Am 11. September begleitete ich die Weasleys zum Bahnhof Kings Cross. Dass Sirius in seiner Animagusgestalt mitkam, hielt ich jedoch nicht für halb so gefährlich wie Mad-Eye und all die anderen es offensichtlich taten. Es war gut, dass er mal raus kam, oder sahen sie nicht, wie er litt? Wenn er noch länger in diesem Haus bleiben würde, würde er mit ziemlicher Sicherheit etwas ziemlich Dummes tun, das war klar. Nur schienen die anderen das nicht so recht zu begreifen, abgesehen vielleicht von Tonks.
Nachdem Harry und die anderen weg waren, wurde es jedoch sehr still im Haus. Dauerhafte Besucher gab es außer Remus, Tonks, Molly, Arthur und mir kaum.
Und je länger Sirius im Haus seiner Eltern gefangen war, umso unausstehlicher wurde er. Es wurde so schlimm, dass mir irgendwann der Kragen platzte, als Remus, Tonks, Sirius und ich gerade gemeinsam am Tisch saßen.
"Jetzt reichts aber!; rief ich und sprang auf, nachdem Sirius mal wieder einen äußerst verletzenden Kommentar gegen Remus losgelassen hatte.
Verblüfft starrten die drei mich an. "Kannst du wohl mal dieses bescheuerte Selbstmitleid sein lassen?, fuhr ich Sirius wütend an, "Das ändert auch nichts an deiner Situation, damit vergraulst du nämlich nur die Leute, die dir helfen wollen!
Da sprang auch er auf. "Du hast doch keine Ahnung, wovon du sprichst!, rief er aufgebracht. "Du hast keine Ahnung, wie es ist, eingesperrt zu sein - in diesem Haus!
"Das gibt dir aber noch lange nicht das Recht, jeden wie Dreck zu behandeln!, erwiderte ich wutschnaubend, "Also reiß dich gefälligst mal zusammen!
"Ich hab mich verdammte zwölf Jahre meines Lebens zusammengerissen!, brüllte Sirius, "ZWÖLF VERDAMMTE JAHRE! Ich hab die Schnauze gestrichen voll davon, mich zusammenzureißen!
"Gut, dann wunder dich aber nicht, wenn du irgendwann allein da stehst!, brüllte ich zurück und stürmte aus der Küche.
Ich hatte mich wutschnaubend in Tonks und meinem Zimmer verbarrikadiert. Als Tonks irgendwann vorsichtig hereinkam, tat ich, als würde ich schlafen. Sie versuchte nur einmal, mich anzusprechen, doch als ich nicht antwortete, beließ sie es dabei.
Noch eine ganze Weile lag ich wach im Bett und grübelte. Allmählich bereute ich meine Ausbruch, aber nicht gänzlich. Vielleicht war es nicht ganz richtig gewesen, ihn zu anzuschreien. Immerhin hatte er Fug und Recht, schlecht gelaunt zu sein. Aber musste er es deshalb an allen auslassen, die ihm über den Weg liefen? Noch dazu an seinem besten Freund?
"Nein, definitiv nicht, antwortete ich mir selbst leise. Entschlossen stand ich auf. Schlafen konnte ich im Augenblick sowieso vergessen.
Vorsichtig, um Tonks nicht zu wecken, schlich ich mich aus dem Zimmer nach unten. Dort ließ ich mich am Küchentisch nieder, entzündete die Kerze, die hier stand, und seufzte. Moody hatte definitiv recht - ich handelte ziemlich oft, ohne drüber nachzudenken. Na toll, das hieß dann wohl, ich konnte mir Besuche in diesem Haus fürs Erste abschminken. Und wenn ich doch mal herkommen müsste, würden es wahrscheinlich ziemlich unangenehme Momente sein
Da hörte ich plötzlich, wie jemand sich räusperte. Sofort flog meine Hand zu meinem Zauberstab, der säuberlich in dem Oberschenkelgurt steckte, den Kingsley mir zum Abschluss meiner Ausbildung geschenkt hatte. Doch es war nur Sirius, der mit verschränkten Armen im Türrahmen lehnte und mich musterte.
