Mütter (13)

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Die Hände auf Rondras Schultern gelegt bugsierte ich sie vor mir die Treppe hinunter. Es war etwas früher am Morgen als üblich, doch das war mir grade recht.

,,Mein Lippenstift ist verschmiert," beschwerte sie sich, als sie im Vorbeigehen ihr Spiegelbild in einer kunstvollen, buntgläsernen Fensterscheibe sah. ,,Und der Kohlestift ist viel zu dick! Hast du ihn im Dunkeln gezeichnet? Er lässt meine Augen aussehen, wie die großen schwarzen Kulleraugen einer Kuh!"

Kühe hatten meiner Ansicht nach wunderschöne Augen, doch Rondra hatte nicht ganz Unrecht. Seufzend blieb ich stehen, und korrigierte die dicken Streifen um ihre Augen und das verwischte Rot ihrer Lippen notdürftig mit dem Finger. Es handelte sich in der Tat nicht um meine beste Arbeit, doch Schminke war immer noch neu für mich. Da wo ich herkam, war sie schwer zu beschaffen und etwas womit sich der Großteil der Leute nicht aufhielt.

,,So, nun ist es schon besser." Ich lächelte ihr zu.

Wir erreichten das Erdgeschoss und ich hörte entfernte Stimmen aus der Küche, die mich den Kopf recken ließen. Es mussten Kailan und Schotiji sein!

,,Geh und setz dich schon einmal an den Frühstückstisch, Herrin," schickte ich Rondra von mir. ,,Ich werde nach Schotiji sehen und mit ihr nachkommen."

Sie brummelte etwas, warf mit einer unwirschen Bewegung ihren Zopf herum und lief weiter zum Speisesaal. Ich dagegen nährte mich mit klopfendem Herzen der Küche, die unter einem weiteren kleineren Treppenabsatz lag.

Die Tür war angelehnt und ich hörte Kailans Stimme auch aus der Entfernung deutlich, da sie aufgebrachter und lauter klang, als ich sie je zuvor gehört hatte.

,,Du tust ihr völlig Unrecht!" Er schien nur mit Mühe seinen Ärger zurückhalten zu können. ,,Ich hätte angenommen, du wärst besser als so vorschnell über einen Menschen zu urteilen."

,,Ich urteile nicht, ich sehe nur die Wahrheit, vor der du und dein Vater die Augen verschließen wollen, wie es scheint." Schotijis Stimme klang beherrscht, doch hatte einen hässlichen höhnischen Klang angenommen, der etwas in mir zerbrach. ,,Ich traue diesem Mädchen nicht über den Weg! Dein ehrwürdiger Vater war stets so bedachtsam, so vorsichtig, damit wen er in dieses Haus lässt, doch nun bringt er ohne weiteres diese Fremde mit, noch dazu eine Ausländerin, und sie soll mir zur Hand gehen, obwohl sie in ihrem ganzem Leben noch nie einen Herd bedient oder einen Haushalt geführt hat?!?"

,,Wenn das so ist, dann hilf ihr," warf Kailan ein. ,,Zeige ihr, was sie tun soll und das wird sie tun. Nicht mehr und nicht weniger."

,,Da liegt nicht das Problem, Herr."

,,Wo liegt es denn dann? Deine Worte sind reichlich wirr."

,,Mir kam von Salim zu Ohren, dass sie aus einem Bordell kommt." Schotiji atmete heftig aus. ,,Bitte, was, Herr, soll ich denn denken? Ich bin besorgt! Ich denke, sie hat sich hier eingeschlichen und verfolgt einem ganz perfiden Plan, sich in das Herz des Herrn zu stehlen und Zugang zu eurem Geld zu gewinnen. Womöglich ist sie längst seine heimliche Geliebte!"

,,Stopp." Kailans Stimme war nicht laut, doch so eisig, dass ich unwillkürlich einen Schritt zurücktrat. ,,Hüte deine Zunge. Du hast dich in diesem Gespräch schon außerhalb der Grenze des Akzeptablen bewegt, doch diesmal gehst du eindeutig zu weit! Ich werde es mir nicht weiter anhören. Tialda ist ebenso wenig hinter dem Herz meines Vaters her, wie hinter seinem Geld. Allein der Gedanke ist völlig absurd, sie ist in meinem Alter oder jünger!"

Schotiji ließ nicht nach. ,,Weswegen hat er sie denn dann sonst zu sich geholt? Weshalb ein Mädchen aus einem Bordell? Ich sage, sie muss ihn verführt haben. Weshalb sonst sollte der Herr-"

TialdaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt