7. Kapitel

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Der starke Wind, welcher mir die Haare ins Gesicht wehte, brannte mir in den Augen. Trotzdem weigerte ich mich, meinen Blick auf etwas anderes als den stürmischen Ozean zu richten. Die Wellen schwappten geräuschvoll auf und ab, Schaukronen und Gischt spritzte durch die Luft. Inzwischen konnte ich ihre Höhe ganz gut einschätzen. Der alte Captain hatte mir jedes Mal, wenn ich an Deck gewesen war, erklärt, wie hoch die Wellen gerade waren und woran er das erkannt hatte. Man musste dabei den Unterschied zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Welle abschätzen. Anfangs war ich darin eine Niete gewesen, inzwischen fiel es mir dank Captain Greyson nicht mehr so schwer. Er hatte mir jedes Mal seine professionelle Einschätzung der Wellenhöhe gegeben, woran ich mich auch jetzt orientierte. So schätzte ich die Wellen auf ungefähr eineinhalb Meter.

Immer wieder hob und senkte sich das Schiff, wodurch ich zur Seite geworfen wurde. Das war jedoch nichts Neues für mich, trotzdem war es nicht gerade angenehm.

Ich konnte nicht genau verstehen, was sie sagte, jedoch brüllte der Captain erneut Befehle gegen den Sturm. Im Gegensatz zu mir schienen die Piraten sehr wohl etwas mit ihren Worten, die man aufgrund des Windes kaum verstehen konnte, anzufangen, denn sie begannen wie verrückt an den Seilen zu ziehen. Nicht, dass das neu für mich war. Oft genug hatte ich die ursprüngliche Crew der Juliet bei der Arbeit beobachtet, das bedeutete jedoch bei Weitem nicht, dass ich verstanden hatte, warum oder wie sie es taten.

Mein Blick blieb an Aiza hängen. Sie koordinierte die gesamte Besatzung so, dass alle Leinen besetzt waren, während jemand am Steuer stand und sie ihre Kommandos gab. Jeder der Männer musste mithelfen. Ich war die einzige Person, die einfach nur herumsitzen konnte. Jedoch hatte ich dadurch, dass man hier mit mir so oder so nichts anfangen konnte, genug Zeit, sie zu beobachten.

Aiza trug ihren Hut und die gleiche Kleidung wie immer. Das Hemd flatterte im Wind und es wunderte mich, dass es noch keinen Riss bekommen hatte. Es war ganz bestimmt nicht das erste Mal, dass sie unter solchen Bedingungen an Deck war. Alle Piraten mussten schon deutlich Schlimmeres als das durchlebt haben. Selbst ich hatte das, und ich war in der Seefahrt vollkommen neu.

Ganz in meinen Gedanken versunken merkte ich nicht, wie sich mir eine Person näherte. Als sich eine Hand auf meinen Oberarm legte, schrie ich erschrocken auf. Glücklicherweise war es nur Aiza, die sich mir von hinten genähert hatte.

"Musst du mich so erschrecken?" Vielleicht war meine Stimme ein wenig zu scharf, jedoch sollte sie nicht denken, dass alles wieder so war wie früher, nur weil sie mich die Nacht nicht in der Zelle verbringen lassen hatte. Als ich heute Morgen in ihrem Bett aufgewacht war, hatte sie die Kabine bereits verlassen. Ich wusste selbst, dass ich ihr das nicht vorwerfen sollte, da sie ja nur Verantwortungsbewusstsein zeigte, jedoch konnte ich nicht verleugnen, dass ich einen Stich im Herzen gespürt hatte, als ich in dem leeren Bett wach geworden war.

Aiza nickte so betreten, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Und sie war im Generellen keine Frau, die schnell ihre Gefühle zeigte. Offenbar schien sie die eisige Stimmung zwischen uns auch zu bedrücken. Fast war ich versucht, ihr zu sagen, dass es in Ordnung war. Dass ich ihr vergab. Nur leider ging das nicht. Ich konnte ihr nicht so leicht verzeihen, nach dem, was sie getan hatte.

Ich stieß ein Seufzen aus. Ich hatte keine Lust, schon wieder darüber nachzudenken. Oder darüber zu sprechen.

Glücklicherweise nahm mir der Captain diese Entscheidung ab, indem sie eine Hand unter mein Kinn legte und es nach oben drückte. So musste ich sie anschauen. Ihre Augen waren wieder geschminkt, was mich nicht überraschte. Allerdings interessierte es mich wirklich, ob sie allen Ernstes mit der Schminke geschlafen hatte. Wer tat denn sowas? Das war schlecht für die Haut beziehungsweise die Augen, und außerdem brannte es höllisch. Diesen Fakt konnte ich sogar durch meine eigene Erfahrung bestätigen.

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