Neue Klasse

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Montag:

Punkt 5 Uhr klingelt dieses Drecksteil welches mich aus meiner Lieblingsposition, dem Liegen, riss. Mit einer schnellen Bewegung raste meine Hand zu dem Wecker und schaltete ihn aus. Die Augen immer noch geschlossen grinste ich ins Kissen als der Ton verstummte und endlich wieder Ruhe einkehrte. Ich wusste das ich nicht ums Aufstehen drum rum kam, wollte aber dennoch wieder in meinen Traum zurück.

Quälend langsam stieg ich also aus dem Bett, machte mich fertig und zog mich an. Mit Handy und Schultasche bewaffnet stieg ich die Treppen runter in die Küche um mich mit einem Kaffee an den Küchentresen zu setzen und durch die ganzen sozialen Netzwerke zu scrollen. Meine Mutter war mal wieder beruflich unterwegs und somit war ich alleine zuhause. Nicht das es mich stören würde, aber alleine in einem Haus zu wohnen ist ein Gefühl von Einsamkeit welches ich niemanden wünsche.

Seufzend packte ich mein Bento in die Tasche, zog mir Schuhe und Jacke an und verließ das Haus. Auf dem Weg zur Schule hörte ich wie immer Musik und schaute durch die Gegend die noch nicht so überfüllt mit Leuten war. Ich ging immer recht früh zur Schule damit ich auch bloß meine Ruhe hatte. Mein gewohnter Gang endete vor dem riesigen Gebäude welches sich vor mir erstreckte. Die Shiratorizawa Academia. Ich verband viele Erinnerungen mit ihr, sowohl gute als auch schlechte. Dennoch hatte ich heute ein blödes Gefühl in der Magengegend welches ich aber ignorierte. Mit dem To-Go-Becher voller Kaffee den ich mir zuhause noch schnell gemacht hatte lief ich über das Gelände und ins Gebäude wo mich meine Füße zur Klassen trugen. Erst kurz vor dem Klassenzimmer hielt ich an... *Ab heute bin ich ja in einer anderen Klasse... Mal sehen wie es wird*
Das Klassenzimner war schon offen und ich setzte mich in die vorletzte Reihe, ließ meinen Rucksack neben mir auf den Boden plumpsen und schaltete meine Musik aus.
Langsam kamen auch die anderen Schüler und schauten mich immer wieder mit komischen Blicken an, dennoch sprach mich keiner an. Als auch der Lehrer den Raum betrat, stand ich auf, lief nach vorne und meldete mich bei ihm. Er wusste schon von meinem Wechsel und nickte, worauf ich mich wieder auf meinen Platz setzte. Jedoch merkte ich nicht, daß jemand das Klassenzimmer betrat als ich mit dem Rücken der Tür zugewandt zum Platz lief. Ich setzte mich grade hin als neben mir auf einmal etwas rotes erschien. Ich erschrak und lies ein leises quiken los als mein Kopf in die Richtung schnellte. Mit unregelmäßiger Atmung und hektischen Bewegungen saß ein großer Junge neben mir. Sein rotes Haar schimmerte in der Sonne die durch das Fenster neben ihm strahlte. Sein Gesichtsausdruck gleichgültig, doch mit gehetztem Blick. Ja, es war eindeutig Satori Tendou. Ich hatte irgendwann nicht mehr mitgezählt wie viele Gerüchte ich über ihn gehört hatte. Alle nannten ihn Monster oder behaupteten in ihm würde ein Dämon wohnen. Er war zwar ein sehr guter Mittelblocker in unserer Volleyball Mannschaft und sein Team konnte sich voll auf ihn verlassen, aber außerhalb des Spielfeldes wurde er nichtmal richtig beachtet. Jeder mied seinen Blick und machte einen Bogen um ihn was ich persönlich für übertrieben hielt.
Schon öfters hatte ich ihn auf dem Hof oder bei nem Spiel gesehen, aber nie hatte ich das Bedürfnis ihn zu missachten.
Missverstanden... Ja, dieses Wort passte zu ihm.

Meine Augen folgten seinem Blick und landeten auf dem Lehrer der grade dabei war Blätter zu ordnen. Ich lehnte mich leicht zu ihm und sagte grinsend "Ich glaub, er hat es nicht bemerkt das du zu spät rein gekommen bist."
Nun drehte er sich zu mir, legte den Kopf schief und starrte mich an. Das machte er immer wenn er angesehen wurde, soviel wusste ich. Immer noch grinsend schaute ich ihn weiter an und hielt somit seinen Blick stand. "Meinst du?" erklang seine Stimme in meinen Ohren und ich bekam eine Gänsehaut. Seine Stimme war ruhig und angenehm, anders als ich sie mir vorgestellt hatte. Ich nickte und schaute wieder nach vorne da der Lehrer mit dem Unterricht begann. Die ersten Stunden verliefen ganz gut, er teilte der Klasse mit das ich nun bei Ihnen war und fing danach sofort an über Sachen zu sprechen die ich nicht verstand. Ich war zwar gut in der Schule, hatte aber dennoch meine Probleme mit neuen Themen.
In den Pausen verbrachte ich meine Zeit mit meinen drei Freundinnen Mina, Yuna und Leya. Sie waren die einzigen Personen an der Schule die ich mochte. Klar, ich kam mit jedem so gut es ging zurecht, musste mich dafür aber extrem verstellen. Nur bei den dreien konnte ich so sein wie ich wollte.

