Morgen Grauen (5)

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,,Also, was tun wir jetzt?" Fragte ich Kailan nach einer Weile, in der niemand von uns geredet hatte. Meine Stimme war, selbst in diesem stillen Raum, kaum hörbar.

Er hatte sich ganz an das andere Ende des Raumes zurückgezogen, doch etwas ängstlich war ich immer noch. Was, wenn er mir bloß ein Gefühl falscher Sicherheit vermitteln wollte? Es waren nur wir zwei hier und er hatte gezahlt. Viel gezahlt.

Er zuckte mit den Schultern. ,,Ich habe dich bis zum Ende dieser Nacht gekauft. Die Tür ist verschlossen. Es scheint so, als könnten wir nichts weiter tun als den Morgen abzuwarten."

,,Und was machen wir bis zum Morgen?"

Er schloß und öffnete seine Augen langsam. Die Spitzen seiner Wimpern streiften seine Brauen. ,,Schlafen."

In einer fließenden Bewegung erhob er sich und ließ sich auf dem Rand der, an der Wand stehenden, Liege nieder. Er zog ein Bein an und begann seine Sandalen aufzuschnüren. ,,Bist du nicht müde?" Abwartend sah er zu mir, die immernoch auf dem Boden saß.

,,Ich denke, ich werde hier auf dem Boden schlafen," murmelte ich und senkte die Lider. Natürlich war ich müde, wie könnte ich nach den Erlebnissen heute und der letzten Tage nicht müde sein, doch ich würde nicht alleine neben einem fremden Jungen schlafen. Niemals!

,,Nun gut. Das ist dir überlassen. Aber dann lass mich dir wenigstens die Polster geben." Er räumte die Polsterungen von der Liege und schob sie zu mir.

Ich verzichtete darauf, nach ihnen zu greifen. ,,Nicht nötig. Behalt sie."

,,Der Boden ist hart, du solltest sie nehmen."

,,Ich möchte sie aber nicht," lehnte ich ab.

Seinen Gefallen und gespielte Freundlichkeit wollte ich nicht. Wenn er dachte, ich würde mich deswegen umentscheiden und ihn doch heute Nacht tun lassen wofür er gezahlt hatte, dann lag er falsch.

,,Wenn das so ist, dann schlaf du auf der Liege." Er schichtete die Polsterung wieder auf und erhob sich. ,,Ich werde auf dem Boden schlafen."

,,Nein." Ich blieb wo ich war.

,,Nun gut. Dann schläft wohl keiner von uns auf der Liege." Seine Stimme nahm wieder einen spöttischen Tonfall an. ,,Doch bedenke: Du hast durch mich bereits blaue Flecken an den Armen, wenn du auf dem harten Boden schläfst, dann werden es vielleicht noch mehr."

Ich fixierte ihn finster. Worauf wollte er hinaus?

,,Wer weiß, ob deine nächsten Kunden dann den vollen Preis zahlen werden?"

Erbost wollte ich etwas sagen, aber ließ es bleiben. Seine dunklen Augen schienen mich auszulachen.

Beleidigt erhob ich mich, um die Öllampe an der Wand zu löschen. Das hätte ich schon früher tun sollen, denn nun hatte er es schwer mich im Raum zu finden. Es war völlig finster.
Befriedigt rollte ich mich auf dem Boden zusammen, bis meine Knie fast meine Stirn berührten. Mein Bruder hatte mich früher immer mit meiner Art zu schlafen aufgezogen. ,,Vater, Mutter, schaut doch. Tialda schläft wie ein Tier, wie ein Waschbär oder ein Fuchs."
Mir war als hörte ich seine helle Stimme direkt neben mir in der Finsternis. Ich hatte wahnsinnige Angst davor ihren Klang zu vergessen, doch jede Erinnerung an ihn erfüllte mich mit Trauer. ,,Vielleicht ist sie ja eins." Hörte ich meinen Vater lachen. Meine Mutter hatte ihn dann immer in die Seite gestoßen. ,,Lasst Tialda doch! Wenn sie so schläft schirmt sie ihren Körper vor Alpträumen ab."

,,Wie heißt du eigentlich wirklich?" Fragte Kailan von der anderen Seite des Raumes und riss mich aus meinen Erinnerungen. ,,Der Name, den du am Tisch genannt hast, war falsch."

TialdaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt