Besorgungen

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Ein wenig unschlüssig stand Felix vor dem Regal und musterte die Platten. Von den Abraxaners hatte er bereits alle Platten. Die neueste von Louis Biscus besaß er ebenfalls.
Und der Rest an Auswahl war eher jämmerlich, also ging Felix seufzend weiter und besah sich die nächsten Reagle. Warum war es so schwer, ein Weihnachtsgeschenk zu finden?
Nur Schokolade zu schenken, ging auf keinen Fall. Stirnrunzelnd ließ Felix seinen Blick über die Platten schweigen und blieb an einem in dunklen Tönen gehaltenen Cover hängen.

Prüfend zog Felix die Platte heraus.
Freddie Mercury.
Er bildete sich ein, Sirius einmal von dem Mann schwärmen gehört zu haben. Ja, das hatte er ganz sicher!
„Eine ausgezeichnete Wahl!"
Er sah auf. Der junge Verkäufer mit dem geröteten Gesicht hatte sich an seine Seite gestellt und lächelte aufgeregt.
„Sie mögen es nicht glauben, aber trotz dass es sich bei diesem Mann um einen Muggel handelt, hat er auch in unserer Welt die Musik revolutioniert."
„Was Sie nicht sagen."
Trotz dass es sich bei diesem Mann um einen Muggel handelt.

~

Wenig später hatte Felix den Laden verlassen und kämpfte sich durch die fast menschenleere Gasse. Er bezweifelte, dass es allein die Kälte war, die ihm einen Schauer über den Rücken jagte. Was Angst alles so bewirkte...
Er umfasste den Henkel des wetterfesten Beutels in seiner Hand fester und trat auf Flourish & Blotts zu. Er öffnete die Tür, ein Schwall warmer Luft und die Töne Celestina Warbeck's traf auf den hereingepeitschten Schnee und schnell betrat er den Laden, um die Tür wieder hinter sich zuzuschlagen.
Tief einatmend zog er seinen Zauberstab, um seinen Umhang von Schnee und Nässe zu befreien. Dann sah er sich um.

Es befanden sich überraschend viele in dem Verkaufsraum. Fünf Hexen und zwei Zauberer liefen zwischen den aufgestapelten Büchern hindurch und blieben immer mal wieder stehen, um sich eines der Werke näher anzusehen. Eine der Hexen balancierte einen ganzen Stapel auf ihren Armen und einer der Zauberer zog sogar ein Kind hinter sich her.
Als dieses Felix' Blick bemerkte, zog es eine vergnügte Schnute und streckte ihm die für seine Hand viel zu große Zuckerstange entgegen. Grinsend hob Felix seine Hand, dann strebte er auf die Musikabteilung zu.

Er wusste genau, was er wollte. Gestern noch hatte er sich Lees Bücher angesehen, aber da dieser kein großer Leser war, war er schnell fertig gewesen.
Triumphierend zog Felix Chronik des magischen Rundfunkes aus dem Regal.
Er hatte von den überragenden Bewertungen und der interessant gehaltenen Schreibweise gehört und da Lee dort arbeitete...sich den Klappentext durchlesend ging er zur Kasse.
„Mr Lewis, schön Sie einmal wiederzusehen."
Felix lächelte. „Madame Viallanelle, wie läuft das Geschäft?"
„Ach!" Mit einem leisen Seufzen wickelte sie das Buch ein und er kramte die Goldmünzen hervor. „Die Kundschaft löst sich ein wenig auf, aber ich bin zuversichtlich, dass sich diese ganze Sache bald zum Guten wendet."

Sie hatte ihre Stimme gesenkt, lächelte aber und Felix erwiderte es ermutigend.
„Ganz bestimmt. Richten Sie Ihrem Vater einen schönen Gruß aus."
„Das mache ich. Frohe Weihnachten, Mr Lewis."
Bis dahin war es zwar noch ein wenig, aber freundlich erwiderte er den Wunsch, dann trat er wieder hinaus in die eisige Kälte. Das Schneetreiben schien sich verdichtet zu haben und den Kragen seines Umhanges fester ziehen, machte Felix sich auf den Weg.
Er müsste alles haben. Die Weihnachtsgeschenke für all seine Freunde, Eierpunsch, neue...

Ein Stoß in seine Seite presste ihm für eine Sekunde die Luft aus den Lungen und sein Beutel landete im Schnee.
„Hoppla! Wenn das mal nicht unser lieber Freund ist."
Bei der rauen Stimme schloss Felix seine Augen. Bitte nicht!
Dann bückte er sich jedoch schnell, um seine Sachen aufzuheben. Astaroth Hasapis. Mit einem Wink seines Zauberstabes hatte er die Musikplatte, welche herausgelugt hatte, in seine Hände schweben lassen.
Tief einatmend, die kalte Luft stach in seiner Lunge, richtete sich Felix wieder auf.

Hinter dem grobschlächtigen Mann erschien eine zweite Gestalt, deren Gesicht Felix unter der Kapuze des Umhanges jedoch nicht erkennen konnte. Sie beide waren aus der Nokturngasse gekommen und nun ausgerechnet er war ihnen in die Arme gestolpert.
Hasapis ließ ein leises Lachen ertönen.
„Mercury? Noch nie davon gehört. Sag bloß, das ist ein Muggel, Kleiner."
Ehe der Mann reagieren konnte, hatte Felix nach der Platte gegriffen, sie an sich gerissen und sie mitsamt dem Rest seines Einkaufes in der tiefen Tasche seines Umhanges verschwinden lassen.

„Meine Einkäufe gehen dich rein gar nichts an!", zischte er dabei.
Jetzt machte sich ein überlegenes Grinsen auf Hasapis' Gesicht breit.
„Mich vielleicht nicht. Aber einen anderen interessiert das ja vielleicht. Meinst du nicht auch, Gibbons?"
Ein belustigtes Grunzen kam von dem Zweiten und er fügte hinzu:
„Durchaus, lieber Astaroth. Ich wollte schon immer wissen, ob der Kleine wirklich wie ein sterbendes Tier schreien kann."
Unwillkürlich ballte Felix seine Fäuste. Jetzt raste das Herz in seiner Brust und trotz der Kälte wurde ihm unangenehm warm.

„Es ist nur ein Weihnachtsgeschenk, regt euch ab! Stellt euch vor, als Spion kann man seinen Standpunkt nicht ganz so offensichtlich zeigen, wie ihr es tut! Das versteht auch der Dunkle Lord!", zischte er.
Hasapis beugte sich zu ihm, das widerwärtige Grinsen immer noch auf den Lippen.
„Aber natürlich, mein Fehler. Aber vielleicht versteht er ja ebenso, wenn wir diesen...Muggelfreunden", spuckte er jetzt verächtlich hervor, „einen kleinen Besuch abstatten und sie ihre Einstellung überdenken lassen."
Felix' Magen zog sich zusammen und etwas in ihm schlug brüllend scharfe Krallen in seine Brust. Er sah rot.

Noch im selben Augenblick stürzte er sich nach vorn, warf sich gegen den Mann und landete mit ihm am Boden.
„Du lässt meine Freunde in Ruhe, sonst wirst du das bereuen!"
Einen Treffer konnte er mit seiner Faust erzielen, dann verkrampfte sich sein Körper.
Hasapis nutzte diesen Augenblick und einen flachen Atemzug später war es Felix, der unten lag, die Pranke seines Gegenübers an seiner Kehle.
Fast schon gemächlich wischte dieser sich einmal über die Lippe, ohne seinen Blick von ihm abzuwenden. Sein Begleiter senkte den erhobenen Zauberstab.

Erst versuchte Felix noch, sich zu befreien, doch sofort drückte der Mann fest zu und ihm wurde schwindelig.
„So? Ich werde das bereuen?"
Felix konnte nur mit einem Schnaufen antworten, was ihm ein Glucksen entlockte.
„Wer hätte gedacht, dass der Kleine so temperamentvoll ist? Man möchte doch meinen, in seiner Situation ist er ein wenig unterwürfiger. Was ist, Gibbons, möchtest du ihn ein wenig kitzeln? Das erinnert ihn ja vielleicht an seine Position."
Felix wurde es heiß und kalt gleichzeitig und mit aller Kraft zwang er die Finger an seiner Kehle auseinander, und wenn es nur ein kleines Stückchen war.

„Dann rate ich euch, euer letztes Weihnachten zu genießen!", stieß er kächzend hervor. „Verabschiede dich schon einmal von Cleitus."
Noch während er sprach, verfinsterte sich Hasapis' Miene.
„Was?", grollte er.
Felix bekam Kopfschmerzen, aber er fuhr, immer noch krächzend, fort:
„Ich glaube kaum, dass es ihm gefallen wird, wenn man morgen Früh meinen vereisten Körper aus der Nokturngasse schleift!"
Jetzt lachte Hasapis.
„Da hast du mich falsch verstanden, dich zu töten, das liegt nicht in unserem Interesse. In keinster Weise. Aber eine kleine Zurechtweisung ..."
Schon hob dieser verfluchte Gibbons wieder seinen Zauberstab.

„Dann los. Der folgende Anfall ist sicher, ich habe schon seit einiger Zeit nichts mehr von ihm erhalten, was dem entgegenwirkt."
Felix fiel ein Stein vom Herzen, als der Todesser jetzt tatsächlich zögernd innehielt.
„Anfall?", wiederholte er fragend.
Haspais starrte nur stumm auf Felix herab, der den Blick schweigend erwiderte.
Ihm war kalt, die Nässe kroch durch seinen Umhang bis unter seine Haut und das Gewicht des Mannes auf seiner Brust wurde immer schwerer.
Schließlich gab der aber ein Zischen von sich...und erhob sich.

Vorsichtig richtete sich Felix ein wenig auf, als er seinen Finger drohend auf ihn richtete.
„An deiner Stelle würde ich mich nicht allzusehr auf den Schutz des Herrn verlassen. Er duldet dich, aber vergiss nicht, unter welchen Bedingungen er dich aufgenommen hat."
Als ob er das jemals vergessen würde!
Aber die Todesser hatten sich bereits mit einem letzten, abfälligen Blick abgewandt und waren in dem dichten Schneetreiben der Winkelgasse verschwunden. Schluckend sah Felix ihnen hinterher, bevor ihm ein Rücken über den Schauer huschte und er sich daran erinnerte, wo er sich gerade befand.
Schnell rappelte er sich auf.

Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt