Als sie die kleine Lichtung endlich erreicht hatten, stieg Leia's Nervosität um ein Vielfaches.
Soviel hing davon ab, wann sie es endlich schaffen würde, die Kontrolle abzugeben.
Denn dann und nur dann, würde auch sie vielleicht viel stärker und Mächtiger werden. Zumindest behauptete Ash dies. Doch loszulassen, war eigentlich nicht so Leia's Ding. Sie musste immer die Kontrolle beherrschen. Nur heute Morgen, da gab sie sich Ash völlig hin, überließ ihm die Zügel. Bei dem Gedanken an den Kuss, überlief sie ein wohliger Schauer. Ihr Unterleib zuckte in freudiger Erwartung. Die Dämonin in ihr war bereits auf dem Sprung. Sie wollte heraus und Leia ließ es einfach geschehen.„Na heute gehst du aber ran, was", kicherte Lil und sah Leia augenzwinkernd an.
Leia spürte die Hitze in ihren Wangen, wusste jedoch, dass niemand es sehen konnte. Das Lila wich immer mehr dem blau und das gelb schien auch mehr als gestern zu leuchten. Aber mehr war auch nicht zu erkennen. Ihr wuchsen keine Hörner, geschweige denn Schwingen. War sie überhaupt dazu in der Lage? Sie war keine reinblütige Dämonin. Lag es vielleicht daran? War das, was alle sahen, alles was Leia zustande bringen konnte?
„Lass sie Lil, das ist gut so. Lass dich nicht verunsichern kleines. Je mehr du die Dämonin in dir akzeptierst, um so einfacher wird dir vieles gelingen. Außerdem tut sich ja sichtlich etwas, das Lila wird allmählich zu blau", funkelte Ash Lil böse an und bestärkte Leia, nahm ihr so die Unsicherheit.
„Wie gestern kleines. Ich werde dich angreifen und du wirst versuchen, die Angriffe zu parieren oder ihnen auszuweichen", nickte er und innerhalb weniger Sekunden stand Ash in seiner wahren Gestalt vor Leia.
Seine Hand lag noch auf ihrer Wange. Wie kleine Stromstöße pulsierte ihre Haut unter seiner Berührung.
„Ihr seid hier nicht alleine", rief Lil ihnen aus dem Wasser zu.
Umgehend zog Ash seine Hand zurück. Das türkis seiner Augen leuchtete auf wie der hellste Stern am Firmament. Leia wünschte sich, sie wären alleine, doch das waren sie nunmal nicht.
„Du bist gemein, weißt du das Lil", stupste Julie sie an.
„Was? Ich möchte nur nicht dabei zusehen, wie sie wie Barbaren übereinander herfallen", kicherte Lil und verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
„Ich glaube kaum, dass Leia sowas tun würde", wurde Julie nun rot wie eine Tomate.
„Da irrst du dich Schätzchen. Wäre Ash nicht so sehr Gentleman, wäre sie nun keine Jungfrau mehr. Es wundert mich selbst, wie er sich in Beherrschung übt. Gerade er", schnalzte Lil und warf ihre kurzen Haare zurück.
Julie sah Leia erstaunt an. War heute morgen wirklich etwas zwischen den beiden gelaufen? Nicht, dass Julie sich nicht für sie freuen würde. Doch Ash war ein Dämon und soviel sie bereits wussten, würden sich die beiden sehr bald schon nie wieder sehen. Wenn der Tag vorbei war, würde sie Leia fragen. Natürlich wollte Julie alles bis ins kleinste Detail wissen. Die Neugier, wie es wohl war, einen Dämon zu küssen oder als Liebhaber zu haben, gewann bei weitem.
„Bereit", donnerte Ash und hob in die Lüfte ab.
Beeindruckt sah Leia zu ihm auf. Jetzt sah er wirklich wie ein Todesengel aus. Sein glimmen hüllte ihn völlig ein und ließ ihn äußerst mystisch erscheinen.
„Bereit", nickte Leia schwerschluckend.
Leia wusste, dass sie auch heute keine Chance hatte. Im Grunde genommen lief es ab wie gestern. Immer wieder griff Ash sie an und immer wieder endete der Angriff indem sie in seinen Fängen lag. Entweder hielt er sie fest, rang sie zu Boden und einmal hob er sogar mit ihr ab. Heute war es eher spielerisch, nicht so wie gestern. Es bereitete Leia sogar Freude.
Julie fand , dass es beinahe wie ein Tanz aussah, was die beiden ihnen boten. Kurz vor Ende griff Ash erneut an. Wie ein Blitz kam er auf Leia zugeschossen. Grinsend verfolgte sie jede seiner Bewegungen. Julie sah erstaunt, wie Leia's Augen plötzlich stahlblau zu leuchten begannen. Gekonnt wandte sich Leia unter Ash's Schwingen hinweg und gab ihm von hinten einen gewaltigen Stoß. Ash hob erstaunt seine Brauen und wurde mehrere Meter nach vorne geschleudert, verlor das Gleichgewicht und landete in der feuchten Wiese.
Leia war augenblicklich wie erstarrt. So schnell wie diese Kraft plötzlich in ihr wohnte, so schnell verschwand sie genau in diesem Moment wieder. Sorge lag auf ihrem Gesicht und sie lief zu Ash.

DU LIEST GERADE
Die Sieben
FantasíaLeia ist eigentlich ein liebevolles Mädchen, doch das weiß niemand. Seit ihrer Geburt, wird sie von anderen gemieden. Denn Leia ist anders, anders als alle anderen auf dieser Welt. Der einzige Mensch in ihrem Leben ist Susen, ihre Mutter. Welche si...