Die Reifen des Busses quietschten und er hielt schon wieder.
Sie seufzte und kaute weiter auf ihrem Kaugummi herum, der schon lange nicht mehr nach Pfefferminze schmeckte.
Er saß neben ihr und wippte mit den Füßen zum Takt eines Lieds, was ihm anscheinend durch den Kopf ging.
Die Leute stiegen ein und aus und der Bus fuhr weiter.
Die Landschaft zog an der dreckigen Scheibe des Busses vorbei und er folgte den vorbeiziehenden Bäumen mit seinen Augen, die so blau waren, wie das Meer bei einem Sonnenuntergang im Spätsommer.
Sie zwang sich nicht zu ihm herüber zu sehen, denn wenn sie ihn einmal ansah, konnte sie nicht mehr weg sehen.
Doch aus dem Augenwinkel sah sie seine starken Hände, die auf seinem Schoß lagen und mit einer Geldmünze spielten.
Die Münze tanzte zwischen seinen Fingern und nun konnte sie nicht mehr weggucken.
Das kleine Tattoo an seinem Handgelenk brachte sie zum Lächeln. Es war einfach nur ein großes X, doch es war so schön und bedeutete so viel mehr als man dachte.
Ihr Blick wanderte hoch zu seinen Armen.
Die Adern an seinen Unterarmen waren deutlich zu sehen und am liebsten wäre sie leicht mit dem Finger über sie gefahren, um sie zu spüren.
Die kleine Narbe, die er sich zugezogen hatte, als er das erste Mal Fahrrad gefahren war, war deutlich zu sehen, obwohl es schon so lange her war.
Sie schmunzelte.
Ihr Blick wanderte höher bis zu seinem Hals.
Die Schlüsselbeine waren zu sehen und sie sah, wie sich seine Brust regelmäßig hob und senkte.
Und letztendlich passierte das, was sie verhindern wollte:
Ihre Augen waren gefesselt von ihm und es gab keine Chance, wegzugucken.
Seine hohen Wangenknochen mochte sie besonders.
Sie waren direkt unter seinen perfekten Augen, die von dunklen Augenringen geziert wurden.
Seine Nase war etwas groß, wenn man genau hinsah.
Das tat sie auch, doch es störte sie kein Stück.
Es war ihr völlig egal, wie er aussah, denn seine Seele und sein Charakter waren so unfassbar wundervoll.
Seine Lippen waren leicht rot und von der Seite sah sie, dass er sie leicht geöffnet hatte.
Wie gerne sie seine Lippen auf ihren spüren würde.
Sie sehnte sich danach, wie er sie ansah mit seinen fast dunkelblauen Augen, die ihr so oft den Weg gezeigt hatten, obwohl sie sich doch in ihnen verloren hatte.
"Hab ich was im Gesicht?", lachte er und sie zuckte zusammen.
Sein Lachen wärmte ihr Herz und ihren ganzen Körper auf wie der Geruch von Tee im kalten Winter oder wie der lauwarme Wind im Frühling.
"Hm?", brachte sie nur heraus und spürte, wie die Röte in ihr Gesicht hervordrang. Wie peinlich, dachte sie.
"Naja, hab ich was im Gesicht oder warum schaust du mich so komisch an?"
Sein Lächeln blitzte ihr entgegen und sie wollte so viel sagen, doch es bildete sich ein Riesen Kloß in ihrem Hals, der sie vom Reden abhielt.
Sie brachte kein Wort raus, obwohl sie es doch wollte.
Sie sah ihn einfach nur weiter an, wie gebannt von ihm.
Und er lachte weiterhin leise, weil er sie nicht verstand.
"Ich versteh dich nicht. Mal bist du total aufgedreht und dann bist du wieder total leise...", sagte er nur und wandte sich wieder der Aussicht aus dem Fenster zu.
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Overthinking
OverigVollgestopft mit Dingen, die mir durch den Kopf gehen und mit Gefühlen, die ich versuche in Worte auszudrücken. Mein größtes Ziel wäre wohl, irgendjemanden irgendwie zu inspirieren mit meinem Gedankenmüll. Ob das funktioniert, entscheidet ihr. - Di...
