Kapitel 9

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Der nächste Tag...

Als Michael und ich am Friedhof ankamen, standen schon alle um das große Loch herum. Der Pfarrer, begleitet von zwei Männern, die den Sarg trugen, lief die Stufen der Kirche herab und begab sich zu uns. Langsam wurde die Kiste in die Erde gelassen und dann wieder zu gegraben. Jeder trat ein paar Sekunden vor das Grab und legte eine Calla, die Blume des Todes, auf das Grab. Die ganze Beerdigung über sprach ich kein Wort. Es fühlte sich komisch an. Vater war der König Niras. Nun würde Michael diesen Posten übernehmen. Er würde mit nur 17 Jahren König werden. Ich blickte zu meinem Bruder auf und er sah mich mit traurigen Augen an. Vorsichtig legte ich meine Arme um seine Schultern und drückte ihn an mich. Ich wusste, dass er Angst hatte, als König zu versagen. Doch ich glaubte an ihn. Er hatte die perfekten Eigenschaften für einen König. Geduld, Ruhe, eine Menge an Konzentration und jeder zollte ihm Respekt. Seine Krönung würde morgen erfolgen. Er wird in das alte Schlafzimmer unserer Eltern ziehen und auf deren Balkon die Krone aufs Haupt gesetzt bekommen, während das ganze Dorf von unten zuschauen wird. Und so kam es dann auch. Als ich in sein Zimmer trat, trug er einen langen, roten, Pelzmantel und wieder stand der Pfarrer neben ihm. In dessen Händen hielt er ein dunkles Kissen und auf diesem lag die Krone meines Vaters. Bemitleidend sah er mich an und versuchte mich aufmunternd anzulächeln. Ich nickte nur leicht als Antwort und trat auf meinen Bruder zu. Vorsichtig strich ich ihm über die Wange, so wie Mutter es immer getan hatte und flüsterte: „Du wirst ein guter König sein. Genauso gut wie Vater und vielleicht sogar besser. Du warst sein ganzer Stolz. Sein Thronfolger. Ich bin mir sicher, er wusste, dass du dich gut um sein Königreich kümmern wirst." Michael nickte schwach und küsste meine Stirn. Vorsichtig lehnte ich mich gegen ihn und wieder verließ eine Träne mein Auge, die ich jedoch schnell verdampfen ließ. Es war Michaels Tag und den wollte ich auf keinen Fall versauen. „Wir sollten nun anfangen. Die Bürger warten sicher schon" sagte der Pfarrer und trat mit schnellen Schritten auf den Balkon. Ich schenkte Micha einen letzten Blick, nickte noch einmal kurz aufmunternd und folgte dann dem Pfarrer. Dieser stand links im Eck des Balkons und ich stellte mich auf die rechte Seite, damit die Mitte frei für unseren neuen König war. Dieser stand mit gesenktem Kopf zwischen uns und blickte erst auf, als der Pfarrer begann zu sprechen: „Durch den tragischen Tod von unserem geliebten König George, wird die Krone am heutigen Tage an seinen erstgeborenen Sohn und Thronfolger Michael weitergegeben. So möge er unser Dorf leiten und beschützen und wir alle ihm mit Freude dienen". Nach seiner Rede nahm er die Krone und hielt sie über Michael. Alle sahen gespannt zu, wie er diese heruntersinken ließ, bis er sie auf Michas Kopf absetzte. Die Bürger begannen zu klatschen und zu jubeln und Michael lächelte leicht. Auch ich lächelte und blickte stolz zu meinem Bruder rüber. Unsere Freunde standen in der ersten Reihe und klatschten am lautesten von allen. Nachdem der Pfarrer sich zurückzog und die Krönung beendet war, stürmten sie ins Schloss und umarmten Michael, um ihm zu gratulieren. „Hast du dir diesen Mantel ausgesucht? Der sieht ja grässlich aus" lachte Manuel und Micha kicherte leise. „Nein, den hat der Pfarrer mir mitgebracht. Aber du hast recht, der ist wirklich hässlich" antwortete er, während auch wir anderen begannen zu lachen. „Ich werde morgen unseren Schneider aufsuchen, ich habe schon eine Idee für ein neues Gewand" sagte Micha und striff schnell den Stoff von seinen Schultern. Nach der Krönung gab es noch ein riesiges Festmahl, dass Hildegart heute Morgen schnell zubereitet hatte und danach gab es noch eine große Feier mit Musik und einer von mir und Sebastian vorbereiteten Vorstellung mit den Drachen.  

Der Seelenverwandte (Julien Bam FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt