Wir beiden saßen am Rande der Klippe. Unsere Füße baumelten schon fast hinunter.
Unter uns war die stürmische See. Die Wellen zerschellten an den Felsen und die Sonne am Horizont war kurz davor zu verschwinden.
Wir waren extra hier raus ans Meer gefahren, um zu reden.
"Was ist los?", fragte mein bester Freund mich.
"Ich weiß nicht so ganz, was los ist. Es passiert so viel jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. Es passiert so unglaublich viel", sagte ich wiederum kopfschüttelnd.
"Was liegt dir auf dem Herzen?", fragt mich mein Freund, den ich schon viel zu lange kenne.
Früher waren wir glücklich gewesen. Was wir heute waren, wussten wir schon lange nicht mehr.
"Was liegt mir auf dem Herzen...?", murmelte ich leise vor mich hin.
"Du weißt, dass du mit mir reden kannst, Mann. Ich bin für dich da. Wir sind beste Freunde, okay?!", sagt er.
Ich nickte kurz. "Ich weiß, Mann. Dafür danke ich dir auch."
Wir waren kurz still.
Mein bester Freund schaute mich an.
"Was ist passiert? Zwischen dir und ihr?"
Ich fuhr mir durch die Haare.
"Das ist ne echt gute Frage. Ich weiß nicht, was passiert ist. Eigentlich ist es zwischen uns schon lange kaputt. Weißt du am Anfang hatte ich das Gefühl, sie haucht mir neues Leben ein. Mann, wir waren so verliebt. Und dann nach 3 Monaten ging die ganze Scheisse los. Sie hatte sich so verändert. Sie war nicht mehr das Mädchen, in das ich mich verliebt hatte. Sie war einfach anders, verstehst du?"
Er nickte darauf: "Und dann?"
"Naja. Ich hab mich versucht anzupassen, schließlich liebte ich sie ja immer noch. Scheisse, ich lieb sie auch jetzt noch. Auf jeden Fall wurde sie sehr anstrengend, hat sich halt komplett geändert. Und ich konnte mich nicht in ihr neues 'ich' verlieben. Ich konnte es einfach nicht."
Die Sonne ging unter und es wurde kälter.
"Warum bist du dann bei ihr geblieben?", fragte er mich.
"Ich liebte immer noch ihr altes 'Ich'. Ich konnte meine Gefühle für sie nicht abstellen, obwohl sie scheisse geworden war. Sie war ne echte Zicke geworden. Ich weiß auch nicht...Aber letztendlich hat's einfach nicht mehr funktioniert. Ich dachte immer, sie wär meine Rettung. War sie ja auch, aber sie war auch mein Anker. Hat mich fest am Boden gehalten und ich kam nicht weiter voran. Aber eins musst du wissen: Ich hasse sie nicht. Nein ich liebe sie von ganzem Herzen. Sie ist das tollste Mädchen, was ich kenne, doch sie hat sich verändert. Ich werd's nochmal mit ihr versuchen. Ich werd alles versuchen, um sie zurück zu bekommen. Sie ist meine erste große Liebe gewesen und das bleibt sie auch für immer."
Mein bester Freund nickte und umarmte mich.
"Ich stehe hinter dir, das weißt du ja."
"Danke, Mann."
Wir hörten das Quietschen von Autoreifen auf Asphalt, dann einen Schlag und dann Schritte.
Es war eine Freundin von uns aus der Schule.
"Mann, ich hab euch gesucht, ihr Idioten!", schrie sie.
"Reg dich ab, was is denn los?!", erwiderte mein Freund beunruhigt. Das Mädchen sah extrem verheult aus und ihre Haare waren komplett durcheinander.
"Mann, ihr Idioten. Ihr sitzt hier und genießt euer Leben, während sie stirbt!", brüllte uns an.
"Was?", flüsterte ich.
"Ja! Sie stirbt. Sie ist verdammt nochmal gestorben, du Idiot. SIE IST TOT!", schrie sie und fiel auf die Knie.
"Das kann nicht sein...", murmelte ich, weil ich wusste, dass sie sie meinte. Sie meinte SIE. Meine Freundin, meine große Liebe.
Mein bester Freund starrte unsere Freundin nur entsetzt an. Diese brach wieder in Tränen aus.
"Doch, Mann. Sie ist gestorben...Sie ist nicht mehr hier. Deine Freundin hat sich das Leben genommen", hauchte sie. Und obwohl es so leise war, dröhnte es in meinem Kopf. Es war als ob eine Bombe in meinem Kopf explodierte.
Ich sah ihr schönes Gesicht vor mir, ihre bezaubernden Augen und ihre langen, weichen Haare. Ich hörte ihr Lachen.
"Wie...?", fragte mein Freund leise.
"Sie ist gesprungen", murmelte das Mädchen in ihre Hände.
"Nein, sie würde nie springen, nie", flüsterte ich und dachte daran, wie sie tanzte und wie sie lief und wie sie ging und wie sie rannte. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sie sprang.
"Sie ist gesprungen", wiederholte das Mädchen.
Ich hörte ihre Stimme in meinem Kopf, wie sie mich anschrie.
"Aber", sagte ich und mehr konnte ich nicht sagen, denn ich liebe sie. Ich liebte sie, ich liebe sie und ich werde sie immer lieben. Sie war meine erste Freundin und ist und bleibt meine große Liebe. Die erste Liebe vergisst man doch nie, oder?
"Ich liebe sie", murmelte ich. "Scheisse", murmelte ich.
Dann schrie ich:
"Verdammte Scheisse! Sie ist nicht gesprungen! Sie darf nicht springen! Nein! Sie ist nicht tot! Sie ist bestimmt irgendwo und wartet auf mich!"
Und umso lauter ich schrie, umso mehr merkte ich, dass sie fort war.
Sie war fort. Ich hatte sie gehen lassen. Ich Vollidiot. Ich scheiß Arschloch hatte sie alleine gelassen.
Und ich schrie irgendwas. Ich konnte mich selbst kaum noch hören, weil in mir drin war alles viel lauter. Ich stand auf und rannte davon.
Ich schrie und schrie.
Vielleicht war ich jetzt frei. Ich hatte keinen Anker mehr, der mich am Boden festhielt, der mich am Weitermachen hinderte.
Ich hatte falsch gedacht.
Es war gut gewesen, dass sie mein Anker gewesen war. Sie hatte mich festgehalten, am Boden gehalten.
Jetzt trieb ich als kleine Walnussschale im großen Ozean herum. Die Wellen werden mich tragen, doch nach einer Zeit werde ich untergehen oder ich werde an einer Klippe zerschellen. Ohne sie werde ich das nicht schaffen, dachte ich.
Wie hatte ich sie verlieren können?
Wie, verdammt?
Sie war nicht nur mein Anker, oder mein Fels in der Brandung oder mein Licht im Dunkeln gewesen. Sie war alles für mich gewesen.
Wie hatte ich sie so aus den Augen verloren?
Wie hatte ich es geschafft, sie zu verlieren?
Sie.
Mein Anker.
x selbst geschrieben.
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Overthinking
AcakVollgestopft mit Dingen, die mir durch den Kopf gehen und mit Gefühlen, die ich versuche in Worte auszudrücken. Mein größtes Ziel wäre wohl, irgendjemanden irgendwie zu inspirieren mit meinem Gedankenmüll. Ob das funktioniert, entscheidet ihr. - Di...
