Kapitel 14 - Ein Moment, der bleibt

44 18 2
                                        

Die Fahrt ist erfüllt von Leichtigkeit. Sky lehnt sich entspannt in ihren Sitz, ihre Hand liegt auf der Mittelkonsole.
Meverrick legt seine Hand auf ihre. Ihre Finger verknoten sich, als wäre es das Natürlichste der Welt.
„Also, wirst du mir jetzt verraten, wohin du mich entführst?", fragt Sky und blickt ihn herausfordernd an. Ihr Ton ist neugierig, verspielt und entlockt ihm ein Schmunzeln.
„Geduld, Sky."
Seine Stimme war ruhig, aber durchdrungen von einem vertrauten Unterton, der ihr Herz zum stolpern bringt. Eine winzige Spannung liegt in der Luft, zart und doch greifbar. In seinen Worten, schwingt diese sanfte Führung mit. Der Dom, der sie mit Leichtigkeit erschaudern lässt.
Sky zieht die Augenbrauen zusammen, mustert ihn und lässt die Worte auf sich wirken. Die Erinnerung an früher flackert kurz auf, die Art, wie er mit wenigen Worten diese Dynamik zwischen ihnen wach ruft. Sky spürt ein leichtes Kribbeln und lässt es einfach zu.
„Geduld?" Sie neigt den Kopf und ein freches Lächeln legt sich auf ihre Lippen. Sky lässt sich ihre Ungeduld selten anmerken, weshalb sie oft geduldig wirkt.
„Ich glaube, das war noch nie meine Stärke."
Meverrick wirft ihr einen kurzen Seitenblick zu, sein Mundwinkel zucken nach Oben.
„Das weiß ich. Versuch es zu genießen. Du darfst dich einfach fallen lassen. Keine Kontrolle, kein Plan. Nur wir und die kleine Überraschung."
Ihr Herz setzt einen Schlag aus, und die Vorfreude nimmt zu. Diese Mischung aus Sicherheit und Reiz, die sie bei ihm so sehr geschätzt hat, ist wieder da.
„Na gut", gibt sie schließlich flüsternd nach.
„Aber das heißt nicht, dass ich nicht neugierig bin."
„Neugier ist erlaubt."
Sein Daumen streicht sanft über ihren Handrücken.
Die Stadtlichter huschen draußen vorbei, während sie leise lacht.
Die Vorfreude löst erneut ein warmes Kribbeln in ihrem Bauch aus.
In einer dunklen Seitenstraße parkt Meverrick schließlich den Wagen und leutet mit den Worte:,,Es wird dir gefallen", die nächste Überraschung des Abends ein.

Das historische Gewächshaus ist magisch. Die leuchtenden Installationen tauchen die Pflanzen in ein sanftes, farbiges Licht, und Laternen werfen verspielte Schatten auf die Wege.
Überall zwischen den Pflanzen sind Skulpturen und leuchtende Werke versteckt. Sky bleibt immer wieder stehen, ihre Augen weiten sich bei jedem neuen Kunstwerk.
„Das ist atemberaubend", sagt sie leise, während sie eine Installation betrachtet, die wie ein glühender Baum aus Glas wirkt.
„Es passt zu dir", antwortet Meverrick.
„Düster, wunderschön, einzigartig."
Ein überraschend leichtes Lachen kommt Sky über die Lippen.
„Es ist die Wahrheit."
Seine Stimme war leise, beinahe ernst.
Sky spürt, wie seine Hand nach ihrer greift.
Sie sanft umschließt, fast wie eine Frage.
Skys Finger verknoten sich mit seinen, als würde sie schweigend darauf antworten.
Ihre Augen treffen sich, und für einen Moment scheint die Welt um sie herum zu verschwinden. Der Schmerz der Vergangenheit, die Unsicherheiten, die Ängste - alles wird von dem Moment überstrahlt.
Sky möchte etwas sagen, doch kommt kein Wort über ihre Lippen. Stattdessen drückt sie seine Hand leicht.
Gemeinsam gehen sie weiter, bis Sky
vor einer weiteren Installation stehen bleibt. Es ist ein filigraner Engel aus Metall, dessen Flügel mit leuchtenden Kristallen verziert sind. Das Licht bricht sich in den Steinen und wirft funkelnde Muster an die Wände des Gewächshauses. Sie hebt die Hand, fast so, als wolle sie die Figur berühren.
Tut es jedoch nicht.
Meverrick beobachtet sie. Sein Blick ist warm, voller Bewunderung.
„Was denkst du?", fragt er leise.
Sky sieht zu ihm um, ihre hellen Augen leuchten.
„Es fühlt sich an, als ob jedes dieser Werke eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte von Hoffnung und Schmerz, von Schönheit und Zerbrechlichkeit."
Er nickt langsam.
Verliert sich in dem leuchten ihrer Augen.
„Vielleicht erkennst du in den Werken auch etwas von dir."
Sky lacht leise, fast schüchtern, und schüttelt den Kopf.
„Du übertreibst."
Meverrick lächelt sanft, ehe er mit leiser Stimme weiter spricht.
„Ich meine es ernst. Du bist wie das Licht in diesen Skulpturen - stark, aber zugleich sanft. Selbst wenn du nicht perfekt erscheinen magst, ist es genau diese Mischung, die dich einzigartig macht."
Für einen Moment verschlägt es Sky die Sprache. Es sind nicht nur seine Worte, sondern auch die Wärme in seinem Blick, als würde er direkt in ihre Seele sehen.
Wie damals.
Sie wendet sich ab, blickt auf den Engel aus Metall und flüstert: „Manchmal fühle ich mich eher wie das Metall. Kalt, hart, unnachgiebig."
„Aber ohne das Metall gäbe es keinen Engel", erwidert Meverrick sanft.
„Die Stärke des Materials macht die Zerbrechlichkeit des Lichts erst möglich."
Sky dreht sich zu ihm um.
In ihren Augen schimmern Emotionen, die sie nicht in Worte fassen kann.
Sky lässt ihren Blick durch das Gewächshaus schweifen. Sie nimmt die sanften Klänge wahr, die aus versteckten Lautsprechern dringen, das Summen der Natur und die flüchtigen Momente der Kunst. Es ist ein Abend voller Kontraste, wie ein Spiegelbild ihrer selbst.
,,Manchmal fühlt es sich an, als wären wir beide wie Kunst - kompliziert, aber perfekt und unersetzlich."
Meverricks Worte, kaum mehr als ein Flüstern, treffen Sky mitten ins Herz.
Sie stellt sich vor ihn, drückt seine Hand fest. In ihren Augen schimmern Tränen, die deutlich zeigen, wie sehr es sie berührt. „Danke, dass du mich hierhergebracht hast."
„Immer", murmelt er, bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn haucht.
Hand in Hand gehen sie schließlich weiter, bis zu einer kleinen Lichtung. Ein Baum aus Draht und Glas erhebt sich vor ihnen, jeder Ast mit funkelnden, leuchtenden Tropfen behangen. Sky hebt ihre Hand und lässt die Reflexionen über ihre Finger tanzen.
„Es ist wie ein gefrorener Moment", flüstert sie.
„Vielleicht, weil solche Momente ewig bleiben sollten", erwidert er leise.
Sein Daumen streicht langsam über ihren Handrücken, während Sky ihm ein Lächeln schenkt, dass ihm den Atem raubt.
Sie gehen weiter.
Die Verbindung zwischen ihnen deutlich spürbar, während sie durch die dunklen Wege des Gewächshauses gehen. Sie sprechen über die Kunstwerke, über die Geschichten, die die Werke erzählen. Die Art wie sich ihre Blicke treffen, wie sie leicht und gelöst lachen, machen diesen Moment unvergesslich.

Es ist bereits weit nach Mitternacht als Meverricks Wagen vor Skys Haustür hält.
Sie steigen aus und gehen die Stufen zur ihrer Haustür hinauf.
Die Luft ist kühl, doch die Wärme des Abends liegt noch immer in der Luft.
„Danke für den wundervollen Abend", sagt Sky schließlich, mit sanfter Stimme. Sie schaut zu Boden, streicht sich eine Haarsträhne hinter das Ohr.
„Es war wirklich unglaublich schön."
,,Immer wieder gern."
Meverricks Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.
Sein Blick ruht auf ihr.
Ihrem Blick, jeder noch so kleine Bewegung.
Der Mond scheint auf sie hinab und lassen Skys hellen Augen leuchten.

Ein kurzer Moment der Stille. Die Welt scheint stillzustehen, als ob selbst die Zeit für diesen Augenblick den Atem anhält. Sky senkt den Blick, ringt innerlich mit sich selbst. Doch dann hebt sie den Kopf, und ihre Augen leuchten mit einer Mischung aus Mut, Verlangen und einem Hauch Unsicherheit.

Bevor Meverrick etwas sagen kann, legt sie ihre Hände leicht auf seiner Brust. Ihr Herz schlägt schneller, und ehe sie sich weiter von ihren Zweifeln zurückhalten lässt, schließt sie die Augen und küsst ihn. Zart, fast vorsichtig.
Doch binnen weniger Sekunden wird der Kuss intensiver.

Meverrick zieht sie etwas Näher. Bettet seine Hände auf ihrem Hintern und erwidert den Kuss mit einer Leidenschaft, die alles andere überflüssig macht.
Als sie sich schließlich voneinander lösen, lehnt seine Stirn an ihrer.

„Ich... wollte das schon die ganze Nacht tun", flüstert Sky, fast wie ein Geständnis, während sie ihren Kopf hebt und ihn ansieht. Ihre Augen glänzen, und ihre Lippen zittern leicht, als sie lächelt.
Ein echtes, warmes Lächeln, das die Schatten ihres Zweifels vertreibt.

Meverrick schließt den Moment die Augen, sein Herz pocht laut in seiner Brust.
„Und ich habe gehofft, dass du es tust."
Seine Stimme, ein warmes raues Flüstern, während er die Augen öffnet.

Ein kleines Lachen kommt ihr über die Lippen, leise, fast ungläubig. Für einen Augenblick fühlt sich alles leicht an, fast so, als wäre das Gewicht der Vergangenheit von ihnen abgefallen. Sie streicht mit der Hand über seinen Arm, bevor sie sich langsam zurückzieht, die Wärme ihres Kusses noch immer auf ihren Lippen.

„Gute Nacht, Meverrick", sagt sie schließlich leise.
„Gute Nacht, mein heißer Teufel", antwortet er, ein sanftes Lächeln auf den Lippen, während er sie noch einen Augenblick lang ansieht, ehe sie die Tür hinter sich schließt.

Er bleibt stehen, sieht kurz zum Sternenhimmel hinauf.
Er hatte den Abend geplant und am Ende war er schöner, als er es je hätte planen können.
Sky lässt langsam die Mauern, die sie umgeben, schützen, fallen.
Ein Zeichen dafür, dass er es richtig macht.
Das es wirklich einen Neuanfang für sie beide geben kann.
Ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen, als er schließlich die Stufen hinabgeht, in seinen Wagen steigt und in die Nacht verschwindet.

Open your heart againGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt