Geschafft!

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Felix wollte, dass es aufhörte. In den folgenden Tagen konnte er kaum noch schlafen. Lee und auch den anderen hatte er nichts erzählt, natürlich nicht, er suchte nur verzweifelt nach einem Ausweg. Wenn er nicht gerade den Toten vor sich sah.
Lange wälzte er sich im Bett, während er im Dunkeln sah, wie sich die Glieder des Mannes verkrampften und sein Gesicht rot anlief. Wie er einfach so zusammensackte und mit glasigen Augen an die Decke starrte. Zu diesem Bild gesellte sich automatisch das seines Patenonkels. Seine glasigen Augen wollte er erst recht nicht sehen und bei ihrem Anblick wälzte er sich mit einem Stöhnen wieder auf die andere Seite.

Er wollte das alles nicht mehr. Er wollte hier weg. Einfach nur weg!
Mit Lee und vielleicht sogar mit Fred und George. Sie könnten auch hierbleiben, solange sie sich vor Voldemort in Sicherheit bringen und ihn selbst für seine Feigheit nicht hassen würden.
Wenn er nur weg könnte. Er bezweifelte, es lang durchzustehen. Nicht nur würde Voldemort seine Todesser schicken, nein, sein Zustand selbst machte es nicht ohne den Magier.
In Gedanken, um Lee nicht aufzuwecken, fluchte er. Er musste es einfach schaffen, Voldemorts Geheimnis herauszufinden. Wenn er nur wüsste, wonach er suchen musste.

Er kniff fest die Augen zusammen. Vielleicht konnte er ja etwas aus den unzähligen Gesprächen entnehmen. Und wenn es nur ein kleiner Hinweis war. Ein Hinweis darauf, wie Voldemort tickte.
Er liebte Macht, natürlich. Das war alles, was er wollte und wahrscheinlich auch das Einzige, was er liebte. Wenn man das denn wirklich Liebe nennen konnte.
Und Voldemort war ein Sadist. Er stellte seine eigene Weltordnung auf und sah in ihr das Absolute, auch wenn vermutlich jeder so von sich dachte.
Tief atmete Felix durch. Irgendetwas wollte gerade in seinem Kopf Gestalt annehmen, irgendein Gedanke. Irgendein Gesprächsfetzen.
Erst vor wenigen Tagen hatte er es gesagt, als er seinen Zauber prüfte.

Das widerspricht allem, was ich über Macht lehre.

Genau das war es gewesen!
Felix musste sich nur daran erinnern, was das war. Hatte er nicht dieses Paradoxon angesprochen?
Dass Felix die Macht des Netzwerkes eigentlich durch...durch Teilung erreichen sollte?
Felix öffnete seine Augen wieder und starrte auf die Silhouetten in ihrem Schlafzimmer.
Nur gab es leider nichts, was er teilen konnte, um sein Leben zu verlängern. Es musste etwas Anderes sein. Es musste etwas Anderes geben!
Felix zog sich die Decke bis zum Kinn hoch und hielt sie eisern umklammert. Er hatte eine scheiß Angst, nicht rechtzeitig einen Rettungsweg zu finden. Ja, allein jetzt, in diesem Augenblick, ließ die Angst ihn zittern. Von den Fingerspitzen bis in den ganzen Körper vibrierte es und er wollte einfach nur, dass es aufhörte.

~

Felix hatte schon bald den Entschluss gefasst, wann er in Hogwarts eindringen würde. Sein letzter Aufenthalt bei Voldemort war jetzt schon länger her.
Dumbledore hatte von Snape davon erfahren und sich mit ihm darüber unterhalten. Felix hatte mehrmals versichert, dass er selbst die Kontrolle über das Netzwerk übernehmen konnte, wann immer es nötig war und mittlerweile war er sich sicher, dass Dumbledores Misstrauen wieder ein wenig zurückgegangen war
Deshalb würde er schon nächste Woche nach Hogwarts gehen. Nicht einmal Lee würde es bemerken, da dieser mit seinen Arbeitskollegen zusammen zum Abendessen gehen würde.

„Fe? Ist bei dir alles gut?"
Felix sah auf, als sich Lee ihm gegenüber niederließ, und legte den Tagespropheten weg. Er musste etwas zu kritisch auf die Meldungen gestarrt haben, weshalb er sich nun zu einem Lächeln zwang.
„Ja, mach dir keine Sorgen. Die Meldungen sind nur richtig beschissen, es gibt kaum noch Gutes, was veröffentlicht wird."
Lee brummte. „Es gibt zu wenig Gutes. Außerdem lassen sich schlechte Nachrichten besser verkaufen."
Seufzend nickte Felix und lehnte sich über den Tisch, um nach dem Brotkorb zu greifen.

„Aber nein, ich meine generell. Du...du schläfst nicht gut, das bekomme ich mit."
Das hatte Felix sich denken können. Nur hatte er gehofft, Lee würde es nicht weiter ansprechen.
„Ich weiß nur leider selbst nicht so richtig, woran das liegt. Ich bin zurzeit einfach ein wenig abgelenkt, keine Ahnung", murmelte er und Lee nickte.
„Verstehe", meinte er knapp.
Felix wollte noch etwas hinzufügen. Dass er wusste, wie schwer es zurzeit zwischen ihnen war. Und dass er wollte, dass sie das zusammen durchstanden, sie würden nur ein wenig durchhalten müssen. Und dann würden sie zusammen von hier verschwinden und diesen blöden Krieg hinter sich lassen. Sie könnten ans Meer gehen. Wie sie es geplant hatten.

Aber bevor er nur ein Wort hinzufügen konnte, hallte ein Läuten durch die Wohnung und ließ ihre Köpfe zur Seite drehen. Kurz bewegte sich keiner von ihnen, noch immer mit dem Gedanken bei dem jeweils anderen, dann erhob sich Felix.
„Ich schau mal, wer jetzt noch kommt", sagte er leise und verschwand im Flur.
Er war müde und nahezu alles kotzte ihn gerade an. Tatsächlich verpuffte das alles aber sogar fast, als er die Tür öffnete und Draco Malfoy auf der Schwelle stehen sah.
„Draco?", stieß er hervor. „Was tust..."
Energisch drängte sich der junge Slytherin an ihm vorbei, hinein in den Flur. Felix wirbelte herum.
„Draco, was soll das?", zischte er.

Der Malfoy blieb aber abrupt stehen, als er Lee sah, der mit verschränkten Armen im Türrahmen stand und ihn unverhohlen musterte.
„Was tut der denn hier?"
„Er wohnt hier! Und gerade ist übrigens kein guter Zeitpunkt."
Er drehte seinen Kopf zu Felix, plötzlich ein überlegenes Grinsen auf den blassen Lippen. „Tja, trotzdem muss ich mit dir reden. Und du mit mir."
Felix verdrehte seine Augen, dann sah er zu Lee.
„Er geht gleich wieder. Ich bin gleich da."
Sein Freund brummte nur knapp und verschwand wortlos. Ließ Felix direkt noch genervter fauchen als er eigentlich wollte:
„Also, was ist los?"
„Ich habe einen Weg hinein gefunden. Ganz ohne dich."

~

Felix konnte es eine ganze Weile lang nicht glauben. Erst hatte er einen Witz gerissen. Dass er persönlich ja Draco einfach das Eingangstor des Schlosses hätte zeigen können.
Bei einer Wiederholung von Malfoy, glaubte er diesem noch immer nicht und erst beim dritten Mal sickerte das langsam zu ihm durch.
„Ich habe eine Weg gefunden, wie wir in die Schule kommen und uns den Zauberstab einfach holen können. Nicht nur wir zwei. Es kommen noch andere mit, die diesem Orden heute eine ordentliche Lektion erteilen werden."
„Heute?", echote Felix ungläubig.
„Natürlich, was hast denn du gedacht? Der Dunkle Lord hat einen Befehl erteilt und wir werden ihn heute ausführen. Wir alle."

Felix wandte sich ruckartig von ihm weg und ging im Flur auf und ab.
„Aber das Schloss ist gerade in diesen Tagen voller Schutzzauber und aller möglichen sonstigen Schutzvorrichtungen. Außerdem ist Dumbledore nicht blöd, er positioniert genug seiner Leute in der Schule."
Ein Schnauben antwortete ihm.
„Das ist alles kein Hindernis. Außerdem...wenn er sagt, dass wir in Hogwarts eindringen, sobald ich den Weg gefunden habe, dann tun wir das."
Plötzlich...sah er noch blasser als sonst aus und Felix hielt inne.
„Meinst du nicht, du bist etwas zu zuversichtlich?"
Draco hob sein Kinn.
„Du kannst ja gerne hierbleiben, Däumchen drehen und dir dann die Konsequenzen für dein Nichtstun abholen. Ich werde ihn heute aber nicht enttäuschen."

Er wollte sich schon abwenden, aber mit wenigen Schritten war Felix bei ihm und hielt ihn an der Schulter fest.
„Warte, warte. Ich...ich komme mit, klar. Aber ich kann dir noch bei etwas helfen."
„Und was soll das sein?"
Mit dieser hochgezogenen Augenbraue erinnerte er Felix fast an Lucius Malfoy, seinen Vater. Aber er fuhr schnell fort.
„Ich schleiche mich schon vorher als Schüler getarnt hinein und sage dir dann Bescheid, ob die Luft rein ist."
Spöttisch kräuselten sich die Mundwinkel des Jugendlichen.
„Und wie hast du dir das vorgestellt? Willst du eine Eule schicken?"
„Nein, ich schicke die Nachricht über das Flohnetzwerk. Direkt zu dir nach Hause."
Und bevor er das tat, würde er Dumbledore und die Lehrer warnen und sich Zugang zur verbotenen Abteilung beschaffen.

Der Erbe des Prinzen - Die Entscheidung (IV)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt