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Erzähler Sicht

Es war ein ruhiger Nachmittag, als die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand und die Dämmerung den Himmel in ein mystisches Blau tauchte. Djellza und Yll saßen auf der Bank im geheimen Garten, umgeben von der Stille, die nur von den leisen Geräuschen der Natur durchbrochen wurde. Doch etwas war anders in der Luft. Eine Anspannung, die Djellza nicht genau einordnen konnte, schlich sich in ihre Gedanken.

„Yll, ist alles okay?" fragte sie vorsichtig, ihre Hand immer noch in seiner, aber ein unbestimmtes Gefühl breitete sich in ihr aus. Es war nicht wie die aufregenden Momente, die sie in den letzten Stunden miteinander geteilt hatten.

Yll hatte sich zurückgelehnt, die Augen auf den Horizont gerichtet. „Ja, alles ist gut." Doch seine Stimme klang abwesend, als ob er in Gedanken woanders war.

Djellza spürte, wie sich eine kalte Welle der Besorgnis in ihr Herz schlich. „Du bist so still heute. Du weißt, du kannst mir alles sagen, oder?"

Er drehte sich langsam zu ihr, seine Augen flackerten für einen Moment, bevor sie ihren Blick wieder abwandten. „Es tut mir leid, Djellza. Es gibt etwas, das du wissen musst."

„Was ist los?" Ihr Herz schlug schneller, ein nagendes Gefühl kroch in ihre Brust. Hatte sie etwas übersehen? War da etwas, das sie nicht verstanden hatte?

„Ich wollte dich nicht belügen. Ich..." Yll hielt inne und seufzte tief. „Ich muss dir etwas gestehen. Es geht um meine Vergangenheit. Ich habe dir nie erzählt, wer ich wirklich bin."

Djellza spürte, wie sich der Boden unter ihr zu verziehen begann. Ihre Hand drückte seine fester, als wolle sie an etwas festhalten, das ihr gerade entglitt. „Was meinst du?"

„Ich komme nicht aus einer einfachen Familie, Djellza. Es gibt Dinge, die ich in meiner Vergangenheit getan habe, von denen ich dir nie erzählt habe. Die Verantwortung, die damit verbunden ist, wie ich lebe, hat mich immer verfolgt." Yll stand auf, lief ein paar Schritte vor und zurück, seine Hände in den Taschen vergraben. „Ich kann nicht mehr weiter so tun, als ob alles in Ordnung wäre."

Djellza blickte ihm nach, ihre Gedanken rasten. „Warum erzählst du mir das jetzt?"

„Weil ich merke, dass es uns beide betrifft", sagte Yll, seine Stimme jetzt ruhig, aber fest. „Ich habe mich in letzter Zeit immer weiter von dir entfernt, weil ich wusste, dass ich irgendwann die Wahrheit sagen müsste. Du verdienst jemanden, der ehrlich zu dir ist. Aber ich... Ich wollte dich nicht verletzen."

„Was für eine Wahrheit? Was ist es, das du mir verschwiegen hast?" Djellza sprang auf, ihre Augen brannten. Sie konnte nicht fassen, was er gerade sagte.

Yll trat näher zu ihr. „Ich bin in etwas verwickelt, das größer ist, als du dir vorstellen kannst. Es gibt Menschen, die nach mir suchen, Djellza. Menschen, die mir Dinge aufzwingen, die ich nicht kontrollieren kann. Und ich habe Angst, dass sie auch dich finden könnten."

„Du... du bist in Gefahr? Warum hast du mir nie etwas gesagt?" Tränen stiegen in Djellzas Augen. Der Schmerz in ihrer Brust war so stark, dass sie fast keinen Atem mehr fand.

„Weil ich dich beschützen wollte. Ich dachte, wenn du wüsstest, was wirklich los ist, würdest du mich verlassen. Und ich konnte das nicht ertragen", flüsterte Yll, und seine Augen waren jetzt von einem tiefen Schmerz erfüllt.

„Was ist passiert? Wer sind diese Leute?" fragte Djellza, ihre Stimme zitterte vor Angst.

„Es geht um meine Familie", begann Yll, und Djellza spürte, wie sich ihre Welt für einen Moment in Zeitlupe bewegte. „Meine Familie ist in dunkle Geschäfte verwickelt, und ich bin tief darin verstrickt. Ich wollte nie, dass du in diese Welt hineingezogen wirst. Aber sie werden mich nicht in Ruhe lassen. Und wenn sie mich finden, dann auch dich."

Djellza fühlte, wie ihr Herz in tausend Stücke zerbrach. Sie konnte nicht glauben, was sie hörte. „Du hast dich also die ganze Zeit über von mir entfernt, weil du dachtest, es wäre besser für mich?"

„Ja, Djellza. Und jetzt... jetzt habe ich das Gefühl, dass ich dich verlieren werde, weil ich dir zu viel zugemutet habe." Yll trat zurück, als ob er sich von ihr entfernen wollte, um sie nicht noch weiter in seine düstere Welt hineinzuziehen.

„Ich lasse dich nicht gehen", flüsterte Djellza. „Ich liebe dich. Und ich werde bei dir bleiben, egal was passiert. Du bist nicht allein."

Yll sah sie an, die Verzweiflung in seinen Augen. „Du weißt nicht, was du sagst. Du verstehst nicht, was auf dem Spiel steht."

„Ich verstehe mehr, als du denkst", sagte Djellza, Tränen rannen ihr über die Wangen. „Du bist alles für mich, Yll. Ich werde dich nicht einfach im Stich lassen, nur weil du denkst, dass du mich schützen musst. Wir sind ein Team."

Für einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen, dann trat Yll auf sie zu und zog sie in seine Arme. „Es tut mir leid, dass ich dir das nicht früher gesagt habe", flüsterte er. „Aber jetzt, wo du weißt, was los ist, musst du wissen, dass ich es nicht ertragen kann, dich zu verlieren."

„Du wirst mich nicht verlieren, Yll. Wir gehen da durch, zusammen", antwortete Djellza fest.

Die beiden standen lange so, bis die Dunkelheit des Abends sie umhüllte. Aber die Welt um sie herum schien zu verschwimmen, als hätten sie nur noch einander.

Der Weg vor ihnen war unsicher, und das Schicksal schien sie auf eine harte Probe zu stellen. Doch eines wusste Djellza mit Gewissheit: Ihre Liebe war stärker als alles, was ihnen begegnen würde. Sie waren bereit, gemeinsam den Sturm zu überstehen.

Und so begann ein neuer Abschnitt ihres Lebens, einer, der von Geheimnissen, Gefahren und der unerschütterlichen Hoffnung geprägt war, dass wahre Liebe alles überwinden kann.

vetem ti dhe uneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt