Ein verbotener Ritt (11)

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Notdürftig raffte ich meine Gewänder auf Höhe meines Oberschenkels und knotete mir den Stoff um die Hüften.
Die Kleider, die Frauen bei mir zu Hause getragen hatten, waren kürzer gewesen und besonders vor langen Ritten zog man für gewöhnlich Hosen darunter, aber jetzt musste es so gehen.

Ich nahm die Zügel in die Hand und schwang mich auf den Pferderücken.
Rondra und Ail sahen mir gebannt zu.

Das Pferd war leicht aber kräftig gebaut und größer als die Pferde die meine Familie besessen hatte. Sicher war es von sehr edler Abstammung. Ich spürte die Muskeln des Schimmels unter mir arbeiten, als ich ihn sanft antrieb. Er gehochte sofort. Ich ritt in schnellem Schritt vor den Stallungen auf und ab, während Rondra mir mit großen Augen zusah.

Ail winkte mich zurück und wies mit der Hand auf den Reitplatz. ,,Nicht über die Kieswege, später bleibt es nämlich an mir hängen, Wiol die Steinchen aus den Hufen zu kratzen. Weißt du wie lange das dauert?! Reite auf dem Platz oder auf der Koppel."

Belustigt schüttelte ich den Kopf und lenkte Wiol richtung Koppel. Rondra und Ail liefen mit und öffneten mir das Tor.

Meine nackten Beine lagen rutschig am Fell des Pferdes, doch ich hielt mich mit den Knien fest und richtete meinen Oberkörper auf. Erst blieb ich im leichten Trab, wechselte einmal die Hand und dann lenkte ich ihn in den Gallopp. Er galloppierte beim leichtesten Signal an, als hätte er darauf nur gewartet. Ich lobte ihn, hingerissen und erstaunt. Das Pferd, was ich Zuhause geritten war, erforderte immer Überredung um in den Gallopp zu wechseln. Es war allerdings auch schon älter gewesen. Die Soldaten hatten unsere Pferde ebenfalls mitgenommen, sicher war es jetzt verkauft oder geschlachtet.

Ich schnalzte mit der Zunge, trieb etwas schneller und Wiol zog das Tempo an. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, die Umgebung flog in grünbunten Schlieren an mir vorbei. Mein Körper bewegte sich im Takt der Galloppsprünge und einen Moment lang fühlte ich mich so gut wie schon lange nicht mehr. Wiol galloppierte leicht und federnd, als würde er fliegen. Dadurch, dass er noch recht jung schien, waren seine feinen Gänge und seine perfekte Balance umso bemerkenswerter. Er gehorchte mir, als könnte er Gedanken lesen. Es war eine Freude ihn zu reiten.

Bestimmt viermal galloppierte ich über die gesamte Länge der Koppel, wechselte die Richtung und tat es noch einmal. Schließlich parierte ich wieder in den Trab. Der Übergang erfolgte sofortig und wunderbar fließend. Dieses Pferd hatte ausgesprochen runde, saubere Gangarten. Wer auch immer ihn ausgebildet hatte, verstand sein Handwerk.

Ein wenig bedauernd ritt ich zum Zaun, hinter dem Rondra und Ail warteten und mir zugesehen hatten. Gerne wäre ich noch weiter galloppiert, doch Wiol schwitze und verdiente seine Ruhe.

,,Das war unglaublich!" Rief meine kleine Herrin und hüpfte auf und ab, so dass ihr ganzer Schmuck rasselte und schepperte. Die Pferde meiner Familie hätten sicher kurz gescheut, doch Wiol war von der Stadt durchaus an lautere Geräusche gewöhnt worden und streckte Rondra seine Nüstern hin.

Ich machte mich schwer, lehnte mich leicht zurück und der Hengst hielt an. Lobend klopfte ich ihm den Hals.

,,Es war nicht schlecht, man erkannte dass du schon einmal auf einem Pferd saßst," gab Ail wiederwillig zu. Seine Stimme klang enttäuscht, sicher hatte er gehofft, dass ich mich blamierte.

Ronda strich Wiol über den Kopf. ,,Das hat so toll ausgesehen. Macht es Spaß?" Fragte sie leise, ohne zu mir hochzusehen.

,,Sicher. Würdest du gerne mal reiten wollen?"

,,Gewiss! Und ich verstehe nicht warum ich es nicht darf. Kailan reitet ständig und Vater selber doch auch! Sogar meine Mutter durfte reiten, aber ich nicht! Das ist nicht gerecht!"

TialdaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt