„Remus?"
Entgeistert blieb Felix mitten auf dem Treppenabsatz stehen, sodass Lee in seinen Rücken rauschte.
„Autsch!"
Aber es war wirklich Remus, der vor ihrer Tür stand. Ein Lächeln auf den Lippen, was wohl verlegen gemeint war, aber so aussah, als bereute er es schon, hergekommen zu sein.
„Entschuldigt, ich wollte nicht stören. Ich..."
„Quatsch, du störst doch nicht", schaltete sich Lee ein und zwängte sich an Felix vorbei, um ihre Wohnungstür zu öffnen. „Komm einfach rein."
Zu Felix' Verwunderung winkte der Werwolf aber ab. „Alles gut, ihr seid gerade erst zu Hause angekommen. Es war eh nicht so wichtig und..."
„Jetzt hör schon auf mit dem Unsinn!", unterbrach Felix ihn und überbrückte den letzten Abstand, um Remus zurück zu schieben.
„Lee hat völlig recht. Komm mit rein!"
Lee hatte jetzt die Tür geöffnet und hielt sie auf, als sich eine zweite öffnete und die ältere Dame gegenüber öffnete.
Remus lächelte sein übliches warmes Lächeln, Zeige- und Mittelfinger grüßend erhoben.
Als Antwort kam...eine gerümpfte Nase.
„Jetzt schon...zu dritt", meinte Felix, zu hören, und die Tür schloss sich wieder.
Verdattert stand sein ehemaliger Professor an Ort und Stelle und mit einem unguten Kribbeln in der Brust schob Felix ihn vollends in ihre Wohnung.
„Ignorier die Alte einfach!", zischte er. „Die Muggelfrau hat was gegen uns, Lee durfte sich das schon öfters anhören."
Remus sah plötzlich direkt noch geknickter aus und Felix hielt inne.
„Was ist denn?"
Der Mann sah gerade noch viel älter aus, als es sonst manchmal den Anschein erweckte. Eine der grauen Haarsträhnen fiel ihm ins Gesicht und Felix fühlte sich so als wären ihre Rollen getauscht. Normalerweise war er mit diesem Gesichtsausdruck zu ihm gekommen.
„Können wir kurz reden, Felix?"
„Ich..." Mit einem Schlucken sah er zu Lee. „Na klar. Wir...wir gehen einfach kurz in die Küche. Wenn das in Ordnung ist?"
„Ich hab eh noch etwas vorzubereiten. Für die Arbeit."
Lee verdrückte sich und Felix ging mit Remus durch die nächste Tür.
„Willst du etwas trinken oder gleich geradeheraus?"
Remus lehnte sich gegen die Theke.
„Ich denke, ich komme gleich zur Sache. Und zwar...na ja, bei Tatze war ich schon, ist ja klar, aber..."
Felix nickte knapp.
„Du musstest...ihr musstet ja doch ziemlich viel durchmachen. Müsst es noch. Na ja, und deshalb dachte ich, dass du mir...da vielleicht weiterhelfen kannst."
Felix stockte. Ihr?
Meinte er damit etwa...
„Äh, Remus. Willst du von mir Beziehungstipps?", platzte es ungläubig aus Felix heraus.
Er merkte, wie sein Mund noch offener stand, als er Remus' stumme Antwort in dem folgenden Blick sah.
„Ich weiß, gerade Sirius, diesen alten Schwerenöter, hätte ich vielleicht nicht zu Rate ziehen müssen", fügte Remus hinzu, was Felix nun doch zum Lachen brachte.
„Sirius wird dir wunderbare Tipps gegeben haben. Ich..." Felix wurde nachdenklich. „Ich dachte zwar, du und Tonks, na ja, du magst sie, aber...wie heißt er denn? Kenne ich ihn?"
Verwirrt sah Remus auf.
„Es geht um Tonks."
Felix starrte ihn an. Eine Sekunde. Zwei Sekunden. Fünf...
„Und wo liegt da jetzt das Problem? Ich dachte, sie mag dich auch!"
„Ja, aber...tut sie?", kam es verdattert von Remus.
„Ist das dein Ernst? Natürlich, das würde doch sogar ein Blinder sehen!"
Bei Remus' Gesichtsausdruck lächelte Felix und legte ihm die Hand auf den Oberarm.
„Du musst sie gar nicht für dich gewinnen. Sie ist toll, sie passt zu dir und sie mag dich."
Remus schüttelte abrupt den Kopf und streifte Felix Hand ab.
„Und trotzdem bin ich ein verdammter Werwolf! Ich kann sie doch nicht so sehr in die Verachtung unserer Welt reißen, indem ich sie heirate! Was glaubst du, was die Leute sagen würden..."
„Remus."
„Sieh nur, was die nur von diesem stinkenden Köter hält!"
„Remus!"
„Die ist mit dem liiert? Am Ende ist sie selbst einer und sollte..."
„Remus!"
Remus verschluckte den Rest des Satzes und starrte auf Felix herab als würde er ihn jetzt erst wahrnehmen.
„Was?"
„Du wolltest Beziehungstipps von mir. Hör also mit diesem Unsinn auf und hör mir zu!"
Felix baute sich vor ihn auf und sah ihn eindringlich an.
„Wir hatten oft genug dieses Gespräch und du weißt ganz genau, dass dich die Meinung der Anderen nicht zu einem Monster macht! Sieh Lee und mich an. Unsere Nachbarin oder sonst wer, sie können noch so sehr die Nase rümpfen, am Ende des Tages sitzen wir beide auf unserer Couch und teilen unsere Gedanken miteinander. Vertrauen dem anderen und lieben ihn viel zu sehr als dass das Gekeife von außen bis zu uns hindurchdringen könnte."
Felix legte den Kopf schief.
„Gut, klar. Es kann zuweilen echt wehtun und ganz kalt lässt es einen in dem Moment wohl nie. Aber um diese Momente geht es ja auch nicht. Es geht um die...die Couch-Momente. Und ich weiß, dass deine Liebe für diese Momente locker reicht. Du wärst sonst gar nicht hier."
Felix hob abwartend die Augenbrauen, während Remus fast aus den Ohren qualmte. So kam es Felix jedenfalls vor. Schließlich zuckte doch ein Muskel in dem zerfurchten Gesicht des Werwolfes.
„Couch-Momente, sagst du?"
Felix verdrehte spielerisch die Augen.
„Meinetwegen auch Bett-Momente, ich mache euch da keine Vorschriften. Wer weiß, wie wild..."
Er konnte den Satz nicht beenden, da Remus ihn an sich zog und fest drückte. Diese Szene könnte fast herzzerreißend erdrückend sein, würde der Mann es nur nicht damit kaputt machen, indem er Felix mit der Handfläche über den Kopf strubbelte.
„Diesen Satz beendest du nicht!", flüsterte es an seinem Ohr und lachend befreite er sich.
Keuchend trat er einen Schritt zurück und ordnete seine Haare. Soweit, wie es ihm möglich war.
„Du weißt, was ich meine!", sagte er schließlich. „Lass den Frühlingsgefühlen freien Lauf und lade sie endlich mal ein. Und wenn es Nudeln bei dir Zuhause sind."
Remus brummte. „Du bist heute überraschend vernünftig. Fast schon reif, möchte man meinen."
Empört stemmte Felix die Fäuste in die Seiten.
„Ich bin immer erwachsen!"
Remus zwinkerte nur und diesmal landete seine Hand auf Felix' Schulter.
„Danke dir, mein Freund."
Der junge Gryffindor schnaubte.
„Ich hab kaum was gesagt. Aber wirklich, egal, was du hast, du kannst zu mir kommen."
Jetzt wurde Remus' ernst.
„Das gilt auch für dich! Und da spreche ich nicht nur für mich, das weißt du, oder?"
Lächelnd nickte Felix. „Immer!"
~
„Alles in Ordnung?"
Felix ließ sich auf die Couch plumpsen und lehnte sich gegen Lees Schulter. Remus war gerade gegangen, zum Essen wollte er nicht bleiben. Deshalb hoffte Felix, dass er sich und Tonks Nudeln kochte.
„Ja, alles gut", antwortete er. „Du weißt doch, wie alte Männer sind. Machen sich viel zu viele Gedanken."
Leise lachte sein Freund. „Und du nicht, oder was?"
„Ja, ja, schon klar", meinte Felix grinsend. „Ich mache mir gerade nur Gedanken um das Abendessen."
Lee starrte ihn an.
„Bitte? Wir haben doch erst gegessen?"
„Ich habe schon wieder Hunger."
„Alter, du wirst noch fett!"
Jetzt lachte Felix wirklich.
„Du weißt, dass ich ein Metamorphmagus bin? Wen du willst, beschleunige ich das."
Lees Gesicht gab keine Regung von sich.
„Zu wem willst du werden? Harrys Tante in unserem fünften Schuljahr?"
Felix merkte, wie sich ein Lachkrampf in ihm aufbaute.
„Stimmt, da war ja was! Das hätte ich gerne gesehen."
Die beiden jungen Männer schwiegen...dann prusteten sie wie auf Knopfdruck los.
„Und die Zwillinge waren so begeistert, dass sie gleich Trops herstellten, die jemanden aufblasen sollten."
Felix verzog lachend das Gesicht.
„Filch hatte seine Katze drei Tage lang an einem Strick befestigt, damit sie ihm nicht davonfliegt."
Das trieb nun Lee die Tränen aus den Augen und eine Weile lieferten sie sich einen Schlagabtausch an Witzeleien, bis sie vor lauter Lachen kaum noch atmen konnten.
Nach Luft schnappend stieß Lee sich ab und kam wankend auf die Beine.
„Bei Dumbledores pinkgestreifter Unterhose! Ich kratz hier gleich ab. Ich hole uns lieber was zum Knabbern."
Tief einatmend lehnte Felix sich zurück. Dann erhob er sich ebenfalls ruckartig.
„Ich helfe dir."
Und...das folgende Brennen in seinem Arm sagte ganz deutlich Ich helfe dir nicht.
Felix sah in Lees gerötetes, immer noch erhelltes Gesicht und warf einen Blick auf die Wanduhr.
„Oder noch besser", stieß er hervor. „Ich hole uns Pizza."
Lee legte überlegend den Kopf schief, während er seine linke Faust in den Stoff seiner Hose krallte.
„Dann platze ich wirklich." Seine Augen leuchteten. „Aber ich nehme eine mit Anchovis."
Felix' Mund klappte auf, dann imitierte er ein übelkeitserregendes Würgen.
„Wer bist du und was hast du mit meinem Freund gemacht?", stieß er hervor und aus Lee brach erneut albernes Gekicher hervor.
„Ein Scherz, bring mir Peperoni mit."
Felix richtete sich wieder lächelnd auf.
„Das klingt schon besser. Es kann aber sein, dass es länger dauert, ich werde gleich noch einen Brief für Sirius wegschaffen. Ich habe verpasst, ihn Remus mitzugeben."
Lee nickte. „Klar, ich decke inzwischen den Tisch. Ich freue mich."
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Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)
FanfictionDumbledore fuhr sich über die Augen. „Felix, was willst du ihm denn sagen? Niemand ändert seine Meinung so schnell." „Wie wär's, wenn ich ihm einfach sage, dass ich es leid bin, mich zu verstecken, dass ich wohl oder übel auf ihn angewiesen bin oder...
