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Entnervt lief ich in den Raum voller Assassinen hinein, während mir die ganze Zeit Szenarien im Kopf herumschwirrten, wie ich die Vermittlerin am grausamsten töten könnte. Sollte sie sich selbst Körperteile abschneiden und dann langsam und grausam an ihren Wunden verbluten? Oder war es doch besser, wenn ich ihr Blut einfach immer weiter erwärmte, bis sie von innen heraus verbrannte.

„Taiyo", rief mich eine Stimme aus meinen Gedanken. Schnell blickte ich hinauf, um den Jungen zu sehen, dem diese Stimme gehörte. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich lief auf ihn zu und drückte ihn fest an mich. Zögernd erwiderte er meine Umarmung: „Womit habe ich denn das verdient?"

Ich drückte ihn vorsichtig von mir weg, ehe ich gegen seine Stirn schnippste. „Du verdammter Vollidiot hast einen von ihnen einfach so getötet und bist unbeschadet da herausgekommen. Die Spinne will dich mehr als nur tot sehen."

„Aua!" Zerknirscht hielt er sich die Stirn. Seine grauen Augen sahen mich jedoch starr an. Voller Entschlossenheit sprach er die nächsten Worte: „Und ich werde jeden weiteren von ihnen auch umbringen. Sie haben genug Leid angerichtet."

Für einen Moment verkrampften sich meine Innereien. Wollte ich wirklich, dass Feitan tot ist? Selbst wenn, wollte ich ihn doch selbst leiden lassen, oder?

Ich schluckte laut. „Aber einen überlässt du mir, ja? Der kleine mit den schwarzen wuscheligen Haaren. Okay? Bitte versprich mir das! Glaub mir, er ist ein ganz anderes Level als Uvogin.", sprach ich leise zu ihm. Wenn ich erst einmal sein Versprechen hatte, konnte ich mir selbst überlegen, wie ich mit Feitan vorging. Tod oder nicht Tod.

Kurapika nickte, ehe seine Augenbrauen sich verzogen und ein riesiges Fragezeichen in seinem Gesicht stand: „Aber, woher weißt du denn überhaupt". Bevor er überhaupt zu Ende sprechen konnte, unterbrach ich ihn: „Tjaa, mein Lieber, wir haben den selben Informanten." Jetzt verzogen sich auch meine Augenbrauen, während ich meine langen dunkelblonden Haare zu einem Zopf band,: „Aber sag mal, Kurapika, du bist doch wohl nicht etwa einen Eid eingegangen, um die Spinne besiegen zu können, oder?"

Er zuckte bloß mit den Schultern. Das reichte mir als Antwort. Kopfschüttelnd stellte ich mich neben ihn, um die anderen Assassinen zu betrachten. Ich wusste, dass Kurapika versessen darauf war, seinen Clan zu rächen. Aber dass er dafür riskierte, sich selbst in den offenen Tod zu treiben. Er hatte sich zwar stärker gegenüber den Mitgliedern der Spinne gemacht, aber schwächer gegenüber den anderen Gegnern, von denen es mehr als genug gab.

Hätte jemand anderes genauso gehandelt? Höchstwahrscheinlich nicht. Wenn jemand meinen Clan ausgelöscht hätte, würde ich ihnen die Hand reichen und fragen, ob wir beste Freunde sein wollen.

So ungefähr war es doch bei Hisoka gewesen. Der Teufel selbst hatte mir geraten, meine Schwester so schnell wie möglich auszuschalten. Und genau das hatte ich auch getan. Jetzt sind Hisoka und ich beste Freunde.

Merkwürdig, oder? Wie Menschen so unterschiedlich auf ähnliche Situationen reagieren können.

„Warum bist du eigentlich hier, Taiyo?" „Die Vermittlerin meinte, zwei Personen hätten ausdrücklich nach mir verlangt. Ich ahne zwar schon, wer es war. Aber vielleicht irre ich mich auch."

„Und was ist mit deinem üblichen Schal passiert?" „Den habe ich weggeschmissen."

Stille.

Ich hatte in vor lauter Wut direkt in die nächste Mülltonne geschmissen, ehe ich so schnell wie möglich hierher gekommen bin. Ich konnte und wollte mich nicht mehr verstecken. Vor allem aber wollte ich nicht wie Feitan herumgeistern. Seine grauen Augen schienen mich immer noch zu verfolgen. So viel Kälte hatte ich noch nie in ihnen gesehen. Aber was hatte ich auch anderes erwartet?

unstable phantom (Feitan X OC)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt