Kapitel 10 - Passender Moment

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Kaum das die Wohnungstür offen ist, läuft Lilly in ihr Zimmer.
Meverrick hingegen, geht durchs Wohnzimmer, weiter in die Küche.
Sein Jackett hängt er ordentlich über einen Stuhl.
Das gepolter, welches aus Lillys Zimmer schallt, lässt ihn glücklich lächeln.
Hätte man ihm vor einigen Jahren gesagt, dass er Vater von so einem fröhlichen Wirbelwind wird, hätte er die Person für verrückt erklärt.
In seinen Gedanken versunken geht er zum Kühlschrank.
Die Tatsache, dass Lilly nicht weiß, wer er ist, macht ihm täglich mehr zu schaffen. Er möchte es ihr sagen.
Das Sky nichts dagegen hat, weiß er, also muss er nur auf den Richtigen Moment warten.
Sofern es den gibt.
In dem Moment, als er den Gefrierschrank öffnen möchte, rennt Lilly in die Küche und reißt ihn somit aus seinen Gedanken.
,,Ich hols raus", verkündet sie und steht kurz darauf vor dem offenen Gefrierfach.
Sie zupft eine Tüte Nuggets in Kürbinsform raus und die bereits erwähnten Minions.
Beides reicht sie Meverick.
,,Und jetzt in den Ofen."
,,Gut das du mir das sagst, sonst hätte ich sie vielleicht gekocht", sagt er schmunzelnd und nimmt beides ansich.
,,Iihh. Nee."
Lilly verzieht das Gesicht und setzt sich auf einen Stuhl.
Ihre Beine baumeltn fröhlich vor und zurück, während sie Meverrick zu sieht. Schließlich ist alles im Ofen.
,,Was sagt die Expertin? Alles richtig gemacht?", fragt er nach und setzt sich zu ihr.
Lilly zeigt beide Daumen nach oben und grinst.
,,Perfekt."
Die Zeit, in der das Essen im Ofen ist, erzählt Lilly voller Begeisterung von den letzten Tagen, während Meverrick ihr aufmerksam zu hört.
Vom Kindergarten, bis zu einem Besuch beim Zahnarzt ist alles dabei.
Als schließlich der Timer piep, hüpft Lilly von ihrem Stuhl und deckt den Tisch.
,,Magst du auch gerne Nuggets?", fragt Lilly, als Meverrick das Essen auf die Teller verteilt.
,,Ja. Als Kind war es mein Lieblingsessen", gesteht er lächelnd und setzt sich.

Nachdem sie entspannt zu Abend gegessen haben, rennt Lilly in ihr Zimmer, um sich umzuziehen.
Einen Augenblick bleibt Meverrick sitzen.
Er lehnt sich zurück und schließt die Augen, um den Tag etwas revou passieren zu lassen.
,,Hilfe!"
Lillys Stimme reißt ihn, jedoch augenblicklich aus seinen Gedanken.
Aus Sorge, es könnte etwas ernstes passiert sein, eilt er in ihr Zimmer und stößt dabei den Stuhl um.
,,Was ist passiert?", fragt er sorgenvoll.
In einem, mit kleinen Kürbisen übersäten Schlafanzung, steht Lilly vor ihrem Spiegel und sieht ihn überrascht an.
,,Nichts."
Erleichtert atmet er aus.
Sein Herz jedoch schlägt noch einige Takte zu schnell.
,,Lilly. Erschrecke mich doch nicht so."
Lilly sieht zu ihm auf.
,,Entschuldigung. Ich brauche nur Hilfe."
Mit einem kleinen Lächeln reicht sie ihm ihre Haarbürste.
,,Kämmst du sie mir und flechtest zwei Zöpfe?"
Meverrick nimmt die Bürste an sich und kniet sich auf den Boden.
,,Du meinst ich kann das?", möchte er wissen und beginnt damit ihr Haar zu kämmen.
Mit einem breiten Grinsen nickt sie und blickt dabei in den Spiegel.
,,Klar schaffst du das. Ich glaube fest daran."
Meverrick kann sich bei den Worten das Schmunzeln nicht verkneifen.
Die Bürste gleitet Strähne für Strähne durch das dunkle Haar.
,,Deine Augen sind genauso dunkel wie meine."
Überrascht blickt Meverrick nun ebenfalls in den Spiegel.
,,Stimmt."
,,Und deine Haar sind auch so dunkel wie meine."
Lillys Worte lassen sein Herz erneut etwas schneller schlagen.
Er ist sich nicht sicher, ob sie wirklich die Ähnlichkeit erkennt, oder ob sie gerade nur vergleicht.
Er sollte auf Sky warten, es vorher mit ihr besprechen, doch scheint der Moment perfekt.
,,Sag mal Lilly, was weißt du über deinen Vater?", sprudelt die Frage einfach aus ihm heraus.
,,Mummy hat gesagt, dass sie nicht mehr zusammen waren, als sie von mit Überrascht wurde und das sie sich aus den Augen verloren haben."
Meverrick teilt Lillys Haar in zwei Hälften, während er ihr zuhört.
Sky war so wütend und verletzt und dennoch hat sie nicht schlecht über ihn gesprochen. Es ist nicht Skys Art, andere in den Dreck zu ziehen, er hätte es jedoch verstanden.
Er beginnt Lillys Haar zu flechten.
Viel zu locker und die Wahrscheinlichkeit, dass das wirklich die Nacht heil übersteht, ist gleich Null, aber sie sind geflochten.
Sein Herz schlägt mittlerweile so schnell, dass er das Gefühl hat, es springt ihm gleich aus der Brust.
,,Das stimmt, ich habe euch gehen lassen."
Ein Fehler, den er zu tiefst bereut.
Verwirrt legt Lilly den Kopf etwas schief.
,,Was meinst du?"
,,Lilly,-", fängt er an und wickelt etwas umständlich das Haargummi um den ersten Zopf.
,,Ich hab euch gesucht und gefunden, ich ..."
Er stoppt für einen Moment und versucht den zweiten Zopf schnell runter zu flechten.
,,Lilly ich bin dein,-"
Seine Unsicherheit, lässt ihn den Satz nicht beenden. Das Herz in sein Brust, überschlägt sich mittlerweile.
,,Dad?", beendet Lilly den Satz schließlich und dreht sich sich um.
Er blickt seiner Tochter in die Augen, in denen so viel Hoffnung zu lesen ist.
Hoffnung, die ihm den nötigen Mut verleit.
,,Ja, dass bin ich."
Mit einem breiten Grinsen fällt sie ihm um den Hals.
,,Ich wusste, du würdest uns finden. Ich habe es Mum gesagt, ich wusste es."
Meverrick legt seine Arme um sie und drückt sie fest an sich.
Er hat oft darüber nachgedacht, wie sie reagieren könnte. Hat sich so viele Szenarien ausgemalt.
Dieses, war nicht dabei.
Die Anspannung, die Angst vor ihrer Reaktion, die damit verbundenen Sorgen, all das fällt nun einfach von ihm ab.
,,Du verlierst uns aber nicht wieder, oder", murmelt Lilly etwas unverständlich.
,,Nie wieder. Versprochen."
Meverrick streicht ihr sanft über den Rücken, bis Lilly die Umarmung löst und ihn mit strahlenden Augen ansieht.
,,Liest du mir noch was vor?"
,,Gern."
Lilly reicht ihm ein Buch mit Halloween Gesichten und hüpft dann fröhlich in ihr Bett.
Umgeben von einer Armee aus Kuscheltieren, kuschelt sie sich unter ihre Decke.
Mrs. Pumpkin fest im Arm.
Meverrich setzt sich zu ihn ans Bett, schlägt dad Buch auf, und beginnt mit der ersten Geschichte.
Nach nicht einmal der Hälfte, fallen Lilly bereits die Augen zu.
Meverrick klappt das Buch zu und legt es zur Seiten.
Einen Augenblick bleibt er noch sitzen, beobachtet Lilly.
Er haucht ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, flüstert:,,Gute Nacht", und geht leise zur Tür.
Mit einem leisen 'Klack', schaltet er das Licht aus, dann verlässt er den Raum und schließt die Tür.
Meverrick schließt kurz die Augen und atmet einmal tief durch.
Da er Sky kein Chaos hinterlassen möchte, ist sein nächstes Ziel die Küche.
Es ist nicht viel, dennoch räumt er erstmal auf.

Meverrick wirft einen Blick auf die Uhr.
Es ist bereits nach 20 Uhr.
Seinen ersten Gedanken, Sky zu fragen wo sie ist, verwirft er. Zumindest erstmal.
Stattdessen holt er eine Flasche Wein und zwei passende Gläser und stellt beides im Wohnzimmer auf den Tisch.
Vielleicht ist es zu viel, doch der Kuss, denn sie so leidenschaftlich erwidert hat, weckte große Hoffnung in ihm.
Er lässt sich auf die Couch fallen und lehnt sich zurück.
In ihm ein Gefühlscocktail, aus Nervosität, Aufregung und Vorfreude.
Immer mal wieder erwischt er sich dabei, wie er zu Uhr schaut, bis er einen Schlüssel im Schloss hört.
Meverricks Herz schlägt direkt etwas schneller, als er Skys Stimme hört.
,,Entschuldige, dass hat alles viel länger gedauert als .... gedacht."
Lächelnd steht sie hinter der Couch und knöpft ihren Mantel auf.
Darunter kommt ein kurzer, schwarzer Lederrock und ein Weinrotes Shirt zum Vorschein.
,,Wein?", sagt sie fragend und legt sowohl ihren Mantel als auch ihre Tasche ab.
Meverricks Blick geht kurz zu den Gläsern, dann wieder zu ihr.
Sky mustert ihn genau. Sein Blick, seine Haltung, jede Regung in seinem Gesicht.
,,Okay, was ist los?"
Sie geht um die Couch und setzt sich zu ihm.
,,Wie kommst du darauf?", stellt er die Gegenfrage und schenkt ihnen beiden je ein Glas Wein ein.
,,Ich kenne dich. Auch wenn ich dich einige Jahre nicht gesehen habe, kenne ich dich in und auswendig."
Schmunzelnd reicht er ihr eines der Gläser.
Sky ist die einzige, die ihn wirklich kennt. All seine Stärken und Schwächen. Seine Ecken und Kannten. Seine Vergangenheit .....
Und sie hat nie geurteilt.
,,Also?"
Mit erwartungsvollem Blick, schwenkt Sky die rote Flüssigkeit im Glas.
,,Der Tag war schön. Wir waren im Park, haben gegessen, ich hab sie ins Bett gebracht, ich hab ..."
Meverrickt unterbricht sich selbst und nimmt einen Schluck von dem Wein.
,,Ich hab ihr gesagt wer ich bin. Ich weiß, ich hätte auf dich warten sollen, nur ... In dem Moment,- es passte", gesteht er schließlich.
Sein Blick ruht auf Sky, die anders als erwartet, sanft Lächelt.
,,Wie hat sie reagiert?"
,,Ähm, glücklich. Sie ist froh, dass ich euch gefunden habe."
Meverrick stellt sein Glas ab, ohne Sky auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.
In ihm noch immer eine Mischung aus Nervosität und Aufregung, welche sich mit einem warmen kribbeln in seinem Bauch bemerkbar macht. Nach außen jedoch, ist nichts davon zusehen.
,,Du hast mich nicht schlecht geredet,- Danke."
,,Sowas würde ich nie tun."
Nun stellt auch Sky ihr Glas ab.
Ihre Beine übereinander geschlagen,  legt sie zaghaft eine Hand auf seine.
,,Niemals."
Meverrick streicht ihr sanft eine Haarsträhne hinters Ohr.
,,Danke."
Seine Finger gleiten sanft ihren Hals entlang, während er ihr tief in die Augen sieht.
Worte können nicht ausdrücken, was gerade in beiden vorgeht.
Die Gefühle, die nie weg, sondern nur tief im inneren verborgen waren.
Dieses vertraute Gefühl von Nähe, Anziehung und tiefem Vertrauen.
Langsam, wie in Zeitlupe nähert Sky sich ihm.
Ihre Lippen sind sich plötzlich so Nah, dass sie den warmen Atmem des anderen spüren können.
Die Zweifel, die dabei in Sky aufkommen, versucht sie zu verdrängen. Jetzt gerade, soll ihr Herz die Führung übernehmen.
,,Sky ...", haucht er kaum hörbar.
Ihre Lippen streicheln einander.
Sanft und kaum spürbar,  dennoch löst es so unglaublich viel in ihnen aus.
Sky bettet ihre Lippen auf seinen.
Immer wieder küsst sie ihn, streicht mir ihren Lippen über seine und küsst ihn erneut, bis sich ihre Lippen nicht mehr von einander lösen.





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