Beruhigt, aber irgendwie auch mit einem mulmigen Gefühl ließ ich meinen Zauberstab wieder los. "Hallo, sagte er mit dieser leicht rauen Stimme.
"Hi, erwiderte ich, um einen unverfänglichen Tonfall bemüht.
"Kannst wohl auch nicht schlafen, hm?, fragte er, woraufhin ich den Kopf schüttelte. Ein wissendes Nicken von seiner Seite, dann ging er zur Küchenzeile, wo auf einen Wink von ihm Wasser zu brodeln begann. Kurz darauf kam er mit zwei Tassen, aus denen es dampfte, zu mir an den Tisch. Er ließ sich mir gegenüber nieder und schob mir die Tasse hin, aus der es herrlich duftete.
"Tee von Remus, murmelte er, was ich nur mit einem Nicken quittierte. Meine Finger umklammerten die warme Tasse. Ich wusste beim besten Willen nicht, was ich sagen oder wo ich hinschauen sollte. Denn Sirius trug nichts weiter als eine lockere Hose, die eher schlecht als recht auf seinen Hüften hing und ein Hemd, dass er sich wohl nur schnell übergeworfen hatte, denn es stand offen, sodass ich freien Blick auf seinen zugegeben äußerst muskulösen Oberkörper hatte.
Und als ob das nicht genug wäre, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich ebenfalls nicht sonderlich viel mehr trug. Ein ausgeleiertes Top von den Schicksalsschwestern und eine Hotpants waren das einzige, was ich anhatte - abgesehen von dem Zauberstabgurt um meinen Oberschenkel, den ich eigentlich nie ablegte.
Gerade zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie ich mich aus dieser unangenehmen Situation ziehen konnte, als ich Sirius seufzen hörte. "Hey, Lex, hör mal.
Interessiert schaute ich auf. Sirius sah mich mit seinen sturmgrauen Augen zerknirscht an. "Das wegen vorhin Mit dem Streit Das tut mir echt leid. Ich hätte dich nicht so anschreien dürfen.
Aus irgendeinem Grund musste ich grinsen. "Ich dich aber auch nicht. Du hast alles Recht der Welt, total genervt zu sein. Wenn ich hier wohnen müsste und nie raus könnte, dann wäre ich schon längst durchgedreht oder hätte jemandem einen Fluch auf den Hals gehetzt. Da lachte er sein bellendes Lachen.
"Wir sind schon so ein Paar, grinste er, wo ich nur zustimmen konnte.
"Frieden?, fragte ich, ihm die Hand hinhaltend. "Frieden!, stimmte er zu und nahm meine Hand. In genau dem Moment, in dem wir uns berührten, ging die Kerze aus. Ein Luftzug hatte sie ausgeblasen.
"Ach, verdammt, murmelte ich, griff nach meinem Zauberstab und entzündete das dumme Ding wieder. Als ich wieder etwas sehen konnte, merkte ich, wie Sirius mich intensiv betrachtete. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schoss mir die Röte ins Gesicht und ich sprang auf. "Ich geh dann mal schlafen, murmelte ich.
Ich war schon fast aus dem Raum, als mich seine Stimme aufhielt. "Lexi.
"Hm?, fragte ich, mich nur halb umdrehend.
"Danke. Dieser Blick aus seinen sturmgrauen Augen machte mich wahnsinnig. Vor allem als er mich jetzt so ernst ansah.
"Gerne, murmelte ich nur, gar nicht richtig wissend, wofür er sich bedankte und verschwand so schnell wie möglich. Oben in meinem Bett angekommen, pochte mein Herz wie wild. Vor meinen Augen schwebte immer noch Sirius Gesichtsausdruck, als ich die Kerze wieder angezündet hatte. Er hatte so überrascht ausgesehen. Und da war wieder dieses gefährliche Funkeln gewesen, nur diesmal nicht wütend sondern auf eine Art und Weise, die mir Schauer über den Rücken jagten. Schauer, die ich sonst nur bei gewissen anderen Dinge verspürte
Wütend auf mich selbst vergrub ich meinen Kopf in meinem Kissen und knurrte. Merlin, was war hier nur los?
