Es war leise im Hause von Ashton. Das sekündliche Schlagen der hölzernen Pendeluhr wurde einzig durch das Kratzen einer Feder unterbrochen. Ein Mann saß an dem Schreibtisch, er schien ganz in seine Arbeit vertieft zu sein. Nicht einmal, als draußen laute Schritte erklangen, sah er auf. Wenig später wurde die Tür mit einem leisen Knarzen geöffnet. Immer noch hob der Mann den Blick nicht.
„Henry, es ist nun schon nach Mitternacht. Es wird Zeit, dass du ins Bett gehst." Die Stimme einer Frau schallte durch den sonst so ruhigen Raum.
Henry ließ sich Zeit, schrieb noch einen Satz zu Ende und schaute erst dann auf. Er lugte auf die Uhr, wie um sich zu versichern, dass sie recht hatte.
„Ich kann die Uhrzeit lesen", gab diese ein wenig empört zurück, offenbar war sie seinem Blick gefolgt. Henry stieß ein leises Seufzen aus, worauf die eben noch strenge Miene der Frau sanft wurde.
„Was ist los?" Ihre Stimme klang liebevoll, als sie um den Arbeitstisch herumtrat, um neben ihrem Mann Platz zu nehmen. Dieser schüttelte nur den Kopf.
„Ich werde nicht um die Reise herumkommen. Mein Cousin hat das Testament unseres Großvaters analysieren lassen. Er ist der Erste in der Erbfolge. Wenn ich meine Anteile an dem Vermögen der von Ashtons behalten möchte, muss ich mit Sorina in die Neue Welt reisen."
Die Gesichtszüge der Frau erstarrten. Sie blinzelte ein paar Mal, dann fragte sie: „Es gibt ganz sicher keinen anderen Weg? Hast auch du das Testament analysieren lassen?" Frustriert nickte Henry.
„Das ist der Grund, warum ich das Stadthaus nicht eingefordert habe. Mein lieber Cousin hätte dann vermutlich eine umfassende Analyse verlangt, und dabei gesehen, dass ich eigentlich keinen Anspruch auf das von Ashton-Vermögen habe. Das Einzige, was uns gehört, ist dieses Anwesen. Aber wenn Sorina und ich die Reise überstehen...", die Finger des Mannes zitterten, als er der Frau liebevoll über die Wange strich, „dann kann ich dir alles geben, was du willst. Wenn wir eine Fläche von zehn Meilen für uns beanspruchen und die Übertragungsurkunde bekommen, habe ich die gleichen Rechte wie mein Cousin. Wir können uns das nicht entgehen lassen! Stell dir nur vor, wie viele Jahrhunderte wir unsere Familie absichern könnten." Die Frau seufzte, dann sah sie ihren Mann an.
„Wenn es die einzige Möglichkeit ist, dann müsst ihr beide wohl bald aufbrechen." Sie lächelte noch einmal, ehe sie mit schnellen Schritten den Raum verließ.
DU LIEST GERADE
Pirate Princess
Historical Fictionabgeschlossen *** Im Jahre 1706 reist Sorina von Ashton, Erbin eines englischen Adelsgeschlechts, mit ihrem Vater nach Amerika. Sie soll sich dort in der neuen Welt einen Namen machen und ihrer Familie Einfluss und Reichtum verschaffen. Jedoch verlä...
