Shiro's Sicht
Ich hatte mich den ganzen Tag schon von der Couch, ins Bett und in die Küche geschleppt. Mir tat der ganze Körper weh, als hätte ich tagelang ununterbrochen Sport getrieben. Meine Knochen schrien bei jeder Bewegung und meine Haut fühlte sich kalt an. Mein Gesicht war dauerhaft gerötet vom weinen und ich musste wirklich wie ein Zombie aussehen. Kurzum, mir ging es garnicht gut. Dazu kam das mit Satori was mir keine Ruhe ließ. Ich vermisste ihn so sehr das mein Herz schmerzte was deutlich schlimmer war als der Schmerz meiner Glieder. Grade, als ich mit einer Tasse Tee auf der Couch saß klingelte es an der Haustür. Verdutzt drehte ich den Kopf in die Richtung, erwartete doch eigentlich keinen Besuch. Ich stellte die Tasse ab, lief zur Tür und machte sie auf. Was da vor mir stand, hatte ich nicht erwartet. Wakatoshi in voller Größe, hinter ihm, ein zu Boden schauender Satori.
"Was ist los?" bedrückt sah ich zu den beiden und als meine Stimme die Ohren von Satori traf, schnellte sein Kopf hoch und sah mich an. Wakatoshi trat einen Schritt zur Seite, drückte Satori mir entgegen und brummte "Er gehört dir. Ihr müsst euch unterhalten!"
Mit den Worten drehte er sich um und ging. Zurück blieben Satori und ich die ihm noch kurz hinterher sahen bis sich unsere Blicke trafen. Seine Augen waren glasig und sein Blick bat mich stumm um Vergebung.
Ich trat einen Schritt zur Seite und er verstand was er tun sollte. Langsam trottete er ins Haus, zog die Schuhe aus und hing die Jacke an den Haken. Ich lief an ihm vorbei ins Wohnzimmer und setzte mich wieder auf die Couch.
"Jetzt komm schon her!" befahl ich ihm als er im Türrahmen vom Wohnzimmer stehen blieb und klopfte neben mich. Wie ein kleiner Junge der Mist gebaut hatte lief er zu mir, den Blick gesenkt, und setzte sich hin. Ich war froh das er da war und ich war froh das Wakatoshi ihn her gebracht hatte. Er sah nicht gut aus. Seiner Haltung nach zu urteilen ging es ihm mehr als scheiße und ich hatte das Bedürfnis ihm zu helfen. Egal was da zwischen uns war, er war immer noch mein Freund und ich liebte ihn nach wie vor. Seine Abwesenheit hatte meinen Gefühlen keinen Abbruch getan, es hatte mir lediglich gezeigt, wie stark sie waren.
Ein leises Murmeln kam von ihm was ich aber nicht verstand. Er legte seine Hände auf sein Gesicht und ich sah wie er zitterte. Wenn mein Herz vorher schon schmerzte, war es nun sein Anblick der mich fast umbrachte. Ich konnte ihn nicht so sehen, ich wollte ihn nicht so sehen.
Langsam hob ich meine Hände und legte sie ihm an die Handgelenke. Er zuckte, senkte aber seine Hände als ich leicht Druck ausübte. Braune Augen suchten die roten, so, wie sie es immer taten. Und sie fanden sich, jedes Augenpaar sehnsüchtig nach dem anderen lächzend. Er hatte Tränen in den Augen. Ich wollte ihn fragen wieso er mir gegenüber so war. Wieso er mich aus seinem Leben entfernt hatte. Aber in diesem Moment, wo er wieder stumm alle Karten auf den Tisch gelegt hatte, umarmte ich ihn. Ich zog ihn so eng an mich das es unmöglich war zu entfliehen. Er vergrub sein Gesicht in meinen Hals, seine Finger krallen sich an die Rückseite meines Shirts und er weinte. Er weinte bitterlich, schrie um Vergebung und drückte mich so feste, das ich kaum Luft bekam. Ich hatte ebenfalls den Kampf gegen meine Tränen verloren und so lagen wir mehrere Minuten lang, Arm in Arm, weinend, auf der Couch bis wir uns beruhigt hatten.
Satori ließ von mir ab um sich die Nase zu putzen während ich etwas aus meiner Tasse trank. Danach hielt ich ihm die Tasse hin. Er nahm sie dankend an und verzog leicht das Gesicht. Ich lächelte, wusste das er keinen kalten Tee mag. Als er die Tasse abstellte legte ich meine Hände an sein Gesicht, zwang ihn, mich anzusehen was er nur widerwillig tat.
"Erzählst du mir jetzt was mit dir los ist?" fragte ich ihn mit so viel Liebe in der Stimme wie es ging. Er wusste, er konnte mir nicht mehr entkommen.
"Es tut mir leid.." Seine Stimme war brüchig und er zitterte am ganzen Körper. Langsam nahm ich meine Hände von seinen Wangen und griff nach seinen Händen. Ich spürte die Wärme und hieß die elektrischen Impulse in meinem Körper herzlich willkommen.
"Was genau?"
Ich wollte ihn nicht bedrängen, wollte ihm Zeit lassen.
"Alles. Ich hab dich ignoriert und dich so scheiße behandelt. Das hast du nicht verdient. Du warst immer für mich da und ich kann es verstehen wenn du mich jetzt hasst. Wenn du dich von mir abwenden willst, akzeptiere ich das. Ich hätte es verdient..." Er sprach leise und sah nun auf unsere Hände die wir ineinander verschränkt hatten.
"Was redest du denn da? Satori, ich mache mir Sorgen um dich. Bitte rede mit mir.." Ich senkte leicht den Kopf um ihn anzusehen. Ihm liefen wieder Tränen übers Gesicht und ich sah wie er verzweifelt nach den passenden Worten suchte. Schließlich..."Shiro, ich... Ich liebe dich... Du gibst mir das Gefühl jemand zu sein auf den man stolz sein kann. Du warst immer an meiner Seite und auch jetzt versuchst du mich zu verstehen anstatt mich zu hassen. Ich hab dich nicht verdient... Du bist so unfassbar schön, bewegst dich so elegant und verzauberst mich mit jedem Lächeln. Deine Berührungen machen mich schwach und deine Worte ermutigen mich zu Dingen die ich mir vorher nichtmal vorgestellt habe. Wenn ich nur an dich denke setzt mein Herz aus und ich bekomme keine Luft mehr. Dabei brauch ich die Luft doch zum überleben... So, wie ich dich brauche um am Leben zu bleiben... "
Mir stockte der Atem. Ich wiederholte seine Worte in meinem Kopf wieder und wieder.
" Sag das nochmal! " meine Stimme war heiser.
Er sah mich nun wieder an, fragend, aber immer noch demütig.
" Bitte sag das nochmal." verlangte ich von ihm.
"Ich liebe dich, Shiro!"
Meine Sicherung brannte aus, mein Kopf war wie leer gefegt und das einzige was ich jetzt noch wollte waren seine Lippen. Mein Kopf schnellte nach vorne bis sich unsere Lippen trafen. In mir explodierte alles. Jede Zelle in mir zerstörte sich und setzte sich wieder zusammen. Mein Magen drehte sich gefühlt vier mal um die eigene Achse und mein Puls war gefährlich schnell. Meine Hände fanden ihren Weg zu seinem Nacken und als er endlich Begriff, was da grade passiert, legte er seine Arme um mich. Er drückte mich an ihn, küsste mich mit so viel Leidenschaft und Liebe wie ich es mir nichtmal zu träumen gewagt hatte. Stumm liefen uns unsere Tränen weiter übers Gesicht bis wir uns kurz trennten und ich meine Stirn gegen seine lehnte. Sein Blick heftet sich wieder an meine Augen, hielten ihm stand und ich war kaum in der Lage zu sprechen. Bis auf die Worte, die ich in den letzten Tagen ständig in meinem Kopf schrie..
"Ich liebe dich, Satori. Ich liebe dich so sehr..."
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Tendou Satori x Oc ~Endlich Zuhause~
FanficSatori Tendou, das Monster der Shiratorizawa... Allein und Missverstanden. Doch für Shiro Akane war er besonders. Sie sah in ihm nie dieses Monster von dem alle sprachen... Wieso verlieren Menschen ihre Menschlichkeit wenn es doch schon im Wort stec...