Yll griff Djellza fest am Arm und zog sie mit sich, als er die Wohnungstür öffnete. Das Geräusch von schnellen, schweren Schritten hallte durch den Flur. Sie hatten keine Zeit zu verlieren. Djellza spürte das Dröhnen ihres Herzens in ihren Ohren, als sie sich von Yll durch die dunklen Gänge der Wohnung ziehen ließ. Der Schuss, der eben noch in der Luft gehangen hatte, hallte wie ein unheilvoller Vorbote.
„Was sollen wir tun? Wo sollen wir hin?" fragte sie, als sie die ersten Stufen hinunterrannten. Ihre Gedanken wirbelten. Wie war es so weit gekommen? Wie konnten sie aus dieser Situation entkommen, die Ylls Vergangenheit ihnen übergestülpt hatte?
„Ich kenne einen Weg, aber wir müssen uns beeilen", sagte Yll mit eisernem Entschluss. „Folge mir und sei ruhig."
Die Kälte in seiner Stimme war eine andere als die Panik, die Djellza durchströmte. Er war aufgewacht. Die Person, die sie zu kennen glaubte, war plötzlich nicht mehr derselbe. Jetzt war es ein Mann, der fliehen musste – und gleichzeitig wollte er sie schützen. Doch wie sollte er sie beschützen, wenn er nicht wusste, wie er sich selbst retten konnte?
Sie verließen das Gebäude und liefen in die dunkle Nacht hinaus. Die Straßen waren leer, doch in der Ferne konnte Djellza das Surren von Motoren hören. Sie hatten wenig Zeit, und jeder Schritt, den sie machten, fühlte sich an, als ob die Verfolger immer näher kamen. Yll zog sie in eine Seitengasse und starrte prüfend in jede Richtung, als er sie hinter einem Abfallcontainer versteckte. „Warte hier", sagte er, bevor er in die Dunkelheit verschwand
Die Minuten verstrichen, und Djellza konnte kaum ruhig bleiben. Ihr Herz raste, und jeder Geräusch in der Dunkelheit ließ sie zusammenzucken. Sie war völlig auf sich allein gestellt, allein in dieser Gasse, ohne zu wissen, was als Nächstes kommen würde. Ihre Gedanken jagten durch ihren Kopf – sie wusste nicht, was sie sich mehr wünschte: Yll sicher zu wissen oder zu verstehen, was Viktor wirklich von ihm wollte.
Plötzlich hörte sie das vertraute Geräusch von Ylls Schritten, die zurückkamen. Sie atmete erleichtert auf, doch als er um die Ecke bog, sah sie sofort, dass er nicht allein war. Zwei Männer folgten ihm. Ihr Blick fiel auf die Waffen, die sie in ihren Händen hielten, und ein Schauer lief ihr über den Rücken.
„Yll, was ist passiert?" fragte sie, die Panik in ihrer Stimme war kaum zu verbergen.
„Wir haben keine Zeit", antwortete er, und seine Augen hatten eine ernste Schärfe angenommen. „Djellza, du musst mir jetzt vertrauen. Versteck dich hier und bleib ruhig. Ich werde sie aufhalten."
„Nein! Du gehst jetzt nicht ohne mich!" rief sie, und sie spürte, wie sich die Wut in ihr aufbaute. „Wir haben uns das versprochen, Yll! Wir haben gesagt, dass wir das gemeinsam durchstehen!"
Yll hielt inne und sah sie mit einem intensiven Blick an. „Es gibt keinen anderen Weg. Ich muss sicherstellen, dass du in Sicherheit bist. Du bist alles für mich, Djellza."
Seine Stimme zitterte vor Emotion, und Djellza konnte die Entschlossenheit in seinen Augen sehen. Doch die Wahrheit war klar: Er wusste, dass er ihr nicht alles erzählen konnte. Er wusste, dass die Entscheidung, sie zu beschützen, ihn in einen Krieg stürzte, aus dem es kein einfaches Entkommen gab. Und wenn er sie wirklich liebte, musste er sie vielleicht aufgeben, um ihr Leben zu retten.
„Ich lasse dich nicht gehen, Yll. Du kannst mir nicht weismachen, dass du alleine gegen diese Leute kämpfen musst. Wir sind ein Team!"
Er seufzte und trat einen Schritt auf sie zu. „Es ist zu spät, Djellza. Ich habe Dinge getan, die du nicht wissen solltest. Dinge, die du nicht mit mir teilen kannst."
Doch Djellza ließ sich nicht beirren. „Du bist nicht allein, und das wirst du nie sein, verstehst du? Wir sind zusammen in dieser Sache. Du kannst nicht einfach alles aufgeben und uns beide in Gefahr bringen."
In diesem Moment gab es eine kurze, schmerzvolle Pause. Yll, der die Angst und die Liebe in ihren Augen sah, fühlte, wie seine Entschlossenheit langsam schwand. Die Männer hinter ihm hatten sich nun so positioniert, dass sie ihn von allen Seiten umzingelten. Doch Yll wusste, dass er keine andere Wahl hatte. Er konnte nicht aufgeben.
„Hör auf, mir alles abzuverlangen", sagte er mit einer resignierten Stimme und schaute zu den beiden Männern. „Was wollt ihr von mir?"
„Du weißt genau, was wir wollen", sagte der Mann in der Mitte, der eine unheilvolle Ruhe ausstrahlte. „Dein Bruder Viktor hat gesagt, dass du dich entscheiden musst. Dein Leben oder das Leben der Frau, die du liebst."
„Du bist ein Verräter, Yll", sagte der andere Mann mit einem schneidenden Ton. „Du hast uns im Stich gelassen. Und dafür wirst du bezahlen."
Djellza sprang vor, wollte Yll zur Seite stellen, doch er hielt sie zurück. „Bleib zurück!", brüllte er, seine Stimme rau vor Sorge. „Du weißt nicht, was du tust."
Doch Djellza konnte nicht stillhalten. In ihren Augen brannte die Entschlossenheit, nicht nur Yll zu retten, sondern sich gegen all das, was sie so lange ertragen hatte, zu wehren. Sie trat vor und stand neben ihm, als er sich dem Gegner stellte.
„Wir kämpfen gemeinsam", sagte sie entschlossen.
Die Männer lachten kalt. „Ihr wollt euch wirklich gegen uns stellen?", fragte der Mann in der Mitte. Doch in diesem Moment hörte man das Schnauben eines Motorrads, das aus der Ferne heranbrauste. Ylls Augen weiteten sich. „Viktor", murmelte er.
In einem letzten verzweifelten Versuch, Djellza zu retten, riss Yll den Mann in der Mitte zu Boden. Ein wilder Kampf brach aus. Schüsse knallten in der Luft, doch Yll blockte die meisten ab und kämpfte mit allem, was er hatte. Doch die Zahlen waren gegen ihn.
„Yll, pass auf!" schrie Djellza, als ein weiterer Schuss in ihre Richtung flog.
In diesem Augenblick passierte etwas, das niemand erwartet hatte. Ein geübter Schuss krachte durch die Nacht, und einer der Männer fiel zu Boden. „Lass die Finger von meiner Schwester", hallte eine vertraute Stimme.
Djellza drehte sich erschrocken um und sah, wie ein weiteres Motorrad näher kam, diesmal mit einer Person, die sie nicht erwartet hatte. Ein schneidiger Mann sprang ab, seine Augen fokussiert auf die Gruppe. Es war Viktor.
„Viktor, was tust du?" fragte Yll, als er den überraschenden Eingriff seines Bruders bemerkte.
„Ich rette euch beiden", sagte Viktor, und seine Stimme hatte einen unschätzbaren Ernst.
„Aber... du arbeitest mit ihnen zusammen! Was hast du vor?" Ylls Augen weiteten sich, als er versuchte, die Situation zu begreifen.
Viktor zog eine weitere Waffe, richtete sie auf den letzten verbliebenen Mann und zog den Abzug. Der Mann brach zusammen. „Du hast nie verstanden, Yll", sagte Viktor mit einem bitteren Lächeln. „Ich war nie wirklich auf ihrer Seite. Aber ich musste alles tun, um dich zurückzuholen. Du bist mein Bruder. Du warst immer der Einzige, den ich je beschützen wollte."
Yll war wie gelähmt. Der Bruder, den er immer als Feind betrachtet hatte, hatte in diesem Moment für ihn gekämpft. Die Wahrheit war härter als jeder Schlag.
„Was passiert jetzt?" fragte Djellza, als sie die Stille in der Luft spürte, die nach dem Kampf zurückblieb.
Viktor sah sie an und nickte. „Jetzt haben wir die Chance, alles hinter uns zu lassen. Ihr beide habt genug gelitten. Es ist Zeit, zu verschwinden. Der wahre Feind ist nicht immer der, den man zuerst sieht."
Yll nahm Djellza's Hand. „Du hast mir geholfen, Viktor. Du hast uns beiden geholfen. Aber ich... ich weiß nicht, was nun passiert."
„Du hast noch immer die Wahl", sagte Viktor. „Aber dieser Kampf ist vorbei. Ihr habt eure Freiheit verdient."
Djellza sah zu Yll und wusste, dass der wahre Kampf nicht vorbei war. Doch er hatte sich verändert. Sie waren nicht mehr diejenigen, die in der Dunkelheit fliehen mussten. Sie hatten das Recht, zu leben, sich zu lieben und ihren eigenen Weg zu finden.
„Gemeinsam", flüsterte sie, „können wir alles schaffen."
Yll nickte und zog sie näher. „Ja, gemeinsam."
Und mit dieser Entscheidung, einem letzten Blick auf die düsteren Schatten ihrer Vergangenheit, gingen sie in die Sonne des neuen Tages.
ENDE
DU LIEST GERADE
vetem ti dhe une
Storie d'amoreEine Geschichte von 2 Menschen mit unterschiedlichen Leben unterschiedlichen Gefühlen gegenüber der Welt 2 einsame Seelen treffen ganz zufällig aufeinander und können nicht mehr ohne einander Mal eine nicht ganz so klassische Schul romanze
