Vertrauen

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Felix hatte sich erhoben und noch während er auf die Tür zuschritt, um der Entlassung Voldemorts zu folgen, strauchelte er und stolperte gegen den Türrahmen. Verkrampft hielt er sich daran fest, um nicht an ihm herabzurutschen und atmete tief durch.
Verflucht!
Eigentlich hatte er gehofft, der Schwindel ließe ihm wenigstens noch Zeit, bis er den Raum verlassen hatte, aber im Moment traute er es sich nicht zu, seine Griffe auch nur zu lockern. Jetzt war ihm wieder - oder immer noch - kotzübel und zum hundertsten Male verfluchte er sich und seinen Zustand und wünschte sich einfach ein anderes Schicksal herbei. Jedes, aber nicht dieses.

„Etwas schwach auf den Beinen?"
„Nein, ich...es geht gleich wieder, Herr", stieß er hervor. „Ich muss nur kurz..."
Er hörte auf zu sprechen, da jedes Wort die Übelkeit nur noch zu verschlimmern schien. Fast war es so, als würden die Buchstaben gegen seinen Kehlkopf stoßen und bei ihm einen Würgereiz verursachen.
Leise Schritte ertönten, dann tauchte Voldemort neben ihm auf und öffnete die Tür. Diese schnelle Bewegung ließ den Raum kippen und brachte ihn damit völlig aus dem Gleichgewicht. Er entschied, dass es besser war, sich einfach zu Boden sacken zu lassen, als dem Dunklen Lord direkt vor die Füße zu kotzen.

Deshalb saß er eine ganze Weile einfach nur neben der Tür, ein Atemzug nach dem anderen, und suchte in seinem Inneren verzweifelt nach der Kraft, von hier zu verschwinden. Denn jeder weitere Augenblick, in welcher er vor ihm durch das Zimmer schlich, ohne ihn aus den Augen zu lassen, war unerträglich. Er ließ seinen Herzschlag keineswegs ruhiger werden, sondern trieb ihn nur weiterhin stolpernd an.
Und dann - wie lange saß er jetzt hier? - öffnete sich plötzlich die Tür.
Voldemort kam zum Stehen und...Snapes Stimme ertönte.
Noch nie war Felix so froh, sie zu hören. Der Mann würde ihn hier rausholen, ganz bestimmt. Oder er hatte irgendeinen Trank dabei, welchen er nehmen konnte. Irgendetwas.

„Severus", ertönte da auch schon die hohe, unheilvolle Stimme. „Sieh doch einmal, wen du da völlig entkräftet gefunden hast."
Schon spürte Felix den Blick des Tränkemeisters auf sich und wandte seinen eigenen ab.
„Möchtest du ihm nicht hochhelfen?"
„Natürlich, mein Lord", schnarrte Snape und im nächsten Augenblick schlang sich ein Arm hinter seinen Rücken, umschlang ihn und zog ihn auf die Beine.
Ein Ächzen zwang sich dabei über seine Lippen und schnell hielt er sich an dem Umhang des Slytherin fest, aber er stand immerhin für den Moment.
„Hilf ihm zurück, Severus!", befahl Voldemort nun schon deutlich ernster. „Ich kann es mir nicht leisten, dass er zusammenbricht oder zersplintert."

~

„Was ist mit Ihnen, Lewis?", zischte Snape, sobald sie das Manor hinter sich gelassen hatten.
Der Mann zog ihn eher mit sich, wirklich Schritt halten konnte Felix mit ihm nicht.
„Anfall", murmelte er nur knapp, fügte dann aber schnell zurück:
„Es...es reicht, wenn Sie mich Zuhause...abliefern. Ich komme dann schon klar."
Dafür erhielt er nur ein Schnauben. „Und ich bin dann schuld, wenn Sie völlig zusammenbrechen. Nichts da!"
Gerne würde Felix etwas erwidern, von wegen, dass er das schon längst war. Aber bevor er dazu kam, disapparierte Snape und...

In Felix krampfte sich alles zusammen und diesmal konnte er es wirklich nicht mehr zurückhalten. Während er sich in der dunklen Seitengasse übergab und es ihm die Tränen aus den Augen trieb, hielt Snape ihn eisern oben.
Solange, bis nichts mehr kam und er dachte, er müsse hier und jetzt sterben.
„Kommen Sie!"
Wie sich herausstellte, waren sie nur wenige Meter vom Grimmauldplatz entfernt herausgekommen. Als sie auf die Straße traten, sah Snape sich aufmerksam um, dann schritt er auf die Häuserreihe zu und nur kurz darauf betraten sie schon das Hauptquartier.
Noch während sie im Flur waren, flog schon die Küchentür auf und...Felix wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen, als er Sirius im Rahmen stehen sah.

Der Mann starrte sie an, einen Bogen Pergament in der Hand, dann stopfte er diesen in seine Tasche und war in nur wenigen Schritten bei ihnen.
„Scheiße, was ist mit ihm?", zischte er. „Was hast du mit ihm gemacht, Schnie-"
„Falls es dich interessiert, Black", unterbrach Snape ihn schneidend, während sich der Gryffindor zu Felix beugte und nach seiner Schulter griff. „Ich habe ihn rausgeholt. Hilf mir lieber, ihn in den Salon zu bringen!"
Trotz dass Sirius ein Knurren von sich gab, legte er Felix' anderen Arm um sich und zusammen schleppten sie ihn ins Wohnzimmer. Was Felix nur nebenbei bemerkte, weil ihn der Schwindel schon wieder überwältigte.

Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt