Der Park war leer, deshalb sah er sie schon von weitem.
Ihre dunklen Haare verdeckten ihr Gesicht, doch als er schließlich vor ihr stand, strich sie sich die Strähnen aus dem schmalen Gesicht. Ihre dunklen Augen blickten fragend zu ihm auf.
"Lange nicht gesehen", sagte er und setzte sich neben sie.
"Ach", murmelte sie und kramte in ihrer kleinen Tasche.
"Wie geht's dir?", fragt er und schaute den Baum gegenüber an.
Sie setzten sich auf eine alte, morsche Holzbank und sie nickte.
"Ja, gut. Mir geht's gut. Sehr gut sogar."
Früher war es anders gewesen. Früher hatte er die Ironie und den Sarkasmus in ihrem Blick und in ihrer Stimme erkannt. Doch heute sah er nichts mehr in ihr. Sie schien so leer.
"Wirklich?", fragte er.
Sie nahm sich eine Zigarette aus der Schachtel, die sie schon die ganze Zeit gesucht hatte und zündete sie vorsichtig mit einem Feuerzeug an.
"Rauchen ist ungesund", murmelte er und kratzte sich am Hinterkopf.
"Ach", murmelte sie zurück.
"Wie geht's dir?", fragte er wieder.
"Perfekt, wie noch nie. Und dir?"
Er schluckte.
"Auch, natürlich."
"Freut mich."
Peinliche Stille.
"Also...Ich wollte eigentlich wissen, ob alles okay mit dir ist", sagte er und griff nach ihrer kalten Hand.
"Alles super."
"Jetzt hör auf damit, verdammt. Ich weiß, dass es dir nicht perfekt geht und das nicht alles super ist. Also rede mit mir, dafür bin ich hier", forderte er sie auf.
"Vielleicht bin ich einfach nicht für diese Welt gemacht", hauchte sie und ihre Lunge füllte sich mit Rauch.
"Für welche Welt denn sonst?", fragte er.
"Für irgendeine vielleicht. Vielleicht ganz weit weg von hier. Nein, ganz sicher. Ganz sicher ist meine Welt in einer anderen Galaxie."
"Okay...", überlegte er. "Aber warum bist du dann hier?"
"Das ist die Frage. Die große Frage, die ich mir nicht beantworten kann. Also sag's mir. Sag mir warum mach ich das hier alles noch? Warum bin ich noch hier?"
Ihre Augen waren glasig und er drückte ihre Hand. Dann seufzte sie.
"Es tut so weh. Es tut so weh...", sie rieb sich mit einer Hand über ihre in Falten gelegte Stirn.
"Vielleicht bist du hier, um jemanden zu retten", murmelte er.
"Wen denn bitte?", schrie sie laut. Sie stand auf und brüllte durch den leeren Park. Sie schrie sich alles von der Seele, alles was sie so lange bedrückt hatte.
Und dann fiel sie auf die Knie, die Hände vors Gesicht geschlagen, saß sie im Gras und schluchzte leise.
"Wen? Wen sollte ich retten? Sag's mir!", flüsterte sie leise.
Er seufzte und setzte sich neben sie.
"Hey...hör auf zu weinen. Das bringt nichts", sagte er und löste ihre Hände von ihrem Gesicht.
"Nichts macht mehr Sinn. Niemand kann mir sagen, was noch einen Sinn hat. Niemand kann mir sagen, was ich noch hier soll"
Sie warf den Rest ihrer Zigarette so weit weg, wie sie konnte und seufzte.
"Ich kann nicht mehr."
Er nickte stumm.
"Ich glaube, du bist hier, um jemanden zu retten", sagte er zu ihr und sie schaute hoch zu ihm in seine hellen Augen, die trotz dem schlechten Wetter strahlten, wie die Sonne.
"Aber ich kann doch niemanden retten, wenn ich selbst gerettet werden muss."
Er lachte.
"Vielleicht soll es so sein. Dass du gerettet wirst, und dabei jemanden rettest. Vielleicht."
Sie runzelte die Stirn und rupfte ein bisschen Gras aus der Erde, um es dann wegzuwerfen.
"Wie meinst du das?"
Er grinste bitter.
"Ich meine damit, dass ich versuche, dich zu retten. Und glaub mir, dass ich das versuche, gibt meinem Leben einen neuen Sinn."
Sie starrte ihn an und langsam liefen ihr Tränen die Wangen hinunter.
"Du meinst, ich rette dich?", fragte sie. "Wie kann ich dich retten? Wie, wenn ich doch die bin, die hier sitzt und sich trösten lässt? Wie, wenn ich die bin, die kaputt ist?"
Er lächelte und griff nach ihrer Hand. Er stand auf und zog sie mit.
"Ich habe dieses komische Gefühl, wenn ich dich sehe oder dich reden höre. Oder wenn du lachst oder wenn jemand deinen Namen sagt. Ich habe dieses seltsame Gefühl. Keine Schmetterlinge im Bauch, nein. Wenn ich an dich denke, denke ich an alles, was wir erlebt haben, an alles, was du bist und an alles, was ich bin. An alles, was wir sind. Und dann muss ich lächeln, weil du alles bist, was ich habe. Und alles was ich will bist du. Ich will, dass du glücklich bist, mein Engel."
Sie lächelte.
"Vielleicht gehöre ich doch hier her. Vielleicht war ich die ganze Zeit nur blind, das schöne in der Welt zu sehen. Wie dich zum Beispiel. Vielleicht kann ich tatsächlich glücklich sein", sie lächelte übers ganze Gesicht.
"Ich habe dein Lächeln vermisst."
"Ich hab dich vermisst", sagte sie.
Sie schauten sich in die Augen.
"Es würde gar nicht reichen, dir zu sagen, dass ich dich liebe. Weil du das eh schon weißt und weil ich für dich so viel mehr als Liebe empfinde", sagte er ernst und sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.
Sie war so zerbrechlich.
Doch vielleicht konnte er sie heilen. Ja,
Vielleicht konnte er sie heilen.
Vielleicht begannen ihre Wunden schon zu verheilen, wenn er sie nur ansah.
Er war ihr Retter und sie war seine Retterin gewesen.
Vielleicht konnten sie jetzt anfangen zu vergeben und zu vergessen.
Vielleicht konnten sie jetzt endlich anfangen zu leben.
x selbst geschrieben.
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Overthinking
CasualeVollgestopft mit Dingen, die mir durch den Kopf gehen und mit Gefühlen, die ich versuche in Worte auszudrücken. Mein größtes Ziel wäre wohl, irgendjemanden irgendwie zu inspirieren mit meinem Gedankenmüll. Ob das funktioniert, entscheidet ihr. - Di...
