wenig gelang es mir. Kailans Gegenwart machte die Luft schwer und den Blumenduft erstickend. In seiner Gegenwart war mir so, als wäre alles bedeutsam, doch gleichsam nichts von Bedeutung, dass nichts mit ihm zu tun hatte. Seine Nähe war unerträglich, süß und berauschend und ich sehnte mich mit allen Sinnen nach ihm, obwohl er kaum einen Schritt hinter mir lief. Beinahe beneidete ich die Rappen, denen er so liebevoll über die Köpfe strich, um seine Berührung. Ich wollte seine Nähe, so unerträglich sie mir auch war, für immer, und fürchtete jetzt schon den Moment wo wir uns trennen mussten, um beide unseren Rollen im Haus nachzugehen. Doch Salim hatte mir geraten mich von ihm fernzuhalten. Weshalb?
Weshalb, weshalb, weshalb... Die Frage quälte mich, bis das Wort jede Bedeutung verlor. Ich ließ die Schultern hängen. Wen kümmerte schon, was Salim mir riet? Kailan war bis jetzt in jedem Fall freundlicher zu mir gewesen als er. Deutlich freundlicher. Seit unserer ersten Begegnung war er nichts als zuvorkommend und respektvoll zu mir gewesen, obwohl er das nicht musste. Der Ordnung der Welt nach, stand er über mir. Was Salim meinte, war wohl, dass ich mir meines Standes in diesem Haus bewusst sein sollte, gestand ich mir ein. Wir Leweinit hielten nicht wirklich Sklaven, doch ich hatte genug von der Welt der Dunja gesehen, um zu ahnen wie die Welt hier geordnet war. Es gab freie Menschen jedes Hintergrundes und dann gab es Sklaven und diese waren eine völlig andere Kategorie Mensch. Im Allgemeinen war es verpönt, Sklaven schlechter als nötig zu behandeln, doch auf die selbe Art, wie es verpönt war, ein Pferd zu prügeln oder ein Tier beim schlachten mehr als nötig zu quälen. Ich blinzelte eine Träne weg. Salim hatte mir eine unschöne, doch leider nötige, Erinnerung gegeben. Zwischen mir und Kailan lagen Welten und ich durfte es mir nicht mehr erlauben, das zu vergessen, egal wie leicht er es mir machte.
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Tialda
Fiksi SejarahDas junge Mädchen Tialda wird als Sklavin genommen, als das Volk der Dunja ihre Provinz erobert. Durch einige Umwege landet sie schließlich in dem Haushalt eines reichen Mannes, dessen zweite Frau entführt und unter mysteriösen Umständen getötet wor...
