Die nächsten Wochen beobachtete ich sie aufmerksam und je näher es auf Weihnachten zuging, desto klarer wurde, wie sehr die beiden einander mochten. Jetzt mussten sie es einander nur noch sagen. Je mehr ich von dem bevorstehenden Liebesglück meiner besten Freundin überzeugt war, desto fröhlicher wurde ich. Ich schaffte es sogar, Sirius etwas aufzuheitern, dessen Stimmung mal wieder begann, Richtung Keller zu wandern.
Irgendwann saß ich spätabends über dem Einsatzplan für die nächste Woche - Mit Kingsley, Moody und Tonks zusammen würden ich mehrere Häuser durchsuchen - als sich jemand mir gegenüber niederließ. Als ich aufsah, erblickte ich Sirius, wie er mich mit seinen durchdringend Augen musterte. Mein Herz schlug schon wieder schneller, was ich jedoch darauf zurückführte, dass ich schon lange nicht mehr mit ihm allein in einem Raum gewesen war.
Außerdem trug er schon wieder nur ein offenes Hemd und eine lockere Hose, bei dem jeder Frauenverstand verrückt gespielt hätte.
Immerhin trug ich diesmal mehr als letztes Mal.
"Guten Abend, Sirius, grüßte ich ihn deshalb bemüht unverfänglich, bevor ich mich wieder meinem Plan widmete. Was ich vor allem deshalb tat, weil ich sonst nicht wusste, wo ich hinsehen sollte.
Er erwiderte nichts, sondern sah mir weiterhin schweigend dabei zu, wie ich arbeitete. Doch irgendwann brach er sein Schweigen. "Wieso bist du so gut gelaunt?, fragte er gerade heraus, ja fast schon angriffslustig.
Überrascht blickte ich auf. "Darf ich das etwas nicht?
"Doch, schon, aber so, wie ich dich inzwischen kenne, dürftest du SO eine gute Laune nicht ohne Grund haben, erwiderte er.
Nach kurzem Nachdenken entschloss ich mich, ihm die Wahrheit zu sagen. Ich erzählte ihm, was ich beobachtet hatte, Tonks Reaktion, als ich sie auf das Thema angesprochen hatte, einfach alles. Ich erzählte gut und gerne eine halbe Stunde, die Sirius mir aufmerksam zuhörte. Am Ende schwieg er eine Weile nachdenklich.
"Und du denkst, sie würden gut zusammenpassen?, hakte er nach.
"Soll das ein Scherz sein?, rief ich, "Natürlich passen sie super zusammen! Remus ist der Ruhepol, den Tonks braucht, und Tonks der Ansporn für ihn, nicht dauernd in Selbstmitleid zu versinken.
Sirius grinste. "Stimmt. Aber Remus wird sich bestimmt wegen des Alters Sorgen machen.
Diesen Einwurf wischte ich mit einer Handbewegung zur Seite. "Ach was, so weit sind sie jetzt auch nicht wieder auseinander!
"Zwölf Jahre.
"Na und? Wenn sie sich lieben, ist es doch völlig egal, wie groß der Altersunterschied ist!, rief ich aufgebracht. Erst als ich Sirius Grinsen sah, bemerkte ich, dass er mich nur hatte provozieren wollen.
"Du bist so ein Schuft!, lachte ich und verpasste ihm einen Schlag auf den Arm, was ihn aber nur noch mehr grinsen ließ. "Ich weiß.
Gespielt genervt verdrehte ich die Augen, obwohl mir mehr nach Lachen zumute war. Herausfordernd funkelte ich Sirius an, was er erwiderte. Aber je länger wir uns anschauten, desto mehr schwand das belustigte Grinsen, desto ernster wurden wir und desto intensiver der Blick.
Irgendwann hob Sirius die Hand und strich mir vorsichtig eine meiner widerspenstigen Haarsträhnen hinters Ohr. Mit großen Augen schaute ich ihn an, als er sich langsam zu mir herüberbeugte. In Erwartung eines Kusses schon halb die Augen geschlossen, schreckten wir plötzlich auseinander, als ein lautes Räuspern ertönte.
"Verdammt, hörte ich Sirius murmeln, der sich sofort von mir weglehnte. "Phineas, sagte er. Nichts in seiner Stimme ließ darauf schließen, was gerade fast zwischen uns vorgefallen wäre.
"Ganz recht, ertönte eine hochmütige Stimme. Ich sah einen alten, hochmütig dreinblickenden Zauberer aus eines der Portaits zu uns herabschauen. "Dumbledore schickt mich. Ich soll Potter und seine Weasley-Freunde ankündigen. Potter hat gesehen, wie ein gewisser Arthur Weasley im Mnisterium angegriffen wurde.
Sirius Augen begannen bei Harrys Namen zu strahlen. "Ich freue mich, erwiderte er, womit Phineas Nigellus, ein ehemaliger Schulleiter von Hogwarts, verschwand.
Sirius sprang auf. "Harry kommt!, rief er freudig und lief in den Flur.
Bevor er ihn jedoch erreichte, hielt er inne, drehte sich um und kam zu mir zurück. Eine Hand an meine Wange gelegt, sah er mir tief in die Augen und sagte leise: "Wir holen das nach, okay?
Wie in Trance nickt ich. Er nickte ebenfalls, dann strich er mir flüchtig durch die Haare und verschwand in den Flur, wo kurz darauf der Lärm von mehreren Neuankömmlingen ertönte. Ich hörte, wie die Weasley-Kinder mit Sirius stritten, hörte wie sie einander anschrien. Da stand ich ebenfalls auf und ging zum Flur.
Als die Jungs mich sahen, hielten sie kurz inne. Ich blickte sie ernst an und legte Sirius, der immer noch ziemlich aufgewühlt zu sein schien, eine Hand auf die Schulter.
"Kommt doch erstmal rein und beruhigt euch, sagte ich. "Momentan könnt ihr sowieso noch nicht zu Arthur.
Das schien zu wirken. Die fünf Teenager folgten Sirius und mir in die Küche und setzten sich. Während die sechs über den Vorfall sprachen, kochte ich uns Remus Tee.
Als ich eine Tasse vor Sirius abstellte, lächelte er mich zärtlich an. Aber ich war noch viel zu verwirrt von gerade eben und von den Gefühlen, die auf mich eingestürmt waren.