Mit unseren Bentos setzten wir uns in die Mensa und schon begann die Fragerei.
Mina "Und, wie ist die Klasse Shiro-chan?"
Ich seufzte laut und antwortete "Keine Ahnung, hab noch mit keinem geredet". Für mich war das Thema durch, aber Mina war neugierig. "Bist du jetzt nicht in der Klasse in dem das Monster ist?" fragte sie und fuchtelte mit ihren Stäbchen rum um ihre Frage zu untermalen. "Ja, ich sitze neben ihm. Und nenn ihn nicht so, er hat einen Namen." ermahnte ich sie. Ich mochte es nicht wenn sie so von ihm redeten, sie sollten sich doch erstmal selber ein Bild machen. "Jaja, die Menschlichkeit-Polizei schlägt wieder zu!" grinste sie und legte ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihr Bento.

Menschlichkeit war mir sehr wichtig, schon immer. Ich konnte es nicht ertragen wenn sich jemand falsch verhielt und meint damit noch was besseres zu sein. Sowas kotzt mich an...

Nachdem die Pause zuende war, ging ich ins Klassenzimmer und setzte mich wieder auf den Platz. Als ein paar Minuten vergangen sind und alle Schüler anwesend waren wurde uns von einem anderen Lehrer erklärt, das wir freies Lernen hatten und so steckte ich mir einen Stöpsel meiner Kopfhörer ins Ohr und machte mir Musik an als der Lehrer verschwand.
Mit aufgeschlagenem Buch und einem wackelnden Stift in der Hand saß ich da und kapiert nichts. Wie konnte mich eine Aufgabe so verzweifeln lassen?! Ich überlegte grade alles über den Haufen zu werfen und einfach Stripperin zu werden als der Rotschopf sich von links zu mir beugte und auf mein Heft schielte. Sofort hörte ich mit dem Stift auf zu wackeln und beobachtete Tendou der mit zusammen gekniffenen Augenbrauen die Aufgabe musterte. Ich musste innerlich kichern da der Ausdruck auf seinem Gesicht schon komisch aussah. Nach ein paar Sekunden hob er seine Hand und zeigte auf eine Stelle der Aufgabe. "Da!" sagte er und ich lehnte mich nach vorne um zu sehen was er meinte. Und dann sah ich es. Den Fehler den ich nicht gefunden hatte. Er hatte ihn nach ein paar Sekunden einfach so gefunden und half mir. Also, die anderen können mir erzählen was sie wollen, aber das hätte kein Monster gemacht. "Oh, tatsächlich. Ich danke dir, Tendou-kun." grinste ich ihn an. Seine Hand verschwand von meinem Heft, aber seine Augen wanderten rauf und blieben auf meinen Augen liegen. Nun war ich dran den Kopf zur Seite zu legen. Zu meiner Überraschung legte er seinen ebenfalls schief und ich musste an eine hypnotisierte Schlange denken die ihrem flötenden Herren jede Bewegung nachahmte. Als ich dann den Blick von Tendou sah musste ich laut los lachen. Alle zuckten zusammen und starrten mich an. Mein Blick huschte über die Gesichter der anderen und ich erstummte sofort um einen normalen Gesichtsausdruck zu bekommen. Als sie sich wieder ihren Aufgaben widmeten drehte ich mich wieder zu Tendou der mich nun etwas verwirrt ansah. "Unsere Reaktion grade war zu witzig, entschuldige bitte." sagte ich kichernd und sein Ausdruck wurde wieder normal bevor er seinen Blick wieder auf sein Heft richtete. "Oder hast du mich ausgelacht?" fragte er leise, so das nur ich ihn hören konnte. "Nein, wirklich nicht." sagte ich leise und sah zu ihm. Sein Gesicht war wieder mit diesem gleichgültigen Ausdruck geschmückt, wurde aber mit jeder Sekunde die verging weicher. Ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen und so konzentrierten wir uns wieder auf unsere Aufgaben.

Ja... Missverstanden...

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Den restlichen Schultag verbrachte ich damit dem Unterricht zu folgen und ging nach Schulschluss direkt nach Hause. Da meine Mutter sowieso nicht da war, schlenderte ich etwas und genoss die Musik während die Sonne ihre letzten Strahlen auf meinem Gesicht legte. Die neue Klasse schien mich nicht sonderlich zu beachten, was mir aber ziemlich entgegen kam. Ich wusste, das mein Charakter am Anfang sprunghaft und arrogant wirken konnte. Sah man allerdings genauer hin, merkte man das ich eigentlich lieb und schüchtern war.
Zuhause angekommen machte ich mir was zu essen und ließ mich mit meinem Schulheft an dem Schreibtisch nieder. Leise dröhnte die Musik aus der Anlage in mein Ohr und ich konzentrierte mich vollkommen auf die Aufgaben. Nach einigen Stunden und einige zerknüllte Blätter später schaute ich völlig erschöpft auf die Uhr und erschrak. 23:20 Uhr, ich muss schleunigst ins Bett. Mit geputzten Zähnen und Schlafklamotten stieg ich unter die Decke und ließ nochmal den Tag revue passieren während ich die Augen schloss.

Tendou Satori x Oc ~Endlich Zuhause~Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt