Kapitel 17 - Mrs. Porters Weisheit

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Gedankenverloren blickt Sky aus dem Fenster des kleinen Cafés. Draußen tanzen dicke, weiße Flocken lautlos durch die Luft und legen sich wie eine sanfte Decke auf die schneebedeckten Straßen.
Die letzten Monate waren schön. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, ist es genau das, was sie sich immer gewünscht hat. Wäre da nur nicht dieses eine kleine Hindernis. Dieses beklemmende Gefühl, das sie lähmt und sie davon abhält, einfach auf ihr Herz zu hören.
„Also?“ Meverricks tiefe Stimme holt sie in die Gegenwart zurück.
„Was? Entschuldige, ich war abgelenkt“, antwortet sie hastig und sieht ihn an.
„Der Club ist soweit fertig. Ich würde ihn dir gern vor der Eröffnung zeigen“, wiederholt er geduldig. „Vielleicht hast du heute Abend Zeit für mich?“
Hoffnung schwingt in seiner Stimme mit.
Sky weicht seinem Blick aus.
„Ich schau mal. Ich kann es dir aber nicht versprechen.“
Er nickt, auch wenn er sich eine andere Antwort erhofft hat. Das Verhältnis zwischen ihnen fühlt sich fast an wie früher. Fast. Doch da ist noch eine unsichtbare Barriere, die zwischen ihnen steht—etwas, das sie blockiert. Auch wenn er nicht weiß, was es ist, hat Meverrick sich fest vorgenommen, es zu überwinden.

Ein kurzer Blick auf die Uhr über dem Tresen verrät ihm, dass es Zeit wird zu gehen.
„Ich muss los. Ich habe noch zwei Vorstellungsgespräche.“
Sky hebt überrascht den Kopf.
„Für was denn?“
„Eine Pole-Tänzerin und eine Kellnerin.“
Bei dem Wort Kellnerin verzieht Sky leicht das Gesicht, bevor sie sich wieder in den Griff bekommt.
„Es sind nur Vorstellungsgespräche“, erklärt er mit einem amüsierten Unterton.
„Ich hab nichts gesagt“, verteidigt sie sich schnell, doch das entlockt ihm nur ein kleines Grinsen. Er weiß genau, dass es Eifersucht ist, auch wenn sie das niemals zugeben würde.
Meverrick erhebt sich und schlüpft in seinen Mantel.
„Ich zahle das“, sagt Sky, bevor er nach seiner Brieftasche greifen kann. Ein weiteres Grinsen schleicht sich auf sein Gesicht—sie war ihm wieder einen Schritt voraus.
„Bis dann, mein heißer Teufel.“ Die Betonung auf dem Kosenamen trifft sie wie ein Blitz und lässt ihr Herz schneller schlagen.
Einen Moment lang blickt sie ihm nach, wie er das Café verlässt. Dann seufzt sie und greift nach ihrer Tasse.

„Ach, Schätzchen.“
Die vertraute Stimme von Mrs. Porter reißt sie aus ihren Gedanken. Die ältere Dame setzt sich lächelnd ihr gegenüber.
„Was mache ich nur mit dir?“, fragt Mrs. Porter sanft.
Sky runzelt verwundert die Stirn. „Wie meinen Sie das?“
„Warum machst du es ihm so schwer?“
Seufzend schwenkt Sky den letzten Schluck Kaffee in ihrer Tasse.
„Das will ich gar nicht.“
„Er ist hier, Sky“, sagt die alte Dame eindringlich.
„Er hätte deinen Brief lesen, wegwerfen und weitermachen können, so wie es früher war. Aber das hat er nicht. Er hat alles zurückgelassen, um hier bei dir zu sein.“
Sky sieht aus dem Fenster, aber sie kann den wahren Kern ihrer Worte nicht ignorieren.
„Was ihr habt, ist etwas Besonderes, wirf es nicht weg.“
„Besonders?“ Sky zieht skeptisch die Augenbrauen hoch.
„Sie haben uns doch nur ein paar Mal zusammen gesehen.“
„Das reicht, Schätzchen. Glaub mir.“ Mrs. Porter legt ihre Hand auf Skys. „Es ist dieses Feuer, in das ihr euch verliebt habt, und es ist dieses Feuer, das euch zusammenhält. Ihr zieht euch an wie Magneten. Ganz zu schweigen davon, dass ihr es liebt, euch gegenseitig herauszufordern.“
„Das stimmt doch gar nicht“, protestiert Sky leise, aber das Lächeln auf ihren Lippen verrät sie.
Mrs. Porter schmunzelt und erhebt sich leicht.
„Man sieht, dass ihr euch liebt. Aber man sieht auch, dass du Angst hast.“
Skys Blick wandert schnell zu ihren Händen. Die Hoffnung, ihre Angst verbergen zu können, zerspringt in diesem Moment wie Glas.
„Wovor hast du solche Angst?“, fragt die alte Dame sanft.
Zögernd antwortet Sky: „Dass er ... dass er wieder wegen einer Kleinigkeit alles hinwirft.“ Zum ersten Mal spricht sie ihre Angst laut aus.
Mrs. Porter nickt verständnisvoll. „Glaubst du wirklich, dass er diesen Fehler noch einmal machen würde?“
Sky schüttelt schwach den Kopf. „Nein, aber ...“
„Gib dieser Angst nicht so viel Macht“, unterbricht die alte Dame sie freundlich.
„Ihr könnt die Vergangenheit nicht ändern, aber ihr könnt euch eine wundervolle Zukunft aufbauen. Lass los, was war. Sieh, was du hast, und greif nach dem, was kommen kann.“
Jeder Satz trifft Sky mitten ins Herz. Sie weiß, dass Mrs. Porter recht hat. Mit einem tiefen Atemzug und einem leichten Lächeln nickt sie.
„Sie haben recht“, sagt sie leise.
„Dann ruf Lucy an und mach den ersten Schritt in Richtung Glück.“ Mrs. Porter zwinkert ihr zu und erhebt sich.
Sky folgt ihr, begleicht die Rechnung und zieht ihren schwarzen Mantel über. Draußen wirbelt der Schnee um sie herum, aber diesmal fühlt sich das Gewicht ihrer Sorgen ein wenig leichter an.
„Ich mach es. Versprochen“, flüstert sie zu sich selbst, bevor sie in die eisige, aber hoffnungsvolle Welt hinaustritt.

Open your heart againGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt