Salim (18)

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,,Das hat gedauert," sagte Kailan schmunzelnd, als ich mich endlich zu ihm an den Zaun gesellte.

Ail hatte sich, nach einigen weiteren Anekdoten aus seinem Leben, verabschiedet um die Boxen auszumisten. Der Höflichkeit halber hatte ich ihm meine Hilfe angeboten, doch er hatte entsetzt erwidert das sei doch keine Arbeit für eine junge Frau. Darüber hinaus pflegte er bei der Arbeit zu singen und das wolle er keinem Menschen, der Ohren hatte, und auch keinem Menschen, der keine Ohren hatte, zumuten. Um diese Aussage zu unterstreichen hatte er mir sogleich ein Ständchen gesungen und mir mit seiner Singstimme recht gut verdeutlicht, was er meinte. Die jetzige Stille, nur gefüllt von dem sanften Zirpen der Grillen und Kailans Worten, war eine Wohltat.

,,In der Tat, das hat es." Ich atmete aus. ,,Er hat mir, neben vielem anderen, erzählt, dass er die Herrin nicht ausstehen konnte, und er und Salim einen boshaften Spitznamen für sie hatten."

,,Der da wäre?"

,,Das tut nichts zur Sache." Ich wollte nicht wiedergeben, wie Ail über eine tote Frau gesprochen hatte. Es erschien mir nicht gerecht. Sie war weder da, um sich zu verteidigen, noch um mich eines Besseren zu belehren.

Kailan ließ es darauf beruhen, aber hakte nach: ,,War er sehr gemein?"

,,Ziemlich."

Gedankenversunken betrachtete ich die Pferde.

Jedes Tier auf der Welt war in meinen Augen schön, doch ich hatte noch nie so prächtige Pferde gesehen. Die, die ich von Zuhause kannte, waren schwer und kräftig, mit Massen an Fesselbehang und breiten muskulösen Rücken. Neben dem Reiten und dem Ziehen von Karren wurden sie gezüchtet um gefällte Bäume zu transportieren, die sie hinter sich her über den Waldboden zogen, als wögen sie nicht mehr als Streichhölzer. Im Vergleich zu ihnen, wirkten der Schimmel und die Rappen von Kailans Familie wie eine andere Spezies. Geschmeidig, anmutig, dynamisch. Jeder Millimeter war wie aus feinstem Holz und von Meisterhand geschnitzt.

Kailan holte mich aus meinen Gedanken. ,,Und das ist alles, was er dir erzählt hat?"

,,Alles relevante, ja." Ich beugte mich vor, um Wiol den Hals zu tätscheln. ,,Ansonsten hat er mir nur seine Sicht vom Tag der Entführung geschildert, doch da war er die meiste Zeit bewusstlos und erinnert sich an nichts, was den Mörder betreffen könnte."

,,Mmh." Kailan seufzte. ,,Trotzdem, gute Arbeit deinerseits. Das ist mehr, als er jemals mir erzählt hat." Er grinste. ,,Mich mag er allerdings auch nicht. Ich glaube, er findet mich aufgeblasen."

,,So ein Unsinn, das bist du nicht." Ich senkte den Blick und ließ einen der Rappen an mir schnuppern, strich leicht über seine samtweichen Nüstern. Es war gut, dass die Pferde bei uns waren, sonst hätte ich nicht gewusst wohin mit meinen Blicken und Händen. Seit heute Morgen war es schier ein Ding der Unmöglichkeit für mich, Kailan in die Augen zu sehen.

,,Danke." Er betrachtete mich eingehend von der Seite. ,,Wollen wir einen Spaziergang machen?"

,,Ich dachte, wir wollten zu Salim?"

,,Richtig, und das lässt sich unschwer mit einem Spaziergang durch den Garten vereinen," erwiderte er verschmitzt. ,,Ich wüsste nämlich nicht, wo man Salim sonst auffinden sollte."

Ich zögerte. ,,Er wird sich wundern mich ganz alleine mit dir zu sehen."

,,Dann soll er sich wundern."

Ich drehte mich weg. Verstand Kailan denn nicht? ,,Es wird ihm merkwürdig vorkommen. Was soll ich ihm antworten, wenn er fragt weshalb?"

,,Salim ist nicht wirklich eine Person, die übermäßige Fragen stellt."

TialdaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